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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Simon Vestdijk
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Porträt Simon Vestdijk
Simon Vestdijk
1898 – 1971
– Autorenporträt –

Simon Vestdijk

1898 – 1971 · 72 Jahre

Niederländischer Schriftsteller und Arzt, der von der Literatur lebte und ein riesiges Werk hinterließ – allein 52 Romane, dazu Gedichte, Essays und Kritik.

Kurzbiografie↑

Zu den vielseitigsten und produktivsten Autoren der niederländischen Literatur des 20. Jahrhunderts zählt Simon Vestdijk. Er wurde 1898 in Harlingen geboren und starb 1971. Ursprünglich Arzt, lebte er ab 1932 ganz von der Literatur und schuf ein außergewöhnlich umfangreiches Werk: allein 52 Romane, dazu Gedichte, Essays sowie Musik- und Literaturkritik. Bekannt wurde er vor allem durch seine Romane, unter ihnen der teils autobiografische Der kupferne Garten. Sein Kollege Menno ter Braak nannte ihn einen „Teufelskünstler“.


Biografie↑

Geboren wurde Simon Vestdijk am 17. Oktober 1898 in Harlingen, einer Stadt in der niederländischen Provinz Friesland, in der er seine Jugend verbrachte. Von 1917 bis 1927 studierte er Medizin. Danach arbeitete er bis 1932 als Arzt, eine Zeit lang auch an Bord eines Schiffes.

In den 1920er Jahren schrieb Vestdijk zunächst unter dem Pseudonym Petit Moune. Ab 1932 gab er den Arztberuf auf und lebte fortan von der Literatur.

Während der deutschen Besatzung wurde er zusammen mit anderen niederländischen Intellektuellen für geraume Zeit als Geisel festgehalten, unter anderem im Scheveninger „Oranje Hotel“ und in Sint-Michielsgestel. Der Grund war, dass sie sich der Kulturkammer nicht anschließen wollten. Nach dem Krieg zog er sich nach Doorn in der Provinz Utrecht zurück.

Sein Leben lang litt Vestdijk unter schweren Depressionen, mit denen er seit seiner Jugend bis zum Lebensende kämpfte. Er starb am 23. März 1971. Wo genau, ist in den Quellen nicht einheitlich überliefert: Während Wikidata Utrecht als Sterbeort nennt, verzeichnet die Deutsche Biographie Doorn.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Vestdijks Erzählen war ein barocker Stil mit vielen Unterbrechungen und Gedankensprüngen. In seiner Lyrik kehren Themen wie Angst, Jugend, Tod, Liebe und Verehrung immer wieder. Geprägt wurde er von James Joyce, Franz Kafka, Marcel Proust und Rainer Maria Rilke.


Rezeption↑

Berühmt wurde Vestdijk vor allem durch die 52 Romane, die er verfasste. Einige davon sind autobiografisch angelegt; man erkennt sie daran, dass die Hauptfigur Anton Wachter heißt und aus „Lahringen“ stammt – einem Anagramm seines Geburtsorts Harlingen. Teils autobiografisch ist auch Der kupferne Garten von 1950, in dem das Thema der Vertreibung aus dem Paradies erscheint. Zu seinen bekannten Romanen zählen ferner Pastorale 1943 (1948), Das fünfte Siegel (1937) über den spanischen Maler El Greco, Die Feueranbeter (1947) über Religionsstreitigkeiten im 17. Jahrhundert sowie Der Kellner und die Lebenden (1949), der das Letzte Gericht zum Thema hat. Mehrere seiner Romane wurden verfilmt und ins Deutsche übersetzt.

Vestdijk galt als sehr produktiver Literat. Sein Kollege Menno ter Braak nannte ihn 1940 einen „Teufelskünstler“, und der Dichter Adriaan Roland Holst bezeichnete ihn als „Mann, der schneller schreibt, als Gott lesen kann“. Er verfasste viele Gedichte, die nach Ansicht mancher Kenner zu Unrecht unterschätzt wurden. Daneben schrieb er Essays und arbeitete als Literatur- und Musikkritiker, so in der Sammlung Die Zukunft der Religion. Auch diese Arbeiten gelten teils als sehr bedeutend.

Spätere Autoren wie Brakman, Haasse, 't Hart, Meijsing und Buwalda wurden von ihm beeinflusst. Nach seinem Tod gründete sich 1972 der Vestdijkkring, ein Kreis von rund 250 Mitgliedern, der das Werk fördert. Seit 1973 gibt er die Zeitschrift Vestdijkkroniek heraus, verleiht den Ina-Damman-Preis und den Anton-Wachter-Preis und veranstaltet Leseringe und Symposien.

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Aus dem Werkverzeichnis↑

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