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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Antal Szerb
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Porträt Antal Szerb
Antal Szerb
1901 – 1945
– Autorenporträt –

Antal Szerb

1901 – 1945 · 43 Jahre

Der ungarische Erzähler und Literaturhistoriker Antal Szerb schrieb Romane wie „Reise im Mondlicht“ und eine Geschichte der Weltliteratur, ehe er 1945 im Lager Balf erschlagen wurde.

Kurzbiografie↑

Der ungarische Schriftsteller Antal Szerb wurde 1901 in Budapest geboren und 1945 im Lager Balf erschlagen. Er war zugleich Erzähler und Literaturhistoriker: Neben Romanen wie Reise im Mondlicht und Die Pendragon-Legende verfasste er umfangreiche Literaturgeschichten, darunter eine Geschichte der ungarischen Literatur und eine Geschichte der Weltliteratur. Weil er aus einer jüdischen Familie stammte, blieb ihm eine Universitätslaufbahn lange verwehrt. Einen seiner Romane veröffentlichte er unter dem Pseudonym A. H. Redcliff. In Deutschland wurde sein Werk vor allem durch Neuübersetzungen bekannt.


Biografie↑

Geboren wurde Antal Szerb am 1. Mai 1901 in Budapest. Sein Vater war Kaufmann, stammte aus einer jüdischen Familie und war zum Katholizismus übergetreten. Ab 1919 studierte Szerb an der Universität Graz klassische und moderne Philologie. Ein Jahr später wechselte er nach Budapest und widmete sich dort der Hungarologie, der Germanistik und der Anglistik.

Die Promotion erfolgte 1924 mit einer Arbeit über Ferenc Kölcsey. Anschließend verbrachte er Jahre im Ausland. Von 1924 bis 1929 hielt er sich auf Studienreisen in Italien und Frankreich auf, 1930 lebte er in London. Diese Jahre in Westeuropa prägten seinen Blick auf die europäischen Literaturen, dem er später in seinen Essays und Literaturgeschichten Ausdruck gab.

Zurück in Ungarn arbeitete Szerb als Lehrer für Ungarisch und Englisch. Eine Universitätskarriere blieb ihm wegen seiner jüdischen Abstammung zunächst versperrt. Trotzdem entstand in diesen Jahren sein Hauptwerk. 1929 erschien ein Abriss der englischen Literatur, 1932 folgte Cynthia. Besonderes Gewicht bekam 1934 die Geschichte der ungarischen Literatur. Im selben Jahr veröffentlichte er den Roman Die Pendragon-Legende.

Die Jahre danach waren produktiv. 1935 erschienen die Kurzgeschichten Liebe in der Flasche sowie Budapest für Marsmenschen, ein eigenwilliger Stadtführer. 1937 kam der Roman Reise im Mondlicht heraus, der später zu seinem bekanntesten Buch im deutschen Sprachraum werden sollte. Ein Jahr darauf erschien in Amsterdam und Leipzig die Studie Die Suche nach dem Wunder über die moderne Romanliteratur.

Erst 1937 konnte Szerb sich an der Universität Szeged habilitieren. Bis 1943 hielt er dort Vorlesungen. In diese späte Phase fällt auch seine Geschichte der Weltliteratur von 1941. 1943 folgten der unter dem Pseudonym A. H. Redcliff veröffentlichte Roman Oliver VII. und das historische Werk Das Halsband der Königin. In den Jahren 1943 und 1944 erschien noch die Sammlung Hundert Gedichte.

Dann brach die Verfolgung über ihn herein. Szerb wurde zum Arbeitsdienst eingezogen und musste in Budapest Lastkähne entladen. 1944 deportierte man ihn zusammen mit anderen Budapester Juden nach Westen zum Bau des Südostwalls. Am 27. Januar 1945 wurde er im Lager Balf in West-Ungarn von einem Aufseher erschlagen. Er war 43 Jahre alt.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Szerbs literaturhistorische und kritische Essays ist die Verbindung zweier Blickrichtungen: Er betrachtete Literatur zugleich als Teil der Geistesgeschichte und als gesellschaftliches Phänomen. Im Mittelpunkt seiner Beobachtungen stand dabei die Frage, was im Inneren eines Künstlers vorgeht, wenn er schafft.

Diese Doppelbegabung zeigt sich auch in der Bandbreite seiner Bücher. Neben den großen literaturgeschichtlichen Darstellungen stehen Romane, Kurzgeschichten, ein Lustspiel und ein humorvoll gemeinter Stadtführer für Budapest. Den Roman Oliver VII. veröffentlichte er unter dem Pseudonym A. H. Redcliff.


Rezeption↑

Im deutschen Sprachraum setzte die Aufnahme von Szerbs Werk erst nach seinem Tod ein, und sie verlief über Jahrzehnte. 1966 erschienen Marie Antoinette oder Die unbeglichene Schuld in der Übersetzung von Alexander Lenard und eine erste deutsche Fassung der Pendragon-Legende in Budapest. 1967 folgte in Wien das Lustspiel Ex., 1972 erschien Oliver VII. in Ost-Berlin. Der Roman Utas és holdvilág kam 1975 zunächst als Der Wanderer und der Mond heraus.

Eine deutliche Belebung brachten die Neuübersetzungen im Deutschen Taschenbuch-Verlag ab 2003. Christina Viragh übertrug den Roman neu unter dem Titel Reise im Mondlicht; das Nachwort schrieb Péter Esterházy. 2004 erschien die Pendragon-Legende in neuer Übersetzung, 2005 das Halsband der Königin, 2006 die überarbeitete Ausgabe von Oliver VII. sowie der Erzählungsband In der Bibliothek. Die Pendragon-Legende erschien in dieser Zeit sogar als Fortsetzungsroman in einer Tageszeitung.

Auch der literaturwissenschaftliche Teil seines Werks fand spät ein deutsches Publikum. Der Schwabe Verlag in Basel legte 2011 die Essaysammlung Gedanken in der Bibliothek vor, 2016 folgte die Geschichte der Weltliteratur, beide übersetzt von András Horn. György Poszler gab den Erzählungsband In der Bibliothek heraus und steuerte ein Nachwort zur Neuausgabe der Pendragon-Legende bei.

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