Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Pearl S. Buck
Eingang · Autoren · Pearl S. Buck
Porträt Pearl S. Buck
Pearl S. Buck
1892 – 1973
– Autorenporträt –

Pearl S. Buck

1892 – 1973 · 80 Jahre

Chronistin des chinesischen Bauernlebens und Vermittlerin zwischen Ost und West – 1938 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.

Kurzbiografie↑

Als Tochter presbyterianischer Missionare wuchs Pearl S. Buck in China auf und machte das Land und seine Menschen zum Herzstück ihres Werks. Die US-amerikanische Schriftstellerin wurde am 26. Juni 1892 in Hillsboro im Bundesstaat West Virginia geboren und starb am 6. März 1973 in Danby im Bundesstaat Vermont. Ihren Durchbruch brachte der Roman Die gute Erde, der das bäuerliche Leben in China schildert und ihr 1932 den Pulitzer-Preis eintrug. Sechs Jahre später erhielt sie den Nobelpreis für Literatur, ausgezeichnet für ihre epischen Schilderungen des chinesischen Bauernlebens und für ihre biografischen Werke. Über 80 Bücher unterschiedlicher Gattungen veröffentlichte sie, fünf davon unter dem Pseudonym John Sedges.


Biografie↑

Geboren wurde Pearl Sydenstricker im Frühjahr 1892, als ihre in China lebenden Eltern für die Geburt in die USA zurückgereist waren. Ihr Vater war der presbyterianische Missionar Absalom Sydenstricker (1852–1931), ihre Mutter Caroline Stulting (1857–1921). Zu ihren Geschwistern zählten der Naturwissenschaftler Edgar Sydenstricker (1881–1936) und die Schriftstellerin Grace Sydenstricker Yaukey (1899–1994), die unter dem Pseudonym Cornelia Spencer veröffentlichte.

Schon im Herbst desselben Jahres kehrte die Familie nach China zurück und ließ sich in Huai’an nieder. Vier Jahre später zog sie nach Zhenjiang. 1911 begann Buck am Randolph College in Lynchburg im Bundesstaat Virginia zu studieren.

Nach China kehrte sie 1914 zurück und begann nach dem Vorbild ihrer Eltern für die Presbyterian Missionary zu arbeiten. Dabei lernte sie den Missionar John Lossing Buck (1890–1975) kennen, den sie 1918 heiratete. Ihre 1920 geborene Tochter Carol litt an der Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie, die damals noch ungenügend erforscht war und zu einer dauerhaften geistigen Behinderung führte.

Die folgenden zwei Jahre arbeitete Buck mit ihrem Mann in Suzhou. Anschließend nahm sie einen Ruf an die Nanjing-Universität an, wo sie bis 1923 englische Literatur und Sprache lehrte. 1924 reiste sie mit ihrem Mann in die USA und erwarb unter anderem an der Cornell University einen Master of Arts. Vor der Rückkehr nach China adoptierte das Paar 1925 das Mädchen Janice. Als 1927 der Bürgerkrieg ausbrach, floh die Familie nach Shanghai und kurz darauf nach Japan; erst ein Jahr später konnte sie nach Nanjing zurückkehren.

1929 trennte sich Buck von ihrem Mann und ging in die USA zurück. Bei den Verhandlungen über ihren Roman Ostwind – Westwind lernte sie den Verleger Richard J. Walsh (1886–1960) kennen. Noch einmal kehrte sie für kurze Zeit nach China zurück, doch 1934 ließ sie sich endgültig in den USA nieder. Im Jahr darauf wurde sie offiziell geschieden und heiratete Walsh, mit dem sie sich später in Pennsylvania niederließ. Sie war Mitglied im Pen and Brush Club, einer New Yorker Organisation für Künstlerinnen und Schriftstellerinnen.

