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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Jens Peter Jacobsen
Jens Peter Jacobsen
1847 – 1885
– Autorenporträt –

Jens Peter Jacobsen

1847 – 1885 · 38 Jahre

Dänischer Botaniker und Schriftsteller, der das Seelenleben des modernen Menschen genau ausleuchtete und zum Vorläufer der deutschen Symbolisten wurde.

Kurzporträt

Jens Peter Jacobsen war ein dänischer Schriftsteller. Er wurde am 7. April 1847 in Thisted geboren und starb am 30. April 1885 ebendort. Ausgebildet war er als Botaniker. Er übersetzte Charles Darwin ins Dänische und wandte sich nach religiösen Zweifeln dem Atheismus zu, bevor er sich ganz der Literatur widmete. In nur wenigen Werken – zwei Romanen, einigen Novellen und Gedichten – entwickelte er einen feinen, genau beobachtenden Stil. Dieser Stil leuchtet das Seelenleben seiner Figuren aus. Seine Romane Frau Marie Grubbe und Niels Lyhne wirkten weit über Dänemark hinaus. Sie machten ihn zu einem wichtigen Vorläufer der deutschen Symbolisten. Er hatte großen Einfluss auf Rainer Maria Rilke, und Stefan George las ihn mit Begeisterung.


Biografie

Jacobsen wurde am 7. April 1847 in Thisted geboren. Nach dem Abitur absolvierte er ein Studium der Botanik, das er mit einer prämierten Dissertation über Algen abschloss. Er war ein begeisterter Anhänger von Charles Darwin. Er übertrug dessen Werk Die Entstehung der Arten ins Dänische und trieb damit die Verbreitung der Darwin'schen Ideen in seinem Heimatland voran. Auf der Grundlage der Evolutionstheorie entwickelte er sich zu einem entschiedenen Atheisten. Vorausgegangen waren schwere religiöse Zweifel und eine unglückliche Liebe.

Neben seiner naturwissenschaftlichen Arbeit trat Jacobsen früh als Erzähler hervor. 1872 erschien die Novelle Mogens, 1875 folgte Ein Schuss in den Nebel. Seinen ersten Roman, Frau Marie Grubbe, veröffentlichte er 1876, den zweiten, Niels Lyhne, im Jahr 1880. Weitere Novellen wie Die Pest in Bergamo (1881) und Frau Fönss (1882) traten hinzu, ebenso die Sammlung Mogens und andere Novellen (1882). Befreundet war er mit Edvard Brandes und Georg Brandes, die ihm in ihrer Gesinnung verwandt waren.

Im Jahr 1873 führte ihn eine Reise nach Italien. In deren Verlauf erkrankte er in Florenz schwer. Er kehrte nach Dänemark zurück. Dort starb er nach langem Leiden 1885 in seiner Geburtsstadt Thisted an Tuberkulose. Erst nach seinem Tod erschienen die Gedichtsammlung Digte (1886) sowie Skitser og Udkast (1886) mit Skizzen und Entwürfen.


Literarische Merkmale

Kennzeichnend für Jacobsens Werke sind ein impressionistischer Stil von hoher Genauigkeit und ein tiefer Blick in das Gemütsleben der Menschen. In wenigen Texten – zwei Romanen, einigen Novellen und Gedichten – zeigte er, wie sehr der Mensch von seiner Umgebung und seiner Veranlagung abhängt. Seine Romane entwerfen dichte Stimmungsbilder. Diese gewinnt er aus der beobachteten Wirklichkeit.

Die meisten seiner Werke tragen autobiografische Züge. Sie schildern die Lage des modernen Menschen, der sich in einer Welt ohne Gott zurechtfinden muss. Jacobsens Lyrik ist stimmungsvoll, gedankenschwer und melancholisch zugleich. Sie gibt feinste Seelenregungen und Naturstimmungen sehr genau wieder.


Rezeption

Über die Grenzen Dänemarks hinaus wirkte Jacobsen vor allem in den deutschsprachigen Ländern. Der Wiener Komