1515 – 1582
Teresa von Ávila
Kurzbiografie↑
Als spanische Karmelitin und Mystikerin gehört Teresa von Ávila zu den bekanntesten geistlichen Gestalten des 16. Jahrhunderts. Geboren wurde sie am 28. März 1515 in Ávila in Kastilien, gestorben ist sie im Oktober 1582 in Alba de Tormes bei Salamanca. Sie reformierte den Karmelitenorden, gründete den Zweig der Unbeschuhten Karmelitinnen und hielt ihre Gebets- und Glaubenserfahrungen in eigenen Schriften fest. Die katholische Kirche verehrt sie als Heilige und als Kirchenlehrerin. Oft wird sie die „große Teresa“ genannt, um sie von der heiligen Theresia vom Kinde Jesus aus Lisieux zu unterscheiden.
Biografie↑
Geboren wurde Teresa Sánchez de Cepeda y Ahumada im Jahr 1515. Sowohl Wikidata als auch die Deutsche Biographie nennen Ávila als Geburtsort, und auch die meisten Biographen folgen dieser Zuordnung. Nur eine Minderheit nennt das Dorf Gotarrendura in der Provinz Ávila, ohne überzeugende Belege und gegen eine jahrhundertealte Überlieferung.
Ihre Familie hatte eine bewegte Vorgeschichte. Der Großvater väterlicherseits, Juan Sánchez de Toledo Cepeda, war ein wohlhabender Kaufmann jüdischer Herkunft aus Toledo. Im Jahr 1485 trat er mit seiner Familie zum Christentum über, erwarb einen Adelsbrief und zog nach Ávila. Teresas Vater Alonso Sánchez de Cepeda heiratete in zweiter Ehe Beatriz de Ahumada. Aus dieser Verbindung stammten zehn Kinder, von denen Teresa das dritte war. Sie selbst schrieb: „Wir waren drei Schwestern und neun Brüder“.
Nach dem Tod der Mutter im Jahr 1528 vertiefte sich Teresa in die damals beliebten Ritterromane und geriet in eine religiöse Krise. Als 1531 ihre Halbschwester heiratete, brachte der Vater die Sechzehnjährige zur Erziehung in das Kloster der Augustinerinnen Santa María de la Gracia in Ávila. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie es nach achtzehn Monaten wieder verlassen. Bei ihrem Onkel Pedro Sánchez de Cepeda fielen ihr einige Bücher in die Hände, darunter die Briefe des Kirchenvaters Hieronymus, die für ihre Berufswahl wichtig wurden.
Am 2. November 1535 trat Teresa gegen den Willen ihres Vaters in den Karmel von der Menschwerdung in Ávila ein. Ein Jahr später wurde sie eingekleidet, 1537 legte sie ihre Ordensprofess ab. Bald darauf erkrankte sie schwer. Eine sichere Diagnose ist nicht möglich; genannt wurden unter anderem Epilepsie, Depression und Brucellose. Im August 1539 fiel sie in eine dreitägige, todesähnliche Starre; man hielt sie für tot und hob bereits das Grab aus. Drei Jahre lang blieb sie mehr oder weniger gelähmt.
Ab 1542 besserte sich ihr Zustand. In der Fastenzeit 1554 erlebte sie vor einer Statue des leidenden Christus eine tiefe innere Umkehr, die sie später ihre „Zweite Bekehrung“ nannte und mit den Worten „neues Leben“ beschrieb. In den folgenden Jahren erlebte sie erste tiefe Gebetserfahrungen und Visionen. Unfähige Beichtväter verunsicherten sie, doch fand sie bei Dominikanern und Jesuiten, unter ihnen Francisco de Borja, Rat und Hilfe. In diese Zeit fielen die ersten Aufzeichnungen für ihre Lebensbeschreibung.
