1811 – 1863
William Makepeace Thackeray
Kurzporträt↑
William Makepeace Thackeray war ein britischer Schriftsteller. Er gilt neben Charles Dickens und George Eliot als bedeutendster englischsprachiger Romancier des Viktorianischen Zeitalters. Geboren wurde er 1811 in Indien, gestorben ist er 1863 in London. Nach einer wechselvollen Jugend und einem unsteten Lebensweg fand er zur Literatur. Sein berühmtestes Werk ist der Roman Jahrmarkt der Eitelkeit (im englischen Original Vanity Fair). Er erschien 1847/48 und sicherte ihm Ansehen wie auch materiellen Wohlstand. Daneben schuf er zahlreiche weitere Romane, Erzählungen und satirische Prosaskizzen.
Biografie↑
Thackeray wurde am 18. Juli 1811 in Indien geboren. Er war das einzige Kind des Kolonialbeamten Richmond Thackeray. Als Geburtsort nennen die Quellen die indische Stadt, deren Name uneinheitlich überliefert ist: Wikidata verwendet die Schreibweise „Kolkata", die Deutsche Nationalbibliothek führt „Kalkutta" an. Seine Mutter hieß Anne Becher. Er selbst war ein Urenkel von Thomas Thackeray, einem Direktor der Harrow School. Bereits 1815, im Kindesalter, wurde er zum Halbwaisen, als sein Vater starb.
Im Jahr 1817 schickte man ihn zur Schulbildung auf Internate nach England. An der Charterhouse School lernte er das englische Schulwesen kennen. Er schilderte es später anschaulich in der Weihnachtserzählung Doctor Birch and his young friends und in mehreren seiner größeren Werke. In den Jahren 1829/30 studierte er am Trinity College in Cambridge. Er verließ die Universität jedoch ohne Abschluss und ging nach London. Im darauffolgenden Jahr unternahm er eine Reise auf den europäischen Kontinent. Er besuchte Frankreich und Italien sowie Deutschland. In Weimar lernte er unter anderem Johann Wolfgang von Goethe kennen. In den Jahren 1831/32 studierte er Rechtswissenschaft in London.
Ein einschneidendes Ereignis fiel in das Jahr 1833: Thackeray verlor sein geerbtes Vermögen. Er ging nach Paris, um dort Kunst zu studieren. 1836 heiratete er in Paris die Irin Isabella Shawe. Aus dieser Ehe gingen drei Töchter hervor, darunter Anne Thackeray Ritchie, die selbst Schriftstellerin wurde. Im selben Jahr erschien Thackerays erster Artikel in der Zeitung The Constitutional, die sein Stiefvater begründet hatte. Dieses liberale Blatt wurde jedoch schon nach einem Jahr wieder eingestellt.
1837 kehrte er nach London zurück und begann als Journalist zu arbeiten. 1840 erschien sein erstes Buch in England. Im selben Jahr traf ihn ein schwerer privater Schicksalsschlag: Seine Frau erlitt einen Nervenzusammenbruch und kam in eine Heilanstalt. 1844 unternahm Thackeray eine Reise ans Mittelmeer und in den Nahen Osten. Im selben Jahr erschien der Roman Die Memoiren des Junkers Barry Lyndon. Er diente später Stanley Kubrick als Vorlage für seinen Film Barry Lyndon.
Der Durchbruch kam mit dem Roman Jahrmarkt der Eitelkeit, der 1847/48 erschien. Dieses Werk gilt als sein literarisches Meisterwerk. Es machte ihn endgültig zu einem angesehenen Autor und verschaffte ihm zugleich materiellen Wohlstand. Sein hohes soziales Ansehen zeigte sich auch in seiner Mitgliedschaft in gleich vier der renommiertesten britischen Clubs: dem Athenaeum, dem Travellers, dem Garrick und dem Reform Club.
In den folgenden Jahren entstand eine Reihe weiterer Romane und Schriften. Dazu zählen die Prosaskizzen Die Snobs (1849), der Roman Geschichte von Pendennis (1849), Rebecca and Rowena (1850) als Fortsetzung von Scotts Ivanhoe, The History of Henry Esmond (1852), das Kinderbuch The Rose and the Ring (1855), Die Newcomes (1855), Die Virginier (1857–1859) sowie The Adventures of Philip (1862). Thackeray starb am 24. Dezember 1863 in London.
Literarische Merkmale↑
Thackeray gilt als einer der großen Erzähler des Viktorianischen Zeitalters. Er wird in einer Reihe mit Charles Dickens und George Eliot genannt. Sein Werk umfasst sowohl umfangreiche Romane als auch satirische Prosaskizzen, wie sie etwa in Die Snobs zum Ausdruck kommen. Stoffe und Schauplätze seiner Bücher schöpfte er häufig aus eigenem Erleben. So flossen seine Erfahrungen mit dem englischen Internatswesen in mehrere Werke ein. Auch seine Reisen auf dem europäischen Kontinent hinterließen Spuren in seinem Schaffen. Mehrere seiner Bücher illustrierte er mit eigenen Zeichnungen, was auf seine künstlerische Ausbildung in Paris zurückgeht.
Rezeption↑
Thackeray zählt zu den bedeutendsten englischsprachigen Romanciers des 19. Jahrhunderts. Er wird gemeinsam mit Charles Dickens und George Eliot genannt. Sein Werk hat über die Literaturwissenschaft hinaus nachgewirkt: Der Roman Die Memoiren des Junkers Barry Lyndon lieferte Stanley Kubrick die Vorlage für seinen Film Barry Lyndon. Sein Hauptwerk Jahrmarkt der Eitelkeit wurde 2004 verfilmt und 2018 als siebenteilige Fernsehserie umgesetzt. Mehrere seiner Werke liegen in deutscher Übersetzung vor und wurden in späteren Jahrzehnten neu aufgelegt, etwa Das Buch der Snobs im Manesse Verlag. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Thackeray reicht weit und umfasst zahlreiche Studien. Dazu gehören Arbeiten zu seinem Verhältnis zu Dickens, zu seiner Darstellung von Frauen und zu seinen deutschen wie europäischen Bezügen. Auch ein Vergleich mit dem deutschen Realisten Theodor Fontane wurde untersucht.
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