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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Peter Rosegger
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Porträt Peter Rosegger
Peter Rosegger
1843 – 1918
– Autorenporträt –

Peter Rosegger

1843 – 1918 · 74 Jahre

Steirischer Erzähler der bäuerlichen Waldheimat, der als Sohn armer Bergbauern zum vielgelesenen Volksschriftsteller aufstieg.

Kurzporträt

Peter Rosegger zählt zu den bekanntesten österreichischen Erzählern des 19. Jahrhunderts. Er wurde 1843 als ältestes von sieben Kindern armer Bergbauern in der obersteirischen Waldheimat geboren und stieg trotz kärglicher Schulbildung zu einem vielgelesenen Schriftsteller auf. Aus seiner bäuerlichen Herkunftswelt schöpfte er den Stoff für Dorfgeschichten, Erzählungen und Romane, die ihn über die Steiermark hinaus bekannt machten. Werke wie der Roman Die Schriften des Waldschulmeisters und die autobiografische Sammlung Waldheimat wurden zu seinem Markenzeichen. Er starb 1918 in Krieglach.


Biografie

Am 31. Juli 1843 kam Rosegger als ältestes von sieben Kindern des Waldbauern Lorenz Roßegger und dessen Frau Maria, geborene Zeilbauer, zur Welt. Über den genauen Geburtsort gehen die Quellen auseinander: Die Deutsche Biographie nennt Alpl bei Krieglach, während Wikidata den Kluppeneggerhof angibt. Beide Angaben lassen sich vereinbaren, denn nach der Schilderung Wikipedias wurde er am Kluppeneggerhof im Ort Alpl geboren. Weil in Alpl kein Schulzwang bestand, blieb sein Unterricht dürftig. Ein wegen seiner Sympathien für die Märzrevolution entlassener Lehrer unterrichtete einige Bauernkinder, darunter auch Peter.

Die Eltern wünschten sich den Sohn als Pfarrer, doch das Studium war zu kostspielig. Für die harte Bauernarbeit war er zu schwach. So begann er mit siebzehn Jahren bei einem Wanderschneider in Sankt Kathrein am Hauenstein eine Lehre. Als Störschneider zog er von Hof zu Hof, lernte Menschen und Bräuche kennen und schrieb Volkslieder auf, die er zu hören bekam. Von seinem schmalen Einkommen kaufte er sich Bücher, zunächst vor allem Dorfgeschichten, und bald begann er selbst zu schreiben.

Seinen Namen änderte er mit den ersten Veröffentlichungen von Roßegger in Rosegger, weil es in seiner Heimat mehrere Träger dieses Namens gab und er Verwechslungen vermeiden wollte. Bis Mitte 1894 zeichnete er als P. K. Rosegger, danach bevorzugte er seinen Rufnamen Peter. Den Zusatz Kettenfeier wählte er mit Bezug auf seinen Tauftag. Für die Erzählung Das Unglück in Rieselwang benutzte er das Pseudonym Hans Malser.

Sein Firmpate überredete den jungen Schneidergesellen, seine Schreibversuche einem Redakteur anzuvertrauen. Adalbert Svoboda von der Grazer Tagespost erkannte sein Talent und rief 1864 zu seiner Förderung auf. Von ihm stammte auch die Bezeichnung Naturdichter, gegen die Rosegger zeitlebens ankämpfte. Unterstützt vom Industriellen Johann Peter von Reininghaus, zog er 1865 nach Graz und besuchte dort mehrere Jahre als Gasthörer die Akademie für Handel und Industrie. Nebenbei arbeitete er als Bibliothekar. 1869 veröffentlichte er seine Erzählungen und verließ die Akademie. Ein Stipendium des steirischen Landesausschusses ermöglichte ihm Reisen nach Deutschland, in die Niederlande, die Schweiz und Italien; im Sommer 1872 führte ihn eine Bildungsreise bis nach Neapel und Pompeji.

Am 13. Mai 1873 heiratete er in Graz Anna Pichler, die Tochter eines Hartberger Hutfabrikanten. Aus der Ehe gingen 1874 der Sohn Josef und 1875 die Tochter Anna hervor. Doch seine Frau starb am 16. März 1875 im Alter von nur 23 Jahren im Kindbett. Zu dieser Zeit war Rosegger bereits als Schriftsteller bekannt. Ab 1869 stand er in freundschaftlicher und geschäftlicher Beziehung zum Verleger Gustav Heckenast aus Pest, der ihm Förderer und väterlicher Freund war. Bei Heckenast erschien 1875 der Roman Die Schriften des Waldschulmeisters, dessen Widmung der Unterrichtsminister Karl von Stremayr übernahm. Auf Heckenasts Anregung gab Rosegger auch einen Kalender heraus, der 1873 erstmals unter dem Titel Das neue Jahr erschien. 1876 gründete er in Graz die volkstümliche Monatsschrift Heimgarten.

