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Autoreneintrag · Walther von der Vogelweide
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Porträt Walther von der Vogelweide
Walther von der Vogelweide
1170 – 1230
– Autorenporträt –

Walther von der Vogelweide

1170 – 1230 · 60 Jahre

Bedeutendster Lyriker des deutschen Mittelalters – Minnesänger der wechselseitigen „herzeliebe" und scharfer politischer Sangspruchdichter zwischen Stauferkönigen, Welfen und Päpsten.

Kurzporträt

Walther von der Vogelweide gilt als der bedeutendste deutschsprachige Lyriker des Mittelalters. Geboren wurde er um 1170, gestorben ist er um 1230. Er dichtete in mittelhochdeutscher Sprache. Sein Werk prägte sowohl die Minnelyrik als auch die politische Sangspruchdichtung seiner Zeit nachhaltig. Sein Geburtsort ist unbekannt. Gestorben ist er möglicherweise in Würzburg. Dort wurde ihm im sogenannten Lusamgärtchen am Neumünster später ein Gedenkstein gesetzt. Zu seinem Werk gehören Minnelieder, religiöse Texte und Kreuzzugslieder. Dazu kommen agitatorische politische Sprüche. In ihnen griff er in die Thronstreitigkeiten seiner Zeit ein und bezog scharf gegen das Papsttum Stellung.


Biografie

Über das Leben Walthers gibt es laut der Neuen Deutschen Biographie nur ein einziges urkundliches Zeugnis. Es findet sich im Ausgabenregister des Passauer Bischofs und Literaturmäzens Wolfger von Erla. Es besagt, dass dem Sänger „Walthero cantori de Vogelweide" am 12. November 1203 im niederösterreichischen Zeiselmauer fünf lange Schillinge für den Kauf eines Pelzmantels ausgehändigt wurden. Alle weiteren Hinweise auf seine Biographie sind literarische Selbstaussagen in seinen Liedern und Sprüchen. Deren Zeugniswert stuft die Forschung als unsicher ein.

Geburtsort und Herkunft Walthers liegen im Dunkeln. Ein Geburtsort oder Hof „Vogelweide" lässt sich laut der NDB nicht authentisch nachweisen. Möglicherweise stammte der Dichter aus dem niederen Rittertum. Seine künstlerischen Fähigkeiten, das „singen unde sagen", erwarb er nach eigener Aussage in Österreich, wohl am Wiener Hof des Babenberger Herzogs Friedrich I.

Nach dem Tod des Babenbergers 1198 begann das Wanderleben des fahrenden Sängers. Es führte ihn nach Auskunft der NDB im Umkreis der Flüsse Seine, Mur, Po, Trave, Elbe und Rhein bis an die ungarische Grenze. Als Lebensstationen lassen sich Aufenthalte an den Höfen des Stauferkönigs Philipp von Schwaben (1198–1201), des Welfenkaisers Otto IV. (1212/13) und des Stauferkaisers Friedrich II. und seiner Reichsverweser (zwischen 1213 und 1229) ermitteln. Mehrfach weilte Walther auf der Wartburg bei Landgraf Hermann von Thüringen (1201, 1204/05 und nach 1213/14). 1203 befand er sich im Gefolge Wolfgers von Erla. Er stand außerdem im Dienst des Markgrafen Dietrich von Meißen (1212) und des Grafen Diether II. von Katzenelnbogen sowie der Herzöge Bernhard II. von Kärnten (1215/16?) und Ludwig (vermutlich I. von Bayern).

An den Wiener Hof kehrte er mehrmals zurück (1200, 1203, 1214/15, 1216/17, 1219). Dort fand vermutlich auch die literarisch fruchtbare Auseinandersetzung mit dem Minnesänger Reinmar dem Alten statt. Sie ist in der Forschung als „Reinmarfehde" bekannt. Um 1220 erhielt Walther von Friedrich II. ein Lehen. Damit endete das fahrende Leben, und er wurde sesshaft.

Über die genauen Umstände seines Todes ist nichts gesichert. Der Würzburger Protonotar Michael de Leone schrieb um 1350 in seinem „Hausbuch" und „Manuale" eine nicht überprüfbare Angabe nieder. Danach soll sich Walthers Grab im Kreuzgang des Würzburger Kollegiatsstifts Neumünster befunden haben – an dem Ort, der später „Lusamgärtchen" genannt wurde.


Literarische Merkmale

Walthers Werk umfasst zwei große Bereiche: die Liedlyrik mit dem Minnesang als Hauptgattung und die politische Sangspruchdichtung. In beiden Feldern setzte er nach Auskunft der NDB wegweisende Impulse.

