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Autoreneintrag · Carl Spitteler
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Porträt Carl Spitteler
Carl Spitteler
1845 – 1924
– Autorenporträt –

Carl Spitteler

1845 – 1924 · 79 Jahre

Schöpfer großer mythologischer Versepen und bislang einziger gebürtiger Schweizer, der den Literatur-Nobelpreis erhielt.

Kurzporträt

Als bislang einziger gebürtiger Schweizer wurde Carl Spitteler mit dem Literatur-Nobelpreis geehrt. Er lebte von 1845 bis 1924 und verdiente seinen Unterhalt lange als Lehrer und Journalist, bevor ihn eine Erbschaft zum freien Schriftsteller machte. Sein Werk kreist um große mythologische Stoffe, die er in eine eigene, moderne Bilderwelt übersetzte. Berühmt wurde vor allem das Versepos Der Olympische Frühling, für das die Akademie ihn 1919 auszeichnete. Daneben schrieb er vielgelesene Erzählungen, unter ihnen der stark autobiografische Roman Imago.


Biografie

Carl Spitteler kam am 24. April 1845 in Liestal zur Welt. Er war der älteste von drei Söhnen. Sein Vater Karl stammte aus bäuerlichen Verhältnissen und wurde Richter und Landschreiber. 1848 wirkte dieser als Delegierter des Kantons Basel-Landschaft an der Schweizerischen Bundesverfassung mit. Die Mutter Anna Dorothea kam aus einer Brauerfamilie. Ein Bruder, Adolf Spitteler, wurde als Unternehmer und Erfinder des Galaliths bekannt. Dem autoritär empfundenen Vater stand der Junge fern, seiner jungen Mutter dagegen eng. 1849 zog die Familie nach Bern, weil der Vater zum ersten eidgenössischen Kassier berufen wurde. 1856 kehrte sie nach Liestal zurück.

In Basel besuchte Spitteler das humanistische Gymnasium und das Pädagogium. Zu seinen Lehrern zählten Jacob Burckhardt und Wilhelm Wackernagel, die ihn stark prägten. Auf Wunsch des Vaters nahm er ein Jurastudium auf; die Quellen nennen dafür unterschiedliche Orte, Basel wie Zürich. Schon damals stand für ihn fest, dass seine eigentliche Aufgabe das Schreiben war. Nach kurzer Zeit brach er das Studium ab und verließ fluchtartig das Elternhaus. Auf einer dreiwöchigen Wanderung zog er fast mittellos durch die Schweiz, bis er in Luzern Zuflucht bei einer befreundeten Familie fand.

Nach der Versöhnung mit dem Vater wandte er sich der protestantischen Theologie zu. Ab 1865 studierte er in Zürich, danach in Heidelberg und Basel. Der Glaube fehlte ihm dabei völlig; er selbst nannte sein Fach eine „Theologie als Antitheolog“. Diese unorthodoxe Haltung verzögerte den Abschluss. 1871 bestand er das Examen an der theologischen Fakultät in Basel und wurde ordiniert.

Einer Pfarrstelle entging er 1871, indem er eine Stelle als Privatlehrer annahm. So kam er mit finnischen und baltischen Kreisen in Sankt Petersburg und Finnland in Berührung. Diese Jahre lieferten den Stoff für die Erzählungen Ei Ole und Das Bombardement von Åbo. 1879 kehrte er in die Schweiz zurück. Bis 1885 arbeitete er als Lehrer in Bern und in La Neuveville. Danach wurde er Journalist und war von 1890 bis 1892 Feuilletonredakteur der Neuen Zürcher Zeitung, wo er sich für junge Schweizer Autoren einsetzte.

1883 heiratete Spitteler die aus den Niederlanden stammende Maria Op den Hooff, eine frühere Schülerin. Das Paar bekam zwei Töchter. Eine wichtige Stütze blieb sein Jugendfreund Joseph Victor Widmann, der ihn förderte und ihm Stellen als Lehrer und Journalist verschaffte. Durch eine Erbschaft seines Schwiegervaters wurde Spitteler Anfang der 1890er Jahre finanziell unabhängig; die Angaben schwanken zwischen 1892 und 1893. Er ließ sich mit seiner Familie in Luzern nieder und lebte fortan als freier Schriftsteller. Berühmt wurde dort sein Garten mit exotischen Pflanzen.

Später häuften sich die Ehrungen. 1905 verlieh ihm die Universität Zürich die Ehrendoktorwürde, 1915 folgte Lausanne. 1909 wurde er Ehrenbürger von Luzern. Im Dezember 1914 hielt er die Rede Unser Schweizer Standpunkt, die im Ausland auf Kritik stieß. 1919 wurde ihm der Literatur-Nobelpreis zugesprochen; überreicht wurde er 1920. In dieser Zeit erhielt er außerdem den Großen Schillerpreis. Carl Spitteler starb am 29. Dezember 1924 in Luzern und wurde auf dem Friedhof Friedental beigesetzt.


Literarische Merkmale

Zeit seines Lebens sah Spitteler allein das Epos als wahre Dichtung an. Schon als Siebzehnjähriger hatte er nach einer enttäuschten Liebe beschlossen, sein Leben ganz dem Schreiben zu widmen. 1880/81 erschien unter dem Pseudonym Carl Felix Tandem das zweibändige Epos Prometheus und Epimetheus, in freien Rhythmen gehalten. Darin gestaltete er den antiken Mythos neu. Prometheus bleibt allein seiner Seele treu und wird von der Gesellschaft verstoßen, während sein Bruder Epimetheus für Moral und Mittelmaß steht.

Mit diesem Werk stand Spitteler abseits des damals herrschenden Realismus. Sichtbar wird eine Nähe zu Arthur Schopenhauer und zu Friedrich Nietzsche, mit dem er im Briefwechsel stand und dessen Bücher er zum Teil für den Berner Bund besprach.

Sein Hauptwerk ist das Versepos Der Olympische Frühling, entstanden zwischen 1900 und 1905. In rund 20.000 Versen versetzte er Figuren der griechischen Mythologie in seine eigene, moderne Erlebniswelt. Ein neues Göttergeschlecht zieht in den Olymp ein, und am Ende wird Herakles als Vertreter einer neuen Menschheit auf die Erde geschickt. Das Bild vom Universum bleibt dabei düster und entsprach seiner pessimistischen Weltsicht.

Neben den Epen schrieb Spitteler Erzählungen in realistischem Ton. Sie behandeln meist innere Konflikte und griffen so ein zentrales Anliegen der Literatur um 1900 vor, die Darstellung des Bewusstseins. In der Vorbemerkung zu Conrad der Leutnant entwarf er 1898 ein Programm für den inneren Monolog. Der stark autobiografische Roman Imago erzählt von Viktor, der in die Heimat zurückkehrt und eine einst geliebte, nun verheiratete Frau wiedersieht. Seine erträumte Geliebte, die er Imago nennt, erscheint ihm echter als die reale Frau, die er „Pseuda“, die Unechte, tauft. Daneben veröffentlichte er Aphorismen im Band Lachende Wahrheiten und Gedichte unter dem Titel Gras- und Glockenlieder.


Rezeption

Anerkennung fand Spitteler erst spät. Sein Erstling Prometheus und Epimetheus blieb zunächst fast ohne Echo, obwohl Rezensenten ihn immer wieder mit Nietzsches Also sprach Zarathustra verglichen. Widmann sandte den ersten Teil an Gottfried Keller, der brieflich antwortete. Erst Der Olympische Frühling fand positive Resonanz.

Besondere Beachtung fand der Roman Imago in der jungen Psychoanalyse. Sigmund Freud benannte nach ihm seine Zeitschrift Imago. Carl Gustav Jung sah in Prometheus und Epimetheus die Vorbilder der introvertierten und der extrovertierten Haltung. So galt Spittelers Werk manchen als Dokument einer echten Künstlerseele.

1919 erhielt Spitteler als bislang einziger gebürtiger Schweizer den Literatur-Nobelpreis. Die Anregung dazu kam laut der Deutschen Biographie von Romain Rolland; nach anderer Darstellung schlug ihn Verner von Heidenstam vor, unterstützt von der Lobbyarbeit des Gelehrten Jonas Fränkel. Der Preis würdigte vor allem das Epos Der Olympische Frühling.

Zu Lebzeiten wurde Spitteler vielfach geehrt. Er war Ehrenbürger von Luzern und erhielt zwei Ehrendoktorwürden sowie den Großen Schillerpreis. Seine Rede Unser Schweizer Standpunkt von 1914 wurde nach der Deutschen Biographie ein fester Bestandteil des schweizerischen Selbstverständnisses. Heute ist er einem breiten Publikum kaum noch bekannt. Laut derselben Quelle ist sein Beitrag zur Geschichte des Epos zu Beginn des 20. Jahrhunderts bislang kaum angemessen gewürdigt. In Luzern erinnern seit 1931 ein nach ihm benannter Quai und seit 1975 eine Carl-Spitteler-Stiftung an ihn.

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