Im September 1560 fand in ihrer Klosterzelle die sogenannte Gründungssitzung statt, bei der der Wunsch nach einer Gemeinschaft nach Art der „Unbeschuhten“ ausgesprochen wurde. Mit Unterstützung des Bischofs von Ávila, Álvaro de Mendoza, erhielt Teresa von Papst Pius IV. die Erlaubnis zur Klostergründung. Am 24. August 1562 errichtete sie ihre erste Gründung, den Konvent vom heiligen Josef in Ávila, in dem wieder die ursprüngliche Ordensregel befolgt werden sollte. Sechzehn weitere Gründungen für Schwestern folgten. Gemeinsam mit Johannes vom Kreuz begründete sie auch den männlichen Zweig des Teresianischen Karmels; im Spätsommer 1568 führte sie ihn in Valladolid in ihre Ziele ein. Kennzeichen ihres Weges waren ein geschwisterlicher Lebensstil und eine enge Freundschaft mit Gott, getragen von Demut und Selbsterkenntnis. Damit hob sie sich bewusst vom strengen Reformideal ab, das auf aufsehenerregende Bußübungen setzte.
Am 6. Oktober 1571 wurde Teresa gegen ihren Willen zur Priorin des Karmels von der Menschwerdung ernannt, in den sie einst eingetreten war. Sie holte Johannes vom Kreuz als geistlichen Begleiter in den inzwischen auf rund zweihundert Schwestern angewachsenen Konvent. Ihre auf Sanftmut statt auf Strenge gegründete Führung brachte dort eine echte Erneuerung. 1575 lernte sie den gebildeten Karmeliten Jerónimo Gracián kennen, mit dem sie eine tiefe Verbundenheit verband.
Zwischen ihrer Neugründung und dem Stammorden entbrannte ein heftiger Streit, in den sich auch die Spannungen zwischen der päpstlichen Kurie und dem Hof Philipps II. mischten. Beigelegt wurde er durch ein Breve Papst Gregors XIII. vom Juni 1580. Am 7. März 1581 wurde eine selbständige Ordensprovinz des Teresianischen Karmels errichtet. Auf dem Heimweg von ihrer letzten Gründung in Burgos wurde Teresa nach Alba de Tormes abgeordnet, wo sie der jungen Herzogin von Alba beistehen sollte. Todkrank kam sie dort am 20. September 1582 an und starb im Karmelitinnenkloster am Abend des 4. Oktober 1582. Weil damals die gregorianische Kalenderreform in Kraft trat, folgte auf diesen Tag unmittelbar der 15. Oktober, an dem sie beerdigt wurde. Wikidata und die Deutsche Biographie geben deshalb den 15. Oktober als Todestag an.
Literarische Merkmale↑
Ihr Schreiben wuchs unmittelbar aus dem geistlichen Leben. Teresa hielt zunächst ihre eigenen Gebets- und Glaubenserfahrungen fest, angeregt und begleitet von Beichtvätern und geistlichen Ratgebern. So entstanden die ersten Aufzeichnungen für ihre Lebensbeschreibung. Prägend war das von ihr geübte „innere Beten“, das sie selbst als „Verweilen bei einem Freund“ beschrieb. Aus dieser Haltung heraus schilderte sie Visionen und innere Erfahrungen in einer Sprache, die aus persönlicher Erfahrung spricht.
Rezeption↑
Bis heute gilt Teresa von Ávila als eine der bekanntesten Frauengestalten des frühneuzeitlichen Katholizismus; sie wird sogar die „berühmteste Nonne“ dieser Zeit genannt. Die katholische Kirche verehrt sie als Heilige und als Kirchenlehrerin. Wegen der Verbindung ihrer Tatkraft mit tiefer Frömmigkeit nannte der niederländische Theologe Paul van Geest sie ein „Kraftwerk ihres Jahrhunderts“. Ihr Werk und ihre Ordensgründungen wirkten weit über ihre Zeit hinaus: Der von ihr mitbegründete Teresianische Karmel bestand als eigene Ordensprovinz fort, und ihr Name ist bis heute mit der Erneuerung des Karmelitenordens verbunden.
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