1809 – 1849
Juliusz Słowacki
Kurzporträt↑
Juliusz Słowacki (1809–1849) zählt zu den bedeutendsten Dichtern der polnischen Romantik. Gemeinsam mit zwei weiteren Autoren wird er als einer der „Drei Barden" zu den Nationaldichtern Polens gerechnet. Er gilt als Begründer des modernen polnischen Dramas. Den Großteil seines Lebens verbrachte er im Pariser Exil. Dort schuf er ein umfangreiches Werk aus Dramen, lyrischen Versepen und Gedichten. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören die Dramen Kordian und Balladyna sowie die Versepen Testament mój und Beniowski. Seine literarische Bedeutung wurde erst nach seinem Tod voll erkannt.
Biografie↑
Am 4. September 1809 kam Juliusz Słowacki in Krzemieniec in der Landschaft Wolhynien zur Welt. Der Ort gehört heute zur Ukraine. Bei der Schreibweise des Geburtsorts gehen die Quellen auseinander: Wikidata nennt ihn „Kremenez", die Deutsche Nationalbibliothek „Kremenets". Beides sind Übertragungen desselben Ortsnamens. Słowacki entstammte einer polnischen Adelsfamilie aus dem Wappenverband Leliwa. Sein Vater Euzebiusz Słowacki lehrte Rhetorik, Poesie, polnische Sprache und Literaturgeschichte am Lyzeum von Krzemieniec. 1811 übernahm er den Lehrstuhl für Rhetorik und Poesie an der Kaiserlichen Universität in Vilnius. Er starb jedoch bereits 1814.
Von 1825 bis 1828 studierte Słowacki Rechtswissenschaften an der Universität Vilnius. In diese Zeit fielen auch seine ersten literarischen Versuche. Nach dem Studium arbeitete er zunächst in Warschau. Während des Novemberaufstands schloss er sich der aufständischen Nationalregierung an und reiste in diplomatischer Mission nach Dresden, Paris und London. Diese Tätigkeit nutzte er zugleich als Gelegenheit zur Emigration. Den größten Teil seines weiteren Lebens verbrachte er in Paris. 1832 veröffentlichte er dort seine ersten Versbände. Wegen ihrer stark individualistischen Motive stießen sie bei den polnischen Emigranten zunächst auf Ablehnung. Daraufhin verließ er Ende 1832 Paris und ging in die Schweiz, wo er sich bis 1836 aufhielt. Dort entstanden unter anderem die Dramen Kordian und Balladyna, die zu seinen Hauptwerken zählen.
Ab 1836 unternahm Słowacki längere Reisen. Sie führten ihn zunächst nach Italien und später nach Griechenland, Ägypten und Palästina. Diese Eindrücke verarbeitete er ausführlich in seinem Werk. Im Dezember 1838 kehrte er nach Paris zurück, wo er bis zu seinem Tod blieb. 1840 erhielt sein Rivale Adam Mickiewicz den Lehrstuhl für slawische Literatur am Collège de France. Dieses Ereignis zementierte Mickiewiczs Vorrangstellung in der polnischen Emigrantengemeinde. Anlässlich des polnischen Aufstands in der Provinz Posen reiste er im April 1848 nach Posen, um sich daran zu beteiligen. Er wurde jedoch von der preußischen Polizei verhaftet und aus dem Großherzogtum Posen abgeschoben.
Słowacki starb am 3. April 1849 in Paris an Tuberkulose. Beigesetzt wurde er auf dem Cimetière de Montmartre. 1927 brachte man seine Asche in die Krypta der Wawel-Kathedrale, wo sich sein Grab neben dem von Adam Mickiewicz befindet. Sein leeres Grab in Montmartre ist bis heute erhalten.
Literarische Merkmale↑
Das Werk Słowackis gilt als besonders eigenständige Spielart der polnischen Romantik. Er verband darin Elemente der slawischen Mythologie, der polnischen Geschichte, der Mystik und des Orientalismus zu einer ganz eigenen Klangwelt. Kennzeichnend für sein Schreiben sind die Freude an Wortneuschöpfungen und der Einsatz von Ironie. Den größten Teil seiner Werke verfasste er auf Polnisch, einige wenige auch auf Französisch. Seine ausgedehnten Reisen in den Mittelmeerraum und in den Orient schlugen sich unmittelbar in seiner Dichtung nieder. Schon seine frühen Pariser Versbände fielen durch ihre stark individualistischen Motive auf. Diese Motive blieben seinen Zeitgenossen zunächst fremd.
Rezeption↑
Zu Lebzeiten blieb die literarische Bedeutung Słowackis weitgehend verkannt. Erst nach dem Januaraufstand setzte eine intensive Beschäftigung mit seinem Werk ein. Viele seiner Dramen und Gedichte blieben bis zu seinem Tod unveröffentlicht. 1866 gab Antoni Małecki drei Bände aus dem Nachlass heraus. Großen Einfluss übte Słowacki auf die Künstler des Jungen Polen aus, etwa auf Stanisław Wyspiański. Er wirkte aber auch auf bedeutende Autoren des 20. Jahrhunderts wie Krzysztof Kamil Baczyński und Julian Przyboś. Als einer der „Drei Barden" gehört er zu den Nationaldichtern Polens.
Sein Andenken wird bis heute auf vielfältige Weise wachgehalten. Nach ihm benannt sind der Park Juliusza Słowackiego in Breslau und das Juliusz-Słowacki-Theater in Krakau. In seiner Geburtsstadt eröffnete 2004 ein ihm gewidmetes Museum auf dem ehemaligen Anwesen seiner Familie. Der polnische Sejm erklärte sein 200. Geburtsjahr 2009 zum Juliusz-Słowacki-Jahr. In zahlreichen polnischen Städten erinnern Denkmäler an den Dichter.
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