1828 – 1905
Jules Verne
Kurzporträt↑
Jules Verne (1828–1905) gilt neben Hugo Gernsback, Kurd Laßwitz und H. G. Wells als einer der Begründer der Science-Fiction-Literatur. Der französische Schriftsteller wurde vor allem durch seine Reise- und Abenteuerromane berühmt. In ihnen nahm er mit wissenschaftlicher und technischer Intuition künftige Entwicklungen vorweg. Werke wie Reise zum Mittelpunkt der Erde (1864), Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer (1869) und Reise um die Erde in 80 Tagen (1872) machten ihn weltweit bekannt. Sein Verleger Pierre-Jules Hetzel fasste seine Romane unter der Rubrik „Voyages extraordinaires" (Außergewöhnliche Reisen) zusammen.
Biografie↑
Jules Gabriel Verne wurde am 8. Februar 1828 in der Hafenstadt Nantes geboren. Er wuchs im Reederviertel auf, als ältestes von fünf Kindern eines Anwalts und einer aus Reederkreisen stammenden Mutter. Als Elfjähriger soll er heimlich versucht haben, eine Seereise als Schiffsjunge anzutreten. Im letzten Moment sei er aber von Bord geholt worden. Seine Schulzeit verbrachte er auf katholischen Privatschulen seiner Heimatstadt. 1846 beendete er sie auf dem staatlichen Gymnasium. Anschließend ging er zum Jurastudium nach Paris, weil er die väterliche Anwaltspraxis übernehmen sollte.
Spätestens als Student begann er zu schreiben. Er knüpfte Kontakt zur Welt der Pariser Literaten, unter anderem zu Alexandre Dumas, der ihn etwas protegierte, und zu dessen Sohn Alexandre Dumas dem Jüngeren, mit dem er sich anfreundete. Nach Abschluss des Studiums 1849 blieb er in Paris. Zunächst versuchte er sich vor allem in verschiedenen dramatischen Genres, von der Tragödie bis zum Opernlibretto. 1851 wurde ein erstes Stück von einer literarischen Zeitschrift angenommen. Im selben Jahr erschienen dort auch zwei Erzählungen von ihm. Die Sujets Seefahrt und Ballonfahrt ließen ihn nicht mehr los.
1852 wurde Verne Sekretär des Intendanten des Pariser Théâtre-Lyrique. Für dieses produzierte er in den folgenden Jahren teils allein, teils in einem Autorenteam Stücke. 1855 erschien die Reise-Abenteuer-Erzählung Un hivernage dans les glaces (Eine Überwinterung im Eis). 1857 heiratete er die verwitwete Honorine Anne Hébée (de Viane) Verne, die zwei Kinder mit in die Ehe brachte. 1861 kam der gemeinsame Sohn Michel zur Welt. Einige Jahre arbeitete Verne mäßig erfolgreich als Börsenmakler. Nebenher unternahm er 1859 und 1861 mit dem befreundeten Komponisten Aristide Hignard Schiffsreisen nach Schottland und Norwegen. Diese erschlossen ihm die Welt der Seefahrt. Aus der ersten Reise entstand der Roman Voyage à reculons en Angleterre et Écosse, der zu Vernes Lebzeiten unveröffentlicht blieb.
Entscheidend wurde 1862 die Begegnung mit dem Jugendbuchverleger Pierre-Jules Hetzel. Dieser brachte Vernes ersten Science-Fiction-Reiseroman Cinq semaines en ballon (Fünf Wochen im Ballon) heraus. Er nahm ihn für weitere Romane derselben Machart unter Vertrag und leitete ihn zum publikumswirksamen Schreiben an. Über Hetzel kam Verne in Kontakt mit Naturforschern und Erfindern. Diese erweiterten seine Kenntnisse und verhalfen ihm zu Ideen, die er in einem immensen Zettelkasten sammelte. Mit den Fünf Wochen im Ballon gelang ihm der Durchbruch. Das Buch war zwar nicht sofort ein Verkaufsschlager, verkaufte sich aber über vier Jahrzehnte kontinuierlich in mehreren Auflagen.
In den folgenden Jahren erschienen seine Romane meist fortsetzungsweise in Hetzels 1864 gegründeter Jugendzeitschrift „Magazin illustré d'éducation et de récréation", ehe sie als Buch herauskamen. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Voyages et aventures du capitaine Hatteras (1864/65), Voyage au centre de la Terre (1864), De la Terre à la Lune (1865), Autour de la Lune (1869) und Vingt mille lieues sous les mers (1869). 1872 erschien sein größter Erfolg, Le Tour du monde en 80 jours (Reise um die Erde in 80 Tagen). Diesen bearbeitete er mit Adolphe d'Ennery auch für das Theater. 1876 folgte, ähnlich erfolgreich, der in Sibirien spielende Abenteuer-Politkrimi Michel Strogoff (Der Kurier des Zaren), ebenfalls als Bühnenstück adaptiert.
