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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Dylan Thomas
Dylan Thomas
1914 – 1953
– Autorenporträt –

Dylan Thomas

1914 – 1953 · 39 Jahre

Der walisische Dichter Dylan Thomas schrieb vor allem Gedichte, sein Leben aber wurde vom Alkohol überschattet und endete 1953 in New York. Sein Theaterstück „Unter dem Milchwald“ gilt als sein Hauptwerk.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten walisischen Dichtern des 20. Jahrhunderts zählt Dylan Thomas, geboren am 27. Oktober 1914 in Swansea. Er schrieb Gedichte, Essays, Briefe, Drehbücher und autobiografische Erzählungen, dazu ein Theaterstück. Dieses Stück, Unter dem Milchwald (englisch Under Milk Wood), gilt als sein Hauptwerk und wurde 1954 als Hörspiel postum mit dem Prix Italia ausgezeichnet. Sein Leben war geprägt von früher literarischer Begabung und von einem Alkoholismus, der es überschattete und verkürzte. Thomas starb am 9. November 1953 in New York.


Biografie↑

Geboren wurde Dylan Marlais Thomas als zweites Kind des Gymnasiallehrers David John Thomas und dessen Frau Florence Williams. Er wuchs, wie es heißt, „in eine Tradition geboren, in der die Bibel, Predigtsammlungen und die walisischen Klassiker die Literatur waren und die Chapel die Unterhaltung am Sonntag“. Prediger und Dichter genossen in diesem Umfeld hohes Ansehen. Schon mit vier Jahren lernte er Gedichte von Shakespeare auswendig, mit acht schrieb er selbst erste Verse.

Mit elf Jahren veröffentlichte Thomas einige Gedichte in der Schülerzeitung seines Gymnasiums. Diese Schule verließ er 1931 vorzeitig. Danach arbeitete er zwei Jahre als Journalist bei der Tageszeitung South Wales Daily Post in Swansea. Anschließend zog es ihn in das Londoner Bohèmeleben und zu seiner anderen Leidenschaft, dem Alkohol.

Seine erste Gedichtsammlung erschien 1934 in London unter dem Titel 18 Poems. Mit ihr erregte er die Aufmerksamkeit von Edith Sitwell. 1937 hatte er seine erste Rundfunkaufnahme bei der BBC. Im selben Jahr heiratete er die Tänzerin Caitlin MacNamara, mit der er drei Kinder hatte. Thomas war ein überzeugter Kriegsgegner. Dem Kriegsdienst entging er, indem er volltrunken zur Musterung erschien und krankheitshalber freigestellt wurde. Als Schriftsteller war er erfolgreich, doch mit Geld konnte er nicht umgehen. Während es seiner Familie ständig am Nötigsten fehlte, gab er sein Geld für den Alkohol aus. Mit Rebecca’s Daughters versuchte er ein Drehbuch zu schreiben, das sich wie ein Roman lesen lässt.

Von 1949 bis zu seinem Tod lebte Thomas mit seiner Familie in einem notdürftig umgebauten, zweistöckigen Bootsschuppen an der Flussmündung des Tâf beim südwalisischen Fischerdorf Laugharne. Dieser Ort war das Vorbild für das fiktive Llareggub aus dem in dieser Zeit entstandenen Stück Unter dem Milchwald. Um in Ruhe weiter dichten zu können, zog er sich in einen kleinen Erker auf der Burgmauer des verfallenen Laugharne Castle zurück.

Der Literat John Malcolm Brinnin lud Thomas zu Lesereisen in die USA ein. Dort stieg er stets im Künstlerhotel Chelsea Hotel im New Yorker Greenwich Village ab, bei allen vier Reisen. Auf seiner dritten Vortragsreise wurde er um ein Libretto für eine Oper von Igor Strawinsky gebeten, der einen Text vom „besten lebenden Schriftsteller“ wollte. Dazu kam es nicht mehr. Thomas starb an einer Lungenentzündung, die er wegen seiner Alkoholexzesse nie auskurierte. Als Sterbeort wird New York genannt; die Angaben schwanken lediglich in der Schreibweise zwischen „New York City“ und „New York, NY“. Beigesetzt wurde er in Laugharne.


Literarische Merkmale↑

Prägend für seine frühen Gedichte ist eine strenge metaphorische Logik. Sie kreisen um „die dialektische Einheit von Leben oder Sexualität und Tod“. Eine Vorlage für seine poetischen Bilder und Metaphern fand Thomas bei William Blake, dessen ambivalente und klangvolle Bilder er zuvor in einem eigenen Wörterbuch zusammengetragen hatte. Seine Gedichte entstanden nicht aus einem Guss, sondern aus zahlreichen Vorfassungen, die er ebenfalls in kleinen Wörterbüchern sammelte.


Rezeption↑

Bereits die Sammlung 18 Poems lenkte 1934 die Aufmerksamkeit von Edith Sitwell auf den jungen Dichter. Einige seiner Gedichte, etwa Do not go gentle into that good night, sind in nahezu allen Anthologien des englischsprachigen Raums vertreten. Dennoch nimmt Thomas eher eine Außenseiterrolle unter den britischen Lyrikern des 20. Jahrhunderts ein. Welches Ansehen er zu Lebzeiten genoss, zeigt die Anfrage Igor Strawinskys, der ihn den „besten lebenden Schriftsteller“ nannte und ein Opernlibretto von ihm wünschte. Sein Hauptwerk Unter dem Milchwald wurde 1954 als Hörspiel postum mit dem Prix Italia ausgezeichnet. Im Poets’ Corner der Westminster Abbey erinnert seit 1982 eine Gedenktafel an ihn.

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Aus dem Werkverzeichnis↑

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