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Autoreneintrag · Natsume Sōseki
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Porträt Natsume Sōseki
Natsume Sōseki
1867 – 1916
– Autorenporträt –

Natsume Sōseki

1867 – 1916 · 49 Jahre

Natsume Sōseki erzählte vom Japan der raschen Industrialisierung und von Menschen zwischen Pflicht und eigenem Wunsch – sein Roman „Kokoro“ gehört bis heute zu den wichtigsten Büchern der modernen japanischen Literatur.

Kurzbiografie↑

Zu den bekanntesten japanischen Schriftstellern der Meiji-Zeit zählt Natsume Sōseki, geboren 1867, gestorben 1916. Eigentlich hieß er Natsume Kinnosuke; den Künstlernamen Sōseki nahm er an, als er begann, Haiku zu schreiben. Ausgebildet als Anglist, lehrte er zunächst englische Literatur, ehe er 1907 seine Professur aufgab und nur noch schrieb. Seine Romane erzählen vom Japan der raschen Industrialisierung und von Menschen, die zwischen Pflicht und eigenem Wunsch zerrieben werden. Kokoro aus dem Jahr 1914 gilt bis heute als eines der wichtigsten Bücher der modernen japanischen Literatur.


Biografie↑

Geboren wurde Natsume Kinnosuke am 9. Februar 1867. Über den Geburtsort gehen die Angaben auseinander: Wikidata nennt Kikuichō, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen schlicht Tokio. Gebräuchlich ist die Angabe Ushigome im damaligen Edo, dem heutigen Stadtbezirk Shinjuku von Tokio.

Er war das jüngste von acht Kindern. Seine Mutter war bei seiner Geburt bereits in vorgerücktem Alter und schämte sich für den späten Nachwuchs. Da die einst wohlhabende Familie sich ein weiteres Kind ohnehin nicht leisten konnte, gab man den Säugling an den früheren Bediensteten Shiobara Masanosuke ab. Dieser zog den Jungen zusammen mit seiner Frau auf, bis Kinnosuke neun Jahre alt war. Dann nahmen ihn die leiblichen Eltern zurück, gaben sich ihm gegenüber aber als seine Großeltern aus. Der Vater tat dies nur mit Vorbehalt. Als der Sohn vierzehn war, starb die Mutter.

Trotz der kühlen Verhältnisse ermöglichte ihm der Vater eine gute Ausbildung. Auf einer chinesisch geprägten Schule entdeckte er seine Begeisterung für die chinesische Literatur und fasste den Wunsch, Schriftsteller zu werden. Die Familie war dagegen, und auch er selbst hielt das Schreiben für eine brotlose Existenz. Im September 1884 begann er deshalb ein Studium an der Universität Tokio mit dem Ziel, Architekt zu werden. In dieser Zeit lernte er Englisch, eine Sprache, die er nach eigenem Bekunden zutiefst hasste; er hielt sie aber für nützlich für seine spätere Laufbahn.

1887 lernte er Masaoka Shiki kennen, der ihn in seinem Wunsch nach dem Schreiben bestärkte und ihn in die Haiku-Dichtung einführte. Von da an unterzeichnete er seine Gedichte mit dem Namen Sōseki. Der Ausdruck stammt aus einem chinesischen Sprichwort und bezeichnet einen schlechten Verlierer oder einen Rechthaber. 1890 wechselte er in die Abteilung für englische Literatur der Kaiserlichen Universität Tokio und wurde rasch ein Meister der englischen Sprache. Sein Studium schloss er 1893 ab. Danach arbeitete er als Aushilfslehrer für Englisch an der Höheren Normalschule Tokio.

1895 ging er als Lehrer an eine Mittelschule in Matsuyama auf der Insel Shikoku. Dort spielt später sein Roman Der Tor aus Tokio. Neben dem Unterricht veröffentlichte er Haiku und chinesische Gedichte in Zeitungen und Zeitschriften. 1896 kündigte er und unterrichtete fortan an der 5. Oberschule in Kumamoto. Am 10. Juni desselben Jahres heiratete er Nakane Kyōko.

Im Jahr 1900 schickte ihn die japanische Regierung zum Studium nach London. Er fuhr nach Cambridge, blieb eine Nacht und sah sich die Universität an, gab den Plan einer Einschreibung aber bald auf: Von seinem Lehrergehalt konnte er das nicht bezahlen. Die Londoner Jahre wurden für ihn, der feste Familienverbände gewohnt war, eine Qual. Er verbrachte die meiste Zeit allein in seiner Wohnung hinter Büchern, wechselte viermal das Quartier, und seine Freunde fürchteten, er könnte psychisch erkranken. Immerhin vervollständigte er seine Kenntnisse der englischen Literatur. Ende 1902 kehrte er nach Japan zurück. Fünf Jahre später schrieb er über diese Zeit: „Die zwei Jahre, die ich in London verbrachte, waren die unerfreulichsten meines Lebens. Unter englischen Gentlemen lebte ich im Elend wie ein armer Hund, der sich in ein Wolfsrudel verirrt hat.“ In Tokio wurde er Professor für englische Literatur an der Kaiserlichen Universität.