Ihren Ruhm begründete der Roman The Good Earth von 1931, der 1933 unter dem Titel Die gute Erde auf Deutsch erschien. Er bildete den Auftakt zu einer Trilogie, zu der noch Sons und A House Divided gehörten. In dem Buch The Child Who Never Grew, 1950 unter dem deutschen Titel Geliebtes unglückliches Kind im Zsolnay Verlag veröffentlicht, fasste sie ihre leidvollen Erfahrungen mit der Tochter zusammen; weder nannte sie darin deren Namen, noch spielte ihr Ehemann eine Rolle. Neben Romanen schrieb sie Biografien über ihre Mutter und ihren Vater, Erzählungen, Kinderbücher und eine Autobiografie.

Pearl S. Buck starb am 6. März 1973 in Danby im Bundesstaat Vermont, wo sie auch ihre letzte Ruhestätte fand. In einer Lagerhalle in Texas wurde 2012 ein bis dahin unveröffentlichtes Manuskript entdeckt: ihr letzter, kurz vor ihrem Tod geschriebener Roman The Eternal Wonder, der 2013 erschien und zwei Jahre später auf Deutsch unter dem Titel Die Welt voller Wunder herauskam.


Literarische Merkmale↑

Prägend für ihr Schreiben war die Begegnung zweier Welten: die Konfrontation mit amerikanischer und fernöstlicher Kultur hatte großen Einfluss auf ihr Werk. Zeit ihres Lebens setzte sie sich für Toleranz und Völkerverständigung ein, und dieser Grundzug schlägt sich in ihren Büchern nieder.

Als eines ihrer wichtigsten Werke gilt The Good Earth, der das alltägliche bäuerliche Leben in China anschaulich und warmherzig darstellt. Die Schwedische Akademie hob bei der Verleihung des Nobelpreises ihre reichen und epischen Schilderungen des chinesischen Bauernlebens sowie ihre biografischen Werke hervor. Ihre Produktivität war beträchtlich: Sie veröffentlichte über 80 Bücher in ganz unterschiedlichen Gattungen, vom Roman über die Biografie und die Erzählung bis zum Kinderbuch, und schrieb fünf weitere Romane unter dem Pseudonym John Sedges.


Rezeption↑

Zu den umstrittensten Entscheidungen des Nobelpreiskomitees zählt bis heute die Verleihung des Literaturnobelpreises 1938 an Pearl S. Buck. Kritiker hielten ihre Romane für literarisch wertlos und rechneten sie der Trivialliteratur zu. Die seither verwendete inoffizielle Regel, den Preis nur an Autoren zu vergeben, die zuvor mindestens einmal nominiert worden waren, wird in den Feuilletons bis heute „Lex Buck“ genannt.

Der Beliebtheit der Autorin hat diese Kritik keinen Abbruch getan: Ihre Bücher werden noch heute übersetzt und gedruckt. Schon vor dem Nobelpreis war sie ausgezeichnet worden, 1932 mit dem Pulitzer-Preis für The Good Earth, 1935 mit der William Dean Howells Medaille und 1936 mit der Aufnahme in die American Academy of Arts and Letters. Als anerkannte Stimme im Literaturbetrieb schlug sie selbst mehrfach Autoren für den Nobelpreis vor, darunter 1940 und 1950 Lin Yutang, 1952 Van Wyck Brooks, 1958 Tanizaki Jun’ichirō und 1961 Robert Frost.

Auch das Kino nahm sich ihrer Stoffe an. Die gute Erde wurde 1937 von Sidney Franklin verfilmt, Dragon Seed 1944 von Harold S. Bucquet und Pavilion of Women im Jahr 2000 von Ho Yim. Für die Verfilmung von The Big Wave schrieb sie 1961 selbst das Drehbuch. Ihr Leben und Werk sind Gegenstand zahlreicher Biografien und Studien geworden, unter anderem der kulturgeschichtlichen Darstellung von Peter Conn und der Bücher von Hilary Spurling über ihre Zeit in China.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis↑

Im Lexikon

Weitere Werke (Auswahl)

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (53 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten