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Autoreneintrag · Ignazio Silone
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Porträt Ignazio Silone
Ignazio Silone
1900 – 1978
– Autorenporträt –

Ignazio Silone

1900 – 1978 · 78 Jahre

Italienischer Schriftsteller, der im Schweizer Exil vom harten Leben der Landbevölkerung und vom Widerstand gegen die Diktatur erzählte – ein „Christ ohne Kirche und Sozialist ohne Partei“.

Kurzbiografie↑

Als politisch engagierter italienischer Schriftsteller verband Ignazio Silone das Erzählen mit dem Kampf gegen Unterdrückung. Geboren 1900 in Pescina in den Abruzzen unter dem Namen Secondino Tranquilli, schloss er sich früh der sozialistischen und später der kommunistischen Bewegung an. Nach dem Bruch mit dem Kommunismus schrieb er im Schweizer Exil jene Romane, die seinen Namen bekannt machten, unter ihnen Fontamara und Wein und Brot. Seine Bücher erzählen vom harten Leben der Landbevölkerung und von der Frage, wie ein Mensch angesichts von Diktatur und Anpassungsdruck ehrlich bleiben kann. Silone starb 1978 in Genf. Er beschrieb sich selbst als „Christ ohne Kirche und Sozialist ohne Partei“.


Biografie↑

Geboren wurde Ignazio Silone am 1. Mai 1900 in Pescina, einem kleinen Ort in der Provinz L'Aquila in den Abruzzen. Sein Geburtsname war Secondino Tranquilli; das Pseudonym Ignazio Silone nahm er später während seiner Untergrundarbeit gegen den Faschismus an. Sein Vater war ein kleiner Grundbesitzer, die Mutter Weberin. Ein Erdbeben in der Marsica riss 1915 die Mutter und fünf Geschwister in den Tod; der Vater war offenbar schon ein Jahr zuvor umgekommen. Von seiner engeren Familie überlebte nur sein Bruder Romolo.

Schon als Jugendlicher betätigte sich Silone politisch und nahm an den Kämpfen der Landarbeiter teil, wo er mit sozialistischem Gedankengut in Berührung kam. Einen Schulabschluss erwarb er nicht. Ab 1917 schrieb er Artikel für das Parteiorgan der Sozialistischen Partei Italiens, die Zeitung Avanti!, trat dem regionalen Bauernbund bei und wurde Sekretär der Landarbeitergewerkschaft. Nach seinem Umzug nach Rom wurde er Sekretär der sozialistischen Jugend und leitete deren Wochenzeitung L'Avanguardia. 1921 trat er auf dem Kongress von Livorno mit einem Großteil der sozialistischen Jugend in die neu gegründete Kommunistische Partei Italiens ein und übernahm dort die Leitung der Jugendorganisation.

Nach dem Sieg der Faschisten musste Silone im Untergrund weiterarbeiten. Er stand in Kontakt zu Antonio Gramsci, mit dem er für die heimlich erscheinende Zeitung L'Unità schrieb, und nahm an der Seite von Palmiro Togliatti und Gramsci an Sitzungen der Komintern in Moskau teil. In der Forschung umstritten ist seine Rolle als Spitzel: Ab 1919 lieferte er dem römischen Polizeiinspektor Guido Bellone Informationen über die sozialistische Bewegung. Dieser Kontakt hielt bis 1930 an. Inwieweit er damit den Parteifreunden schadete, ist umstritten und bleibt Gegenstand der Forschung.

Um 1930 ging Silone ins Schweizer Exil. Zuvor war sein Bruder Romolo aufgrund falscher Anschuldigungen inhaftiert worden; die Faschisten brachten ihn später im Gefängnis um. Im Exil wandelte sich Silones politische Haltung. Als Vertreter der italienischen Kommunisten bei der Komintern erlebte er den Aufstieg Stalins und die Ausgrenzung der innerparteilichen Gegner aus nächster Nähe. Den Verurteilungen von Leo Trotzki, Nikolai Bucharin und anderen schloss er sich nicht an. Aus Enttäuschung über die mangelnde Toleranz brach er mit dem Kommunismus, was im Sommer 1931 zu seinem Parteiaustritt führte.

Im Schweizer Exil begann Silones Arbeit als Schriftsteller. Hier entstanden Fontamara sowie die Bücher um die Figur Pietro Spina, Wein und Brot und Der Samen unter dem Schnee. In dieser Zeit schrieb er auch die Untersuchung Der Fascismus. Seine Entstehung und seine Entwicklung. Politisch blieb er tätig: Ab 1939 leitete er das sozialistische Auslandsbüro, 1941 und 1943 wurde er interniert, weil er gegen das Verbot der politischen Betätigung verstoßen hatte.

