1901 – 1968
Salvatore Quasimodo
Kurzbiografie↑
Als einer der bedeutenden italienischen Lyriker des 20. Jahrhunderts wurde Salvatore Quasimodo 1901 auf Sizilien geboren und 1959 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Seine Verse kreisen um die sizilianische Heimat und ihre Traditionen, die er in melodischen, ungereimten Zeilen einfing. Fachleute rechnen sein frühes Werk dem sogenannten Hermetismus zu, einer schwer zugänglichen, oft rätselhaften Bildsprache. Unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs wandte er sich später einer nüchterneren, der Wirklichkeit zugewandten Dichtung zu. Neben seinem eigenen Schaffen trat er auch als Übersetzer antiker und moderner Dichter hervor.
Biografie↑
Geboren wurde Salvatore Quasimodo am 20. August 1901 in Modica in der Provinz Ragusa auf Sizilien. Er war der Sohn eines Eisenbahners und verbrachte seine Kinder- und Jugendzeit auf der Insel. Ab 1919 studierte er in Rom am Polytechnikum. Dort beschäftigte er sich auch mit Altphilologie, legte jedoch ein Examen als Bauingenieur ab.
Bis 1938 arbeitete Quasimodo als Landvermesser. Diese Tätigkeit führte ihn in zahlreiche Regionen und Städte Italiens, unter anderem nach Palermo, Messina, Reggio Calabria, Rom, Florenz, Imperia, Sardinien und Sondrio. In diesen Jahren entdeckte er sein dichterisches Talent. 1930 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband Acque e Terre, zu Deutsch Wasser und Erde. Das Buch wurde in Italien ein großer Erfolg. Sein Thema war die sizilianische Heimat, die er in melodischen, aber ungereimten Versen darbot.
Daneben versuchte sich Quasimodo als Theaterkritiker und Journalist für die Zeitschrift Il Tempo. 1941 wurde er zum Professor für Literaturgeschichte an das Konservatorium Mailand berufen.
Während des Zweiten Weltkriegs schloss er sich der Kommunistischen Partei an und beteiligte sich am Widerstand gegen das faschistische Italien unter Mussolini. Die Erfahrung dieser harten Wirklichkeit veränderte seine Dichtung: Die späteren Werke wandten sich der Realität zu, und die Verklärungen der frühen Jahre traten zurück.
Quasimodo trat auch als Übersetzer hervor. Er übertrug die altrömischen Dichter Catull, Ovid und Vergil, die altgriechische Dichterin Sappho sowie Shakespeare, Pablo Neruda und Pericle Patocchi. Vorübergehend war er mit Alda Merini liiert.
Für sein dichterisches Werk erhielt er zuvor bereits den Ätna-Taormina-Preis für Lyrik (1953) und den Viareggio-Preis. Am 22. Oktober 1959 sprach ihm das Nobelpreiskomitee den Nobelpreis für Literatur zu. 1962 wurde Quasimodo in die American Academy of Arts and Sciences gewählt, 1967 verlieh ihm die Oxford University die Ehrendoktorwürde. Er starb am 14. Juni 1968 in Neapel und wurde in der Ehrenhalle des Cimitero Monumentale in Mailand beigesetzt.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Quasimodos Dichtung ist die Verbindung von Musikalität und Bildkraft. Seine Verse sind melodisch, verzichten aber auf den Reim. Immer wieder kehren sie zur sizilianischen Heimat und ihren Traditionen zurück. Quasimodo zählt neben Giuseppe Ungaretti und Eugenio Montale zu den Begründern des italienischen Hermetismus.
Das frühe Werk ordnen Fachleute dem Hermetismus zu. Diese Richtung bringt oft schwer verständliche Wortgeflechte hervor, zugleich aber sehr Lyrisches und Mystisches. Mit dem Zweiten Weltkrieg vollzog sich ein Wandel: Die Konfrontation mit der harten Wirklichkeit ließ die spätere Dichtung nüchterner werden und rückte sie von den früheren Verklärungen ab.
Rezeption↑
Mit seinem Schaffen steht Quasimodo gleichberechtigt neben Giuseppe Ungaretti und Eugenio Montale. Sein erster Gedichtband fand in Italien großen Anklang.
Die höchste Anerkennung brachte ihm 1959 der Nobelpreis für Literatur. In der Laudatio nannte ihn der Vorsitzende des Schwedischen Literatur-Nobelpreiskomitees „ein Erneuerer der modernen Dichtung“; sein „menschliches Pathos“ breche „unwiderstehlich die hermetische Form, in der er zuerst gebunden war“. Auf Deutsch erschienen mehrere Auswahlausgaben seiner Gedichte, etwa Das Leben ist kein Traum und Ein offener Bogen.
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