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Porträt Léopold Sédar Senghor
Léopold Sédar Senghor
1906 – 2001
– Autorenporträt –

Léopold Sédar Senghor

1906 – 2001 · 95 Jahre

Dichter und Staatsmann: Léopold Sédar Senghor begründete die Négritude mit, war von 1960 bis 1980 erster Präsident des Senegal und wurde 1983 als erster Afrikaner in die Académie française aufgenommen.

Kurzbiografie↑

Léopold Sédar Senghor war Dichter und Politiker zugleich. Geboren wurde er 1906 in Joal im Senegal, gestorben ist er 2001 im französischen Verson. Gemeinsam mit Aimé Césaire und weiteren afrofranzösischen Intellektuellen begründete er in Paris die Strömung der Négritude, die das eigene kulturelle Erbe Afrikas ins Zentrum rückte. Von 1960 bis 1980 war er der erste Präsident der Republik Senegal. 1968 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1983 wurde er als erster Afrikaner in die Académie française aufgenommen.


Biografie↑

Aufgewachsen ist Senghor als Sohn eines wohlhabenden Grundbesitzers und Großhändlers aus dem Volk der Serer. Seine Mutter, eine Fulani, war römisch-katholisch und schickte ihn auf eine katholische Missionsschule. Anschließend besuchte er ein Seminar, in dem er zum Priester ausgebildet werden sollte. Mit zwanzig Jahren brach er diese Ausbildung ab. Sein Abitur legte er an einer nichtkonfessionellen Schule in Dakar ab.

1928 ging er zum Studium nach Paris. Dort befasste er sich eingehend mit europäischer Literatur. 1933 gründete er die Vereinigung westafrikanischer Studenten. Zwei Jahre später erlangte er als erster Afrikaner die Agrégation in klassischer Philologie. Inzwischen war er französischer Staatsbürger geworden. Als Verfasser von Gedichten und Aufrufen begründete er in diesen Pariser Jahren mit Aimé Césaire und anderen afrofranzösischen Intellektuellen die Négritude.

1940 geriet er als einfacher Soldat der französischen Armee in deutsche Kriegsgefangenschaft. Zusammen mit anderen Soldaten schwarzer Hautfarbe entging er dort nur knapp der Erschießung. In der Gefangenschaft las er unter anderem Schriften von Leo Frobenius; diese Lektüre prägte seine weitere Arbeit am Begriff der Négritude.

Nach der Befreiung kehrte er zunächst in den Schuldienst zurück und arbeitete wieder als Gymnasiallehrer. Noch 1945 wurde er als Abgeordneter der SFIO für den neuen Wahlbezirk Senegal-Mauritanie in die Französische Nationalversammlung gewählt. 1946 heiratete er die Tochter von Félix Éboué, dem Generalgouverneur für Französisch-Äquatorialafrika. 1948 gehörte er zu den Gründern des gemäßigt linken Bloc démocratique sénégalais, ab 1951 war er Staatssekretär. Bis zum Ende der Union française blieb er eine ihrer wichtigsten politischen Persönlichkeiten. Zudem stand er nacheinander mehreren überregionalen afrikanischen Parteien vor: der Convention Africaine (1957–1958), der Partei des Afrikanischen Verbunds (1958–1959) und der Partei der Afrikanischen Föderation (1959–1960).

1950 schloss Senghor Freundschaft mit dem deutschen Schriftsteller Janheinz Jahn, dessen Veröffentlichungen das westdeutsche Bild von Afrika entscheidend veränderten und modernisierten. Seit 1957 war er mit der Französin Colette Senghor, geborene Hubert, verheiratet.

Am 20. Juni 1960 erlangte der Senegal die Unabhängigkeit von Frankreich. Im August löste sich die kurzlebige Mali-Föderation auf, und am 5. September 1960 wurde Senghor erster Präsident der Republik Senegal. Viermal wurde er wiedergewählt und blieb bis 1980 im Amt. Er war überzeugter Christ in einem überwiegend muslimischen Land. Politisch vertrat er einen afrikanischen Sozialismus, in dem afrikanische Werte verankert sein sollten und der Mensch im Mittelpunkt stand.