Spätestens seit Le Tour du monde war Verne ein geachteter und reicher Mann. Er unternahm zahlreiche Reisen per Bahn und Schiff, 1867 etwa mit dem größten Passagierdampfer der Zeit, der Great Eastern, in die USA. Ab 1866 fuhr er mit eigenen Segel- und schließlich Dampfer-Yachten auf Kanal, Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeer. Seit 1870 lebte er in einem repräsentativen Haus in Amiens, der Heimatstadt seiner Frau. Im selben Jahr wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Zudem wurde er – für einen Nichtbriten ungewöhnlich – in den renommierten Londoner Travellers Club aufgenommen.
Kummer bereitete ihm sein Sohn Michel. Diesen hatte er 1876 als Fünfzehnjährigen zeitweilig in eine Erziehungsanstalt gegeben und sich erst 1888 mit ihm ausgesöhnt. 1883 scheiterten seine Versuche, sich als Kandidat für die Académie Française ins Spiel zu bringen. 1886 wurde er durch den Pistolenschuss eines psychisch erkrankten Neffen schwer verletzt und behielt Behinderungen zurück. 1888 begann er, sich kommunalpolitisch zu betätigen, und wurde mehrfach als Stadtrat in Amiens gewählt. Zunächst gehörte er eher der linken, später der rechten Mitte an und engagierte sich für Stadtplanung und das städtische Theater. 1898, in der Dreyfus-Affäre, wurde er zu den „Anti-Dreyfusarden" gezählt. 1899 setzte er sich aber für die Wiederaufnahme des Verfahrens ein. Am 17. März 1905 erlitt er einen Diabetesanfall. Sieben Tage später, am 24. März 1905, starb er in Amiens. Nach seinem Tod gab sein Sohn zahlreiche, teils stark bearbeitete Werke aus dem Nachlass heraus und verfasste eigene Werke unter dem Namen des Vaters.
Literarische Merkmale↑
Vernes Domäne waren Reise- und Abenteuerromane mit mehr oder weniger großem Science-Fiction-Anteil. Sein Verleger Hetzel vermarktete sie unter der Rubrik „Voyages extraordinaires" (Außergewöhnliche Reisen) und leitete ihn zum publikumswirksamen Schreiben an. Charakteristisch ist die Verbindung von Abenteuerhandlung und naturwissenschaftlich-technischem Stoff. Verne nahm mit viel wissenschaftlicher und technischer Intuition manche später realisierte Entwicklung vorweg. Dieser visionäre Zug betrifft im Schwerpunkt die Literatur der ersten zwölf Jahre nach seinem Erstlingswerk.
Für das fachliche Fundament seiner Romane sorgte ein eigens angelegter, immens umfangreicher Zettelkasten. In ihm sammelte Verne Ideen, Daten und Anregungen. Über Hetzel kam er in Kontakt mit Naturforschern und Erfindern, die seine Kenntnisse erweiterten und ihn fachlich berieten. Neben der Romanform arbeitete er auch für die Bühne. Reise um die Erde in 80 Tagen adaptierte er mit Adolphe d'Ennery für das Theater, ebenso wurde Michel Strogoff zu einem Stück verarbeitet. Schon als junger Autor in Paris hatte er sich in verschiedenen dramatischen Genres versucht, von der Tragödie bis zum Opernlibretto.
Rezeption↑
Vernes Romane erschienen meist zuerst fortsetzungsweise in Hetzels Jugendzeitschrift „Magazin illustré d'éducation et de récréation", bevor sie als Buch herauskamen. So erreichten sie ein breites Publikum. Reise um die Erde in 80 Tagen wurde 1872 sein größter Erfolg. Michel Strogoff schloss 1876 ähnlich erfolgreich an. Spätestens seit Le Tour du monde war Verne ein geachteter und reicher Mann. 1870 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und in den renommierten Londoner Travellers Club aufgenommen – eine für einen Nichtbriten ungewöhnliche Ehre.
Die literarische Anerkennung der Zeit blieb jedoch geteilt. 1883 scheiterten Vernes Versuche, sich als Kandidat für die Académie Française ins Spiel zu bringen. Offenbar wurden seine Schriften von den anderen „Académiciens" nicht als seriöse Literatur akzeptiert. Auch noch heute wird er von der zünftigen Literaturgeschichtsschreibung meist nur nebenher erwähnt. Gleichwohl gilt er, gemeinsam mit Hugo Gernsback, Kurd Laßwitz und H. G. Wells, als einer der Begründer der Science-Fiction-Literatur. Sein Nachwirken wurde zusätzlich dadurch geprägt, dass sein Sohn Michel nach Vernes Tod zahlreiche, teils stark bearbeitete Werke aus dem Nachlass herausgab und eigene Werke unter dem Namen des Vaters veröffentlichte.
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