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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Juan Ramón Jiménez
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Porträt Juan Ramón Jiménez
Juan Ramón Jiménez
1881 – 1958
– Autorenporträt –

Juan Ramón Jiménez

1881 – 1958 · 76 Jahre

Spanischer Dichter, der die Lyrik seines Landes erneuerte, der jüngeren Generación del 27 den Weg bereitete und 1956 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt wurde.

Kurzporträt

Zu den prägenden Stimmen der spanischen Dichtung des 20. Jahrhunderts zählt Juan Ramón Jiménez. Er wurde 1881 im andalusischen Moguer geboren und starb 1958 im Exil auf Puerto Rico. In seinem Werk verband er den Modernismo des Nicaraguaners Rubén Darío, die spätromantische Gefühlswelt von Rosalía de Castro und Gustavo Adolfo Bécquer sowie die volkstümliche Tradition des Romancero. Er gilt als Wegbereiter der jüngeren Dichtergeneration, der sogenannten Generación del 27. Zu ihr gehörten Federico García Lorca, Rafael Alberti und Jorge Guillén. Sein bekanntestes Buch ist die lyrische Prosa Platero y yo über einen kleinen Esel und seinen Herrn. 1956 wurde Jiménez mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.


Biografie

Geboren wurde Juan Ramón Jiménez am 23. Dezember 1881 in Moguer in der Provinz Huelva an der Atlantikküste Andalusiens; manche Quellen nennen den 24. Dezember. Sein Vater Víctor Jiménez de Nestares war ein wohlhabender Besitzer von Weinbergen und Handelsschiffen und stammte aus der nordspanischen Rioja. Seine Mutter Pura de Casa-Mantecón gehörte einer andalusischen Adelsfamilie aus Osuna bei Sevilla an. Juan Ramón besuchte das Jesuiten-Internat in El Puerto de Santa María bei Cádiz. Dort erhielt er eine humanistisch-klassische Erziehung, machte sich mit den spanischen Meistern des 17. Jahrhunderts vertraut und entdeckte die französische Literatur. 1896 zog er auf Wunsch des Vaters nach Sevilla, um Jura zu studieren. Seine Zeit verbrachte er aber lesend und schreibend in der Bibliothek des Ateneo de Sevilla. Zu seiner Lektüre zählten Romantiker wie Musset, Heine und Byron, Symbolisten wie Moréas und Maeterlinck sowie die spanischen Spätromantiker Rosalía de Castro und Bécquer.

Seine ersten Verse erschienen in lokalen Zeitungen Sevillas, bald auch in der Madrider Zeitschrift Vida Nueva, die für den von Rubén Darío vertretenen Modernismo eintrat. Im Frühjahr 1900 reiste Jiménez auf Einladung seines Dichterfreundes Francisco Villaespesa erstmals nach Madrid, um Darío kennenzulernen. Dieser schrieb ein Vorwort für die erste Sammlung des jungen Poeten und gab ihr den Titel Almas de violeta. Ramón del Valle-Inclán taufte den zweiten Band Ninfeas. Beide Bändchen erschienen 1900. Im selben Jahr starb der Vater plötzlich, was den Dichter in eine tiefe Depression stürzte. Im Frühjahr 1901 begab er sich in die Privatklinik des französischen Arztes Lalanne in Castel d’Andorte am Fuß der Pyrenäen. Dort blieb er ein halbes Jahr und entdeckte Mallarmé und Verlaine für sich.

Ende 1901 kehrte er nach Madrid zurück und zog sich in das Sanatorium El Retiro zurück, wo er einen kleinen literarischen Salon hielt. 1902 erschien der Gedichtband Rimas, der bei Kritik und jüngeren Literaten Anklang fand. Zu den Besuchern des Salons zählten die Brüder Antonio und Manuel Machado. Aus diesem Kreis entstand die Zeitschrift Helios. Mit Arias tristes (1903) erreichte seine frühe Schaffensperiode einen ersten Höhepunkt. 1905 kehrte Jiménez nach Moguer zurück. Dort erlebte er den finanziellen Niedergang der Familie mit und fand in der vertrauten Natur und im Schreiben Halt. In dieser Zeit entstand ab 1907 die lyrische Prosa von Platero y yo, eine „Andalusische Elegie“, die 1914 in einer kleinen und 1917 in einer erweiterten Fassung erschien. Es folgten die Gedichtbände Elegías puras (1908), Baladas de primavera (1910), La soledad sonora (1911) und Melancolía (1912). Sie machten den Dreißigjährigen zum anerkannten Meister.