Im Minnesang griff Walther zunächst das Werbelied und sein Konzept der „Hohen Minne" auf. Reinmar der Alte und Heinrich von Morungen hatten diese Form zur künstlerischen Vollendung geführt. Im vorherrschenden Subtyp, der „Minneklage", besingt der Sänger die leidvoll erfahrene, vergebliche Werbung um eine höfische Dame, die sich dem Minnedienst verweigert. Walther stellte diesem Modell andere Beziehungsformen gegenüber. Er modifizierte das Bild der ständisch übergeordneten Herrin und propagierte das Ideal der „herzeliebe". Damit ist eine wechselseitige, beide Partner gleichermaßen beglückende Liebe gemeint. Sie verlangt dem Sänger nicht die Beständigkeit im entsagungsvollen Dienen ab, sondern lässt ihm die Freude der Liebeserfüllung zuteilwerden. Daneben widmete er sich der Ergründung des Minnephänomens und seiner gesellschaftlichen Geltung auch in reflektierenden, theoretisch erörternden Strophen.

Walther adaptierte zudem andere Liedformen: Frauenmonolog, Botenlied, Dialoglied, Wechsel und Tagelied. Deren Inhalte und Strukturen gestaltete er individuell aus. Zu seinem Liedwerk gehören außerdem religiöse Texte. In den Kreuzzugsliedern verbinden sich eindringliche, theologisch begründete Appelle zur Kreuznahme mit Reflexionen über den persönlichen Heilsweg. Die inhaltlich hochkomplexen Lieder der „Altersdichtung" sind retrospektiv ausgerichtet. In ihnen gelangt der Sänger im Blick auf die Ewigkeit zur Absage an die Welt und die diesseitige Minne.

In den politischen Sangsprüchen vertrat Walther unterschiedliche, mitunter konträre Positionen. Sie hingen von seinen jeweiligen Auftraggebern ab. Im staufisch-welfischen Thronstreit engagierte er sich zunächst für Philipp von Schwaben. Dann wechselte er auf die welfische Seite zu Otto IV. Mit Sprüchen für Friedrich II. wurde er erneut Parteigänger der Staufer. Er griff in die Auseinandersetzungen zwischen Königtum und Territorialgewalt ein und äußerte sich durchgehend antipäpstlich. Mit taktisch subtiler Beweisführung und beißender Satire wies er die Machtansprüche der Päpste Innozenz III. und Gregor IX. zurück. Er polemisierte gegen Amtsmissbrauch und gegen die Pervertierung christlicher Tugenden durch das kirchliche Oberhaupt und die Kurie.


Rezeption

Walther von der Vogelweide gilt nach Auskunft der NDB als der bedeutendste Lyriker des deutschen Mittelalters. Sein Werk gab sowohl der Tradition der Liedlyrik als auch jener der Sangspruchdichtung wegweisende Impulse. Es wurde in mehr als dreißig Textzeugen überliefert.

Zu den Hauptüberlieferungen zählen die berühmtesten Liederhandschriften des deutschen Mittelalters: die Kleine Heidelberger Liederhandschrift (um 1270), die Weingartner Liederhandschrift (erstes Viertel des 14. Jahrhunderts), die als Codex Manesse bekannte Große Heidelberger Liederhandschrift (erste Hälfte des 14. Jahrhunderts), die Würzburger Liederhandschrift im Hausbuch des Michael de Leone (um 1345/54) sowie die Weimarer und die Jenaer Liederhandschrift. Sowohl die Weingartner als auch die Große Heidelberger Liederhandschrift enthalten typgleiche Miniaturen des Dichters.

Im 19. Jahrhundert übertrug Karl Simrock Walthers Gedichte ins Neuhochdeutsche (1833, mit Erläuterungen von Wilhelm Wackernagel). Wichtige wissenschaftliche Ausgaben legten später Horst Brunner (1977 und 2012), Günther Schweikle (Gesamtausgabe 2009/11, neu bearbeitet von Ricarda Bauschke-Hartung) sowie Thomas Bein vor. Beins Ausgabe von 2013 gilt heute als Standardausgabe.

Die nationale Verehrung Walthers im 19. und frühen 20. Jahrhundert spiegelt sich in zahlreichen Denkmälern. 1842 wurde er in die Walhalla bei Donaustauf aufgenommen. Es folgten Standbilder in Innsbruck (1876, von Nikolaus Niggl), Bozen (1889, von Heinrich Natter), Würzburg (1894, am Frankoniabrunnen von Ferdinand von Miller) und im böhmischen Dux (1911). 1930 wurde im Würzburger Lusamgärtchen, dem vermuteten Begräbnisort, ein Gedenkstein errichtet. Eine späte Würdigung erhielt der Dichter 1999 mit einem Denkmal von Liesel Hellmuth auf dem Marktplatz von Weißensee in Thüringen.

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