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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · R. K. Narayan
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Porträt R. K. Narayan
R. K. Narayan
1906 – 2001
– Autorenporträt –

R. K. Narayan

1906 – 2001 · 94 Jahre

Indischer Romancier, der auf Englisch schrieb und über sechs Jahrzehnte die erfundene südindische Kleinstadt Malgudi zum Schauplatz seiner Bücher machte.

Kurzbiografie↑

Rasipuram Krishnaswami Narayan zählt zu den bekanntesten indischen Romanautoren des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1906 in Madras geboren, dem heutigen Chennai, und schrieb ausschließlich auf Englisch. Bekannt wurde er vor allem durch seine Romane und Erzählungen um die erfundene südindische Kleinstadt Malgudi, die er über Jahrzehnte hinweg immer neu bevölkerte. Den internationalen Durchbruch brachte ihm 1935 sein Erstling Swami and Friends, ein Buch mit autobiografischem Hintergrund. Sein Erzählen gilt als realistisch, humorvoll und voller Energie. Indien ehrte ihn mit hohen staatlichen Auszeichnungen, 1964 mit dem Padma Bhushan und im Jahr 2000 mit dem Padma Vibhushan.


Biografie↑

Geboren wurde Narayan am 10. Oktober 1906 in Madras, der südindischen Stadt, die heute Chennai heißt. Er stammte aus einer Brahmanenfamilie und gehörte damit der höchsten indischen Kaste an. Sein vollständiger Name lautete Rasipuram Krishnaswami Ayyar Narayanaswami; bekannt wurde er unter der abgekürzten Form R. K. Narayan.

Zeit seines Lebens schrieb er auf Englisch. 1935 erschien sein erster Roman Swami and Friends, in den autobiografische Erfahrungen eingingen. Das Buch verschaffte ihm rasch internationale Aufmerksamkeit. Mit ihm begann zugleich der große Zusammenhang seines Werkes: der Zyklus um die erfundene Kleinstadt Malgudi im Süden Indiens. Über sechs Jahrzehnte hinweg kehrte er immer wieder an diesen Schauplatz zurück.

Nach dem Debüt folgten Romane in dichter Folge. 1938 erschien The Dark Room, 1945 The English Teacher, 1949 Mr. Sampath – the Printer of Malgudi. In den fünfziger Jahren kamen The Financial Expert und Waiting for the Mahatma hinzu. 1958 veröffentlichte er The Guide, auf Deutsch als Der Fremdenführer erschienen. 1961 folgte The Man-Eater of Malgudi.

Neben den Romanen entstanden zahlreiche Erzählbände, darunter An Astrologer's Day, and other stories von 1947, Lawley Road, and other stories von 1956 und A Horse and two Goats von 1970. Auch Essays und Skizzen gehörten zu seinem Arbeitsfeld, etwa Next Sunday. Sketches and Essays von 1960 oder der Band Writer's Nightmare. Selected Essays von 1988. Eine Reise durch die Vereinigten Staaten hielt er in My Dateless Diary. An American Journey fest, das 1964 erschien.

Ein eigener Strang seines Schaffens galt den großen indischen Überlieferungen. 1965 legte er Gods, Demons, and Others vor. 1972 folgte eine gekürzte moderne Prosafassung des Ramayana, 1978 eine ebensolche des Mahabharata. 1974 erschien My Days.

Auch im hohen Alter blieb er produktiv. 1976 erschien The Painter of Signs, auf Deutsch Der Schildermaler, 1983 A Tiger for Malgudi, 1986 Talkative Man und 1990 The World of Nagaraj. 1993 folgten die drei Romane des Bandes The Grandmother's Tale. Nach seinem Tod erschienen weitere Sammelausgaben aus dem Malgudi-Umkreis.

Ehrungen begleiteten ihn über Jahrzehnte. 1964 erhielt er den Padma Bhushan, einen der hohen indischen Staatsorden. 1981 wurde er Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters. Im Jahr 2000, ein Jahr vor seinem Tod, wurde ihm der Padma Vibhushan zuerkannt.

Narayan starb am 13. Mai 2001 im Alter von 94 Jahren. Über den Sterbeort gehen die Angaben auseinander: die Normdaten nennen Chennai, also seine Geburtsstadt, während andernorts Delhi genannt wird.


Literarische Merkmale↑

Realistisch, humorvoll und voller Energie – so wird Narayans Schreibweise beschrieben. Sein Erzählen ist mit dem sehr unterschiedlicher Autoren verglichen worden, am häufigsten mit William Faulkner, daneben auch mit Tschechow, Guy de Maupassant, O. Henry, Frank O'Connor und Nikolai Gogol.

Eine Besonderheit seiner Sprache liegt darin, dass er auf Englisch schrieb und darin dennoch die Feinheiten der tamilischen Volkssprache hörbar machte. Er übertrug also den Tonfall der gesprochenen südindischen Alltagssprache in ein anderes Idiom, ohne dass dabei etwas verloren ging.

Seine Figuren zeichnet er vor allem durch das, was sie tun. Er lässt sie handeln und überlässt es dem Leser, sich daraus ein Bild zu machen. In die Seelenkunde seiner Gestalten dringt er dabei bewusst nicht sehr tief ein; die Darstellung bleibt an der Oberfläche des Verhaltens und gewinnt gerade daraus ihre Anschaulichkeit.

Zusammengehalten wird sein Werk durch den wiederkehrenden Schauplatz. Die erfundene Kleinstadt Malgudi im Süden Indiens ist der Ort, an dem ein Großteil seiner Romane und Erzählungen spielt. Sie verbindet Bücher aus sechs Jahrzehnten zu einem einzigen, langsam wachsenden Kosmos.


Rezeption↑

Bekannt wurde Narayan über die Grenzen Indiens hinaus, und zwar schon mit seinem ersten Buch. Swami and Friends von 1935 gilt als der Roman, der ihm den internationalen Durchbruch brachte. Er zählt zu den bekanntesten indischen Romanautoren überhaupt.

Sein Ansehen zeigt sich auch in den Ehrungen: dem Padma Bhushan von 1964, der Ehrenmitgliedschaft in der American Academy of Arts and Letters von 1981 und dem Padma Vibhushan aus dem Jahr 2000.

Ins Deutsche wurde sein Werk nur teilweise übertragen. Zu den übersetzten Titeln gehören The Financial Expert als Gold vom Himmel, The Guide als Der Fremdenführer, The Man-Eater of Malgudi als Menschenfresser von Malgudi und The Painter of Signs als Der Schildermaler. Sein Erstling erschien 2004 in der Übersetzung von Ursula Gräfe unter dem Titel Die Reifeprüfung, versehen mit einem Vorwort von Graham Greene.

In der deutschsprachigen Forschung hat sich unter anderem Renate Sarma mit seinem Werk befasst; ihre Untersuchung über die Thematik seiner Romane erschien 1972 in Marburg.

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