1912 zog Jiménez auf Einladung der Residencia de Estudiantes wieder nach Madrid. Dort lebte er bis zu seiner Heirat mit Zenobia Camprubí (1887–1956), der weltoffenen und belesenen Tochter eines spanischen Ingenieurs mit Familienbeziehungen in den USA und Puerto Rico. Die Hochzeit fand am 2. März 1916 in New York statt. Für den Dichter begann eine glückliche Zeit. Sein Werk streifte den modernistischen Prunk ab und trat den Weg zur poesía pura seines Reifestils an. Diario de un poeta recién casado (1917), Eternidades (1918) und Piedra y cielo (1919) markieren diese Wende. In den zwanziger Jahren wurde er zur zentralen Figur des spanischen Literaturlebens und veröffentlichte 1922 seine Segunda antología poética.

Der Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs am 18. Juli 1936 setzte diesem Leben ein jähes Ende. Jiménez lehnte den Vorsitz der Alianza de Intelectuales Antifascistas ab, verließ aber im August Madrid. Das Paar hatte mehrere Kriegswaisen adoptiert. Mit einem diplomatischen Pass reiste es über Frankreich in die USA, dann über Puerto Rico nach Kuba, wo Jiménez als Vertreter der spanischen Republik auftrat. Als das Paar 1939 Havanna in Richtung Florida verließ, war der Krieg beendet und Jiménez ein Dichter im Exil. Er lehrte drei Jahre als Gastdozent am Hispanic American Institute der Universität Miami. Nach dem Kriegseintritt der USA zog er nach Washington und arbeitete mit Zenobia an der Universität Maryland. In dieser Zeit entstanden Werke wie Romances de Coral Gables und die Prosaporträts Españoles de tres mundos (1942). Eine Reise nach Argentinien 1948 wurde ein Triumphzug. In Buenos Aires feierten ihn alte Freunde um die Zeitschrift Sur, darunter Victoria Ocampo und Borges. Auf die Frage, warum er nicht nach Spanien zurückkehre, antwortete er: „Weil ich in Freiheit leben möchte.“ 1951 übersiedelte das Paar nach Puerto Rico, an dessen Universität in Río Piedras Jiménez seine Bibliothek, Manuskripte und Briefe schenkte. Zenobia erlebte noch die Verleihung des Nobelpreises am 25. Oktober 1956 und starb am 28. Oktober. Juan Ramón Jiménez überlebte sie um zwei Jahre und starb 1958 in San Juan, Puerto Rico.


Literarische Merkmale

Geprägt war sein frühes Werk vom Modernismo. Dessen klangvolle, schmückende Sprache nahm er aus den Vorbildern Rubén Daríos und der französischen Symbolisten auf. Zugleich klingen darin die spätromantische Gefühlswelt von Rosalía de Castro und Bécquer und die volkstümliche Tradition des Romancero nach. Mit der Heirat 1916 und dem Diario de un poeta recién casado wandte er sich von diesem Prunk ab. Er suchte den Weg zur poesía pura, einer knappen, von allem Schmuck gereinigten Dichtung. Eine besondere Stellung nimmt die lyrische Prosa von Platero y yo ein, die Vers und Erzählung verbindet. Über sein eigenes Schaffen wie über das anderer wachte Jiménez mit großer künstlerischer Strenge, etwa in der harten Auswahl seiner Segunda antología poética.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten galt Jiménez als zentrale Gestalt der spanischen Dichtung: von seinen Altersgenossen anerkannt, von den Jüngeren verehrt. Er gilt als Wegbereiter der Generación del 27, der Dichter wie Federico García Lorca, Rafael Alberti und Jorge Guillén angehörten. Seine kompromisslosen Urteile über fremde Werke trugen ihm freilich auch den Ruf der Intoleranz und des Hochmuts ein. Der damals junge Luis Cernuda sprach für die Jahre 1917 bis 1930 sogar von einer „wahren Diktatur“ Juan Ramóns. Im Exil wurde er weiterhin gefeiert, wie seine Reise nach Argentinien 1948 zeigt, die ihm in Buenos Aires einen Triumphzug bereitete. 1956 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Sein dichterischer Nachlass – Bibliothek, Manuskripte und Briefe – ging an die Universität von Puerto Rico in Río Piedras.

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