1877 erfüllte sich Rosegger den Traum von einem eigenen Haus in der Waldheimat. Nachdem seine Eltern 1868 den Kluppeneggerhof aus finanzieller Not hatten verkaufen müssen, ließ er in Krieglach nach eigenen Entwürfen ein Haus errichten und zog mit seinen Kindern ein. Es ist heute ein Museum. Am 1. Mai 1879 heiratete er in zweiter Ehe Anna Knaur; aus dieser Verbindung stammten der spätere Schriftsteller Hans Ludwig Rosegger sowie die Töchter Margarete und Martha. Ab 1878 unternahm er Lesereisen, die ihn unter anderem nach Dresden, Leipzig, Weimar, Berlin, Hamburg und München führten; darüber berichtete er in Meine Vorlesereisen.

Nach Heckenasts Tod 1878 wurde Adolf Hartleben aus Wien sein Verleger. Dort erschien 1883 der Roman Der Gottsucher, der einen Vorfall aus dem Jahr 1493 verarbeitet und großen Zuspruch fand. Wegen Meinungsverschiedenheiten über Honorare und Editionsfragen wechselte Rosegger später zum Leipziger Verlagsbuchhändler Ludwig Staackmann, mit dem sich eine sehr persönliche Beziehung entwickelte. Peter Rosegger starb am 26. Juni 1918 in seinem Landhaus in Krieglach im Alter von 74 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem dortigen Friedhof.


Literarische Merkmale

Roseggers Schreiben wurzelt in der Welt, aus der er stammte: der bäuerlichen Heimat der Obersteiermark. Aus seiner eigenen Herkunft schöpfte er den Stoff für Erzählungen, Dorfgeschichten, Reiseskizzen und Sittenbilder. Die autobiografische Sammlung Waldheimat wuchs später in der Ausgabe letzter Hand auf vier Bände an und wurde in zahlreichen Auswahlausgaben für die Jugend verbreitet. Sie wurde zu seinem Markenzeichen.

Nach der Deutschen Biographie lag Roseggers besondere Stärke im episodisch-pointierten Erzählen, das rasch überregionale Anerkennung fand. Manche seiner längeren Werke tragen erkennbare Konstruktionsmängel. Der Roman Die Schriften des Waldschulmeisters etwa war aus Zeitungsfeuilletons montiert und nach dem Muster der Robinsonade gestaltet: Zwei in der Welt gescheiterte Erzieherfiguren versuchen, die Wildnis und ihre Bewohner zu zivilisieren. Trotz dieser Mängel wurde das Buch eines seiner erfolgreichsten Werke.

Seine literarischen Anfänge zeigen den Dialektdichter: Robert Hamerling leitete die Veröffentlichung der Mundartgedichte Zither und Hackbrett ein, im selben Jahr erschien die Sammlung Tannenharz und Fichtennadeln, 1870 die ethnografischen Skizzen Sittenbilder aus dem steirischen Oberlande. Sein Schreiben war laut der Deutschen Biographie geprägt von der Dorfgeschichten- und Kalenderliteratur August Silbersteins und Berthold Auerbachs sowie vom Werk Adalbert Stifters, den er 1867 besucht hatte. Vieles war einem gemäßigt-liberalen Gedanken der Volksaufklärung verpflichtet, der auf Belehrung und moralische Bildung der Landsleute zielte.


Rezeption

Bereits zu Lebzeiten erlangte Rosegger große Bekanntheit. Sein Talent für pointierte Geschichten fand rasch überregionale Anerkennung, und durch eine geschickte Publikationspolitik war er nicht nur in den Feuilletons der Wiener Zeitungen, sondern bald auch in den Familienzeitschriften Deutschlands präsent. Der Roman Der Gottsucher war außerordentlich beliebt: Dreizehn Jahre nach dem Erscheinen lag bereits die 24. Auflage vor, 1926 die 76. Der Verleger Gustav Heckenast brachte zwischen 1871 und 1878 jährlich mindestens einen Band mit Erzählungen und Skizzen heraus.

Seine gesammelten Schriften erschienen in immer neuen, stetig erweiterten Ausgaben, darunter eine vierzigbändige Ausgabe letzter Hand. Mit den journalistischen Arbeiten in seiner Monatsschrift Heimgarten griff Rosegger in die Streitfragen seiner Zeit ein, etwa in den Nationalitätenkampf, die Frage des Antisemitismus, die Agrarfrage und die Kirchenpolitik; dabei akzentuierte er seinen Liberalismus zeitkonform deutschnational. Für sein Werk wurde er mehrfach mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet, in Heidelberg 1903, in Wien 1913 und in Graz 1917. 1907 wurde er Ehrenmitglied der Royal Society of Literature in London, ein Titel, den er 1914 zurücklegte. Sein Wohnhaus in Krieglach ist heute ein Museum.

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