Nicht unumstritten blieb er dabei. Vor der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels kam es 1968 in Frankfurt am Main zu öffentlichem Protest: Senghor sei ein „afrikanischer Ideologe des Kolonialismus und Neokolonialismus“. Vorausgegangen war im Mai 1968 ein Generalstreik in Dakar, bei dem Armee und Polizei eingriffen. Daniel Cohn-Bendit, später Fraktionsführer der Grünen im Europäischen Parlament, wurde nach der Frankfurter Demonstration im Schnellverfahren zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt; in zweiter Instanz wurde die Strafe auf sechs Monate verringert.

International war Senghor eine gefragte Stimme. 1974 nahm er auf Einladung des österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky an einem Treffen des Club of Rome im Salzburger Schloss Klessheim teil, bei dem über die Grenzen des weltweiten Wachstums beraten wurde. Weil er sich für Rainer Maria Rilke, Georg Trakl und Wolfgang Amadeus Mozart interessierte, lud ihn der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer senior im Namen der Landesregierung ein, die Eröffnungsrede der Festspiele zu halten. 1977 eröffnete Senghor die Salzburger Festspiele mit einer Rede unter dem Titel „Österreich als Ausdruck der Weltkultur“.

1978 lud er den in Paris angesehenen Bildhauer Arno Breker zu einem Afrika-Besuch ein und widmete ihm eine Handschrift seines Gedichts Prayer To Masks. Breker, dessen Name untrennbar mit dem Nationalsozialismus verbunden ist, porträtierte Senghor zum Auftakt eines Afrika-Zyklus.

Am 31. Dezember 1980 trat Senghor vom Präsidentenamt zurück, zugunsten seines Ministerpräsidenten Abdou Diouf. Am 2. Juni 1983 wurde er als erster Afrikaner Mitglied der Académie française. Er starb am 20. Dezember 2001 in Verson in Frankreich.


Literarische Merkmale↑

Geschrieben hat Senghor vor allem Gedichte, daneben politische Aufrufe. Sein Schreiben wuchs aus zwei Wurzeln: der gründlichen Schulung in europäischer Literatur, die bis zur Agrégation in klassischer Philologie reichte, und dem Rückgriff auf das kulturelle Erbe Afrikas. Aus dieser Verbindung entstand die Négritude, die er gemeinsam mit Aimé Césaire begründete und in der Kriegsgefangenschaft, angeregt durch die Schriften von Leo Frobenius, weiterentwickelte. Auch als Politiker blieb er dieser Grundhaltung treu: In seinem afrikanischen Sozialismus sollten afrikanische Werte verankert sein und der Mensch im Zentrum stehen. Seine literarischen Neigungen reichten weit über Afrika und Frankreich hinaus; er interessierte sich unter anderem für Rainer Maria Rilke und Georg Trakl.


Rezeption↑

Anerkennung fand Senghor in Europa früh und nachhaltig. 1968 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1983 wurde er als erster Afrikaner in die Académie française aufgenommen. Beides zeigt, wie sehr man ihn im französischen und deutschen Kulturbetrieb als Dichter und Denker ernst nahm.

Widerspruch gab es allerdings auch. Im Vorfeld der Frankfurter Preisverleihung 1968 protestierten Kritiker öffentlich gegen ihn und nannten ihn einen „afrikanischen Ideologen des Kolonialismus und Neokolonialismus“. Hintergrund war das gewaltsame Vorgehen von Armee und Polizei beim Generalstreik in Dakar im Mai desselben Jahres. Umstritten blieb später auch seine Einladung an den Bildhauer Arno Breker, dessen Name untrennbar mit dem Nationalsozialismus verbunden ist.

Über die Literatur hinaus wirkte Senghors Ansehen weit in das öffentliche Leben Europas hinein. Er nahm 1974 am Treffen des Club of Rome in Salzburg teil und hielt 1977 die Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele. Seine Freundschaft mit Janheinz Jahn seit 1950 verband ihn mit einem Autor, dessen Veröffentlichungen das westdeutsche Bild von Afrika entscheidend veränderten.

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