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Porträt Henry David Thoreau
Henry David Thoreau
1817 – 1862
– Autorenporträt –

Henry David Thoreau

1817 – 1862 · 44 Jahre

Amerikanischer Schriftsteller und Denker, der am Walden-See das einfache Leben suchte und mit seinem Essay über den Ungehorsam gegen den Staat den zivilen Widerstand prägte.

Kurzporträt

Als amerikanischer Schriftsteller und Philosoph zählt Henry David Thoreau zu den prägenden Gestalten der klassischen Literatur seines Landes. Geboren 1817 in Concord im US-Bundesstaat Massachusetts, verband er ein einfaches, naturnahes Leben mit scharfer Gesellschaftskritik. Bekannt wurde er vor allem durch zwei Werke. Das eine ist der Bericht über sein zurückgezogenes Leben am Walden-See, Walden. Oder das Leben in den Wäldern. Das andere ist der Essay Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, der den Begriff des zivilen Ungehorsams prägte. Er starb 1862 im Alter von 44 Jahren in seinem Geburtsort.


Biografie

Geboren wurde Henry David Thoreau am 12. Juli 1817. Seine Eltern waren der Bleistiftfabrikant John Thoreau und Cynthia Dunbar. Sein Vater war ein Einwanderer mit französischsprachigen Vorfahren von der Insel Guernsey. In der Forschung sind die Quellen über den genauen Geburtsort uneins. Die Deutsche Biographie gibt schlicht Concord in Massachusetts an. Wikidata nennt das sogenannte Wheeler-Minot Farmhouse, ein nach früheren Eigentümern benanntes Haus. Es ist im National Register of Historic Places in Concord verzeichnet und existiert bis heute. Beide Angaben verweisen auf denselben Ort Concord.

Von 1833 bis 1837 studierte Thoreau an der Harvard University. Die meiste Zeit seines Lebens lebte er in der Region Boston. Nach dem Studium stieg er mit seinem Bruder in das Bleistiftgeschäft der Familie ein und gründete eine eigene Fabrik. Für kurze Zeit war er auch als Lehrer tätig. Weil er auf die damals übliche körperliche Züchtigung verzichten wollte, überwarf er sich mit der Schulleitung und quittierte den Dienst. 1838 gründete er mit seinem Bruder John eine eigene Privatschule. Als der Bruder 1842 an Tetanus starb, musste die Schule geschlossen werden.

Ab 1837 verband Thoreau eine enge Freundschaft mit Ralph Waldo Emerson. Emerson war eine der führenden Gestalten des amerikanischen Transzendentalismus, eines Kreises amerikanischer Dichter und Denker. Nach dem Tod seines Bruders lebte Thoreau von 1841 bis 1843 in Emersons Haus in Concord. Unter dessen Einfluss entwickelte er reformerische Ideen. Am 4. Juli 1845, dem Unabhängigkeitstag, bezog Thoreau eine selbst erbaute Blockhütte am Walden-See, auf einem Grundstück Emersons. Dort lebte er etwa zwei Jahre allein und selbständig, aber nicht völlig abgeschieden. In Walden beschrieb er sein einfaches Leben am See, die Natur und Fragen von Wirtschaft und Gesellschaft. Das Experiment führte ihm vor Augen, dass wenige Wochen Lohnarbeit im Jahr genügten, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Die übrige Zeit konnte er dem Lesen, Schreiben, Nachdenken und Erkunden der Natur widmen. Besonders schätzte er die Naturbeschreibungen Alexander von Humboldts, die großen Einfluss auf ihn hatten.

