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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Lessja Ukrajinka
Lessja Ukrajinka
1871 – 1913
– Autorenporträt –

Lessja Ukrajinka

1871 – 1913 · 42 Jahre

Ukrainische Dichterin, Dramatikerin und Übersetzerin, die trotz lebenslanger Krankheit für die Freiheit und die ukrainische Sprache dichtete.

Kurzbiografie↑

Als ukrainische Dichterin, Dramatikerin und Übersetzerin gehört Lessja Ukrajinka zu den prägenden Stimmen der ukrainischen Literatur um 1900. Geboren wurde sie 1871 in Swjahel im damaligen Russischen Kaiserreich, dem Gebiet der heutigen Ukraine; unter ihrem bürgerlichen Namen hieß sie Larysa Petriwna Kossatsch. Ihr Werk reicht von folkloristischer, traditioneller Lyrik über impressionistische Naturlyrik bis zu historischer Dichtung und gilt als bedeutender Beitrag zur Neuromantik. Ihr Leben lang kämpfte sie mit einer Tuberkulose-Erkrankung, dichtete aber unermüdlich bis zu ihrem Tod im Jahr 1913. Neben ihrem eigenen Schaffen übertrug sie zahlreiche Werke der europäischen Literatur ins Ukrainische.


Biografie↑

Geboren wurde die Dichterin 1871 in Swjahel im Gouvernement Wolhynien, das damals zum Russischen Kaiserreich gehörte und heute in der Ukraine liegt. Als Tochter des Juristen Petro Kossatsch und der Schriftstellerin und Feministin Olena Ptschilka genoss sie eine gute Bildung und kam früh mit Literatur und Kultur in Berührung. Besonders ihr Onkel mütterlicherseits, der Historiker und politische Denker Mychajlo Drahomanow, förderte sie. Durch ihn lernte sie schon als Kind bekannte ukrainische Künstler kennen, darunter den Dichter und Dramaturgen Mychajlo Staryzkyj und den Komponisten Mykola Lyssenko.

Mit neun Jahren schrieb sie ihre ersten Gedichte. 1884 erschienen in der Lemberger Zeitschrift Sorja zwei Gedichte; dort verwendete sie erstmals das Pseudonym Lessja Ukrajinka. Trotz ihrer Neigung zur Musik und eines großen musikalischen Talents wandte sie sich wegen ihrer Tuberkulose der Literatur zu, mit der sie zeitlebens zu kämpfen hatte. Krankheitsbedingt besuchte sie keine öffentliche Schule, sondern wurde von ihrer Mutter und von Drahomanow privat unterrichtet.

Neben dem eigenen Dichten war Lessja Ukrajinka als Übersetzerin tätig. An dem 1892 in Lemberg erschienenen Buch der Lieder von Heinrich Heine war sie mit 92 Übersetzungen beteiligt. Sie übertrug außerdem Werke von Iwan Turgenew, Adam Mickiewicz und Victor Hugo, den Macbeth von William Shakespeare, Dantes Inferno sowie Stücke von Byron und Gerhart Hauptmann. Um die ukrainische Sprache neben der russischen bekannter zu machen, wählte sie bewusst volksnahe Texte zur Übersetzung aus.

Als Mitglied der jungen Literaturgruppe Plejada veröffentlichte sie in Kiew Prosatexte zu historischen und anderen Themen. Von 1894 bis 1895 lebte sie bei ihrem Onkel Drahomanow in Bulgarien, wo sie den politischen Gedichtzyklus Unfreie Lieder schrieb. Später unterstützte sie die radikale galizische Presse und veröffentlichte in der Lemberger Zeitschrift Narod satirisch-patriotische Texte. 1898 erschien in einer Literaturzeitschrift ein Artikel von Iwan Franko, der sie in einem Atemzug mit Taras Schewtschenko nannte. 1900 machte sie in Sankt Petersburg Bekanntschaft mit der russischen Literaturszene und veröffentlichte in der Zeitschrift Shizn mehrere russischsprachige Artikel über deutsche, polnische und ukrainische Literatur.

Wegen ihrer angegriffenen Lungen musste sie immer wieder Kuraufenthalte einlegen, die sie durch ganz Europa und bis nach Ägypten führten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schloss sie sich der sozialdemokratischen Bewegung an und übersetzte sozialistische und marxistische Texte. Nach den revolutionären Ereignissen von 1905 schrieb sie mehr und mehr politische Satiren, in denen sie die Bourgeoisie kritisierte. Ihre letzten Jahre verbrachte sie in Georgien und Ägypten. Trotz fortschreitender Krankheit dichtete sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1913. Ihr Leichnam wurde aus dem georgischen Surami nach Kiew überführt und auf dem Baikowe-Friedhof beigesetzt.


Literarische Merkmale↑

Anfangs prägten folkloristische, traditionelle Formen ihre Lyrik, später kam eine impressionistische Naturlyrik hinzu, und schließlich wandte sie sich der historischen Dichtung zu. In ihren Gedichten spielten die Sehnsucht nach Freiheit und folkloristische Sujets eine große Rolle. Aus ihrer Feder stammen zahlreiche Liedertexte, Balladen und Märchen. In dem Gedicht Contra Spem Spero! – zu Deutsch „Gegen die Hoffnung hoffe ich!“ – kommt der ganze Kampfeswille und der Optimismus zum Ausdruck, der sie trotz ihrer Krankheit nie verließ; dieses Gedicht hebt sich in ihrem Werk deutlich ab.

Auch ihre Arbeit als Übersetzerin folgte einem klaren Ziel: Sie wählte volksnahe Texte aus, um die ukrainische Sprache neben der russischen bekannter zu machen. In ihrer späten Schaffenszeit trat der politische Ton stärker hervor. Nach 1905 verfasste sie zunehmend politische Satiren, in denen sie das Bürgertum aufs Korn nahm.


Rezeption↑

Schon zu Lebzeiten wurde ihr Rang erkannt. 1898 stellte Iwan Franko sie in einem Zeitschriftenartikel in eine Reihe mit Taras Schewtschenko. Ihr Werk gilt als bedeutender Beitrag zur Neuromantik.

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