Seine Schriftstellerlaufbahn begann mit dem Roman Ich der Kater. Die erste Folge erschien in der Literaturzeitschrift Hototogisu, die sein Freund Masaoka Shiki herausgab. Der Erfolg war so groß, dass er den Fortsetzungsroman zu Ende führte. Mit Der Tor aus Tokio folgte ein zweiter Roman, der ihm viel Beifall, aber auch Kritik eintrug. Sein Ruf als Schriftsteller war damit gesichert. 1907 legte er die Professur nieder und lebte nur noch vom Schreiben. Von da an erschien bis zu seinem Tod jedes Jahr ein Roman.

1909 reiste er auf Kosten der Südmandschurischen Eisenbahn durch die Mandschurei und Korea. Aus dieser Reise entstand Man-Kan tokoro dokoro, ein Reisebericht mit erfundenen Anteilen. Darin äußert er Missachtung gegenüber der dortigen Bevölkerung und Kultur und beschäftigt sich ausführlich mit seiner eigenen Gesundheit.

Am 9. Dezember 1916 starb Natsume Sōseki an den Folgen eines schweren Magengeschwürs, das eine innere Blutung auslöste. Als Sterbeort nennt Wikidata Waseda-Minamichō, gebräuchlich ist die allgemeinere Angabe Tokio. Sein letzter Roman Meian blieb unvollendet. Begraben liegt er auf dem Friedhof Zōshigaya. Von 1984 bis 2004 war sein Bildnis auf den japanischen Tausend-Yen-Scheinen zu sehen. 1990 erhielt der Asteroid (4039) Souseki seinen Namen.


Literarische Merkmale↑

Bestimmend für Sōsekis Bücher sind wenige, immer wiederkehrende Themen. Er schreibt vom Kampf einfacher Leute gegen die wirtschaftliche Not. Er zeigt Menschen, die zwischen Pflicht und eigenem Verlangen stehen, und den Widerspruch zwischen Treue zu anderen und der eigenen Freiheit. Dazu kommt die rasche Industrialisierung Japans und was sie mit den Menschen macht. Vom menschlichen Wesen zeichnet er dabei ein durchweg pessimistisches Bild.

Sein Weg zum Erzählen führte über die Lyrik. Durch Masaoka Shiki kam er zum Haiku, und noch als Lehrer veröffentlichte er Haiku und chinesische Gedichte in Zeitungen und Zeitschriften. Die Nähe zur chinesischen Literatur stammte aus seiner Schulzeit, die Kenntnis der englischen aus Studium, Lehramt und den Londoner Jahren.

Die Bandbreite seiner Prosa ist beträchtlich. Ich der Kater erschien als Fortsetzungsroman in einer Zeitschrift. Daneben stehen kürzere Arbeiten wie Träume aus zehn Nächten von 1908 und der Reisebericht über Mandschurei und Korea, in den er auch Erfundenes einflocht. Sein bekanntester Roman ist Kokoro aus dem Jahr 1914. Schon der Titel deutet an, worum es ihm ging: Das japanische Wort bedeutet wörtlich Herz, meint aber ebenso Seele, Gedanke und das Innere des Menschen im Unterschied zum bloßen Verstand.


Rezeption↑

Bereits zu Lebzeiten fand Sōseki ein großes Publikum. Der erste Roman Ich der Kater gelang so gut, dass aus der ersten Folge ein ganzes Buch wurde. Der zweite, Der Tor aus Tokio, brachte ihm viel Beifall ein, aber auch Kritik. Der Erfolg reichte aus, dass er 1907 seine Professur aufgeben und allein vom Schreiben leben konnte.

Dass sein Ansehen in Japan weit über die Literatur hinausging, zeigen zwei Ehrungen: Von 1984 bis 2004 war sein Porträt auf den Tausend-Yen-Scheinen abgebildet, und 1990 wurde ein Asteroid nach ihm benannt. Kokoro zählt bis heute zu den bedeutendsten Werken der modernen japanischen Literatur.

Im deutschen Sprachraum wurde Sōseki über Jahrzehnte hinweg schrittweise erschlossen. Eine frühe Übertragung von Und dann? erschien bereits 1943. Der Tor aus Tokio kam 1965 im Aufbau-Verlag heraus, Ich der Kater 1996 im Insel Verlag. In den vergangenen Jahrzehnten folgten weitere Übersetzungen, darunter Hinter der Glastür und Der Bergmann, dazu eine Auswahl seiner Haiku. So ist nach und nach ein beträchtlicher Teil seines Werkes auf Deutsch zugänglich geworden.

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