Den 23. Juli 1846 verbrachte Thoreau im Gefängnis. Er weigerte sich, seine Kopfsteuer an den Staat Massachusetts zu zahlen und damit eine Regierung zu unterstützen, die Sklaverei und den Mexiko-Krieg trug. Die Steuerschulden waren älter als der erst kurz zuvor begonnene Krieg. Wer die Schuld schließlich beglich, lässt sich nicht endgültig klären. Thoreau wurde aus der Haft entlassen. Aus der Erfahrung jener Nacht entstanden Vorträge und schließlich der Essay Resistance to Civil Government von 1849. Später wurde er unter dem Titel Civil Disobedience und auf Deutsch als Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat bekannt. Diese Schrift wirkte bis in die Gegenwart als Standardwerk des zivilen Ungehorsams. Sie diente unter anderem Mahatma Gandhi und Martin Luther King als Inspiration für den gewaltfreien Widerstand.

Ab 1849 verdiente Thoreau seinen Lebensunterhalt als Landvermesser, Gelegenheitsarbeiter und Vortragsreisender. Immer wieder wandte er sich gegen soziale Ungerechtigkeit und Sklaverei. 1851 verhalf er einem entflohenen Sklaven zur Flucht nach Kanada. 1857 lernte er den militanten Sklaverei-Gegner John Brown kennen. Brown führte einen bewaffneten Kampf gegen die Sklaverei und wurde zwei Jahre später gehängt. Obwohl Thoreau selbst am gewaltlosen Widerstand festhielt, brachte er Brown in Essays und einem Gedicht großen Respekt entgegen.

Schon 1835 hatte sich Thoreau mit Tuberkulose infiziert, die zunächst nur sporadisch auftrat. 1860 kam eine Bronchitis hinzu, nachdem er nachts bei stürmischem Regen unterwegs gewesen war. Danach verschlechterte sich sein Zustand zusehends. In seinen letzten Jahren arbeitete er an noch unveröffentlichten Werken, vor allem an The Maine Woods and Excursions. Er schrieb Briefe und Tagebucheinträge, bis er zu schwach dazu wurde. Seine Freunde staunten über die Gelassenheit, mit der er dem Tod entgegensah. Er starb 1862 im Alter von 44 Jahren in Concord.


Literarische Merkmale

Geschätzt wird Thoreau heute nicht nur wegen seiner Gedanken, sondern auch in formaler Hinsicht als eine der markantesten Gestalten der klassischen amerikanischen Literatur. Er gilt als sorgfältig feilender Stilist und als hervorragender Sprachkünstler. Seine bevorzugte Form war der Essay. In Walden verknüpfte er die genaue Beschreibung von See und Natur mit Überlegungen zu Wirtschaft und Gesellschaft. So schuf er eine Mischung aus Lebensbericht und Nachdenken.


Rezeption

Zu Lebzeiten hatten Thoreaus Schriften nur geringen Einfluss auf das politische Geschehen in den USA. Ralph Waldo Emerson schrieb bei seinem Tod 1862: „Noch nie hat ein so wahrer Amerikaner gelebt wie Thoreau." Der Brite Robert Louis Stevenson nannte ihn 1880 dagegen „den eigenwilligen Mann aus Concord einen Drückeberger". Zugleich räumte er ein, es habe weniges gegeben, das Thoreau nicht beherrschte: Er habe ein Haus, ein Boot oder ein Buch bauen können und sei Landvermesser und Gelehrter gewesen.

Spätere Generationen taten sich leichter, im „Gesellschaftsrebellen" Positives zu entdecken. Libertär gesinnte Bürger fanden bei ihm eine Bestätigung gegen staatliche Bevormundung. Naturschützer und Ökologen begeisterten sich an seinen Angriffen auf materialistisches Profitdenken. Verfechter politischer Emanzipation von Mahatma Gandhi bis zu den linken Studenten von 1968 erklärten ihn zum Vorbild. Auch im amerikanischen Anarchismus fand er Beachtung, etwa bei Emma Goldman.

Heute ist Thoreau zu einer Art US-amerikanischer Konsensfigur geworden. Sie wird zwar meist in linken Kreisen zitiert, aber durchaus auch von eher konservativen Denkern gern herangezogen. Durch seine charakteristische Essayform hat er, so das Urteil, auf Generationen amerikanischer Schriftsteller anregend gewirkt. Nach ihm benannt ist der Asteroid (44597) Thoreau des inneren Hauptgürtels.

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