Nach seiner Rückkehr nach Italien 1944 arbeitete Silone weiter in der Sozialistischen Partei mit und nahm als Delegierter an der konstituierenden Nationalversammlung teil. 1945 wurde er in die Direktion der Zeitung Avanti! berufen, ab 1947 leitete er die von ihm mitgegründete Zeitung Europa Socialista. Nach der Spaltung der Partei, bei der seine Sympathien beim sozialdemokratischen Flügel lagen, zog er sich weitgehend aus der Politik zurück und widmete sich dem Schreiben. 1952 übernahm er die Leitung der Zeitschrift Tempo presente und war Vorsitzender der proamerikanischen Vereinigung für die Freiheit der Kultur. Als 1967 bekannt wurde, dass die Zeitschrift durch geheime Fonds des amerikanischen Geheimdienstes CIA mitfinanziert wurde, zog er sich von dieser Tätigkeit zurück; den Vorsitz der Vereinigung behielt er bis 1969. Am 22. August 1978 starb Ignazio Silone nach schwerer Krankheit in einer Genfer Klinik.


Literarische Merkmale↑

Autobiografische Bezüge durchziehen Silones Romane. Die Handlung spielt in seiner Heimat, der Provinz L'Aquila, und schildert das arme, mühsame Leben der Landbevölkerung, ihre Angst vor den faschistischen Milizen und ihre Hoffnung, die weniger in einer sozialistischen Revolution als in der Auswanderung nach Amerika liegt. In Wein und Brot gleicht die Hauptfigur Pietro Spina in vielem dem Autor: Die meisten seiner Angehörigen kamen beim Erdbeben von 1915 ums Leben, ein Priester ermöglichte ihm die Aufnahme in ein kirchliches Internat, in Rom schloss er sich einer sozialistischen Jugendorganisation an und musste ins Ausland fliehen. Anders als Silone kehrt Spina jedoch aus dem Exil zurück und versucht, als Priester verkleidet eine Untergrundorganisation aufzubauen.

Silone nutzt seine Figuren für politische und weltanschauliche Auseinandersetzungen. Spina und sein alter Lehrer Don Benedetto dienen dabei als Sprachrohre. Der Held ringt mit vier Gegnern: der faschistischen Diktatur, den ängstlich angepassten Menschen, der ausweichenden Amtskirche und der Doktrin seiner eigenen sozialistischen Organisation. In langen Gesprächen stellt Silone die Grundfrage, ob man am politischen Leben teilnehmen und einer Partei dienen und dennoch ehrlich bleiben könne. Spina fürchtet, aus einer erstarrten Kirche geflohen zu sein, um einer machthungrigen Sekte zu verfallen. Halt findet er in der revolutionär-christlichen Haltung Don Benedettos, der noch im wehrlosen Aufbegehren eines Einzelnen die Gegenwart Gottes erkennt.

Auch in seinen politischen Schriften ging es Silone um die Durchdringung des Faschismus. In Der Fascismus. Seine Entstehung und seine Entwicklung lieferte er, zugleich als Geschichte der italienischen Arbeiterbewegung, eine marxistische Deutung: Der Faschismus entstehe in kapitalistischen Gesellschaften in Zeiten anhaltender Krise, sei eine Massenbewegung des Kleinbürgertums mit nationalistischer Ideologie und stets im Wandel begriffen. In der Satire Die Schule der Diktatoren nahm er das Thema in Dialogform wieder auf und zeigte, wie Politiker die Massen nicht mit Programmen, sondern mit Slogans und Symbolen gewinnen. Für Silone war der Faschismus dabei nicht an eine Staatsform gebunden, sondern „eine Art nihilistische Betäubung“ für die „Besiegten des Lebens“.


Rezeption↑

Verbreitung fanden Silones erste Romane zunächst als Untergrundliteratur im faschistischen Italien, während seine Schrift über den Faschismus dort lange nicht erscheinen durfte und vor allem in deutscher Übersetzung kursierte; das Originalmanuskript ging im Exil verloren. Im nationalsozialistischen Deutschland zählten seine Werke zu den verbotenen Büchern. Der Komponist Hanns Eisler verwandte 1937 Texte aus Wein und Brot und Der Samen unter dem Schnee in seinen 9 Kammerkantaten. In einem offenen Brief nach Moskau richtete Silone 1936 den antifaschistischen Anspruch der Kommunisten gegen die stalinistischen Schauprozesse; dabei verwendete er vermutlich als Erster das Wort vom „roten Faschismus“.

Seine Satire Die Schule der Diktatoren wurde von der Kritik positiv aufgenommen und von einigen mit Machiavellis Der Fürst verglichen. An Ehrungen fehlte es nicht: Ab 1950 gehörte Silone der American Academy of Arts and Letters an, ab 1954 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, 1977 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 1969 erhielt er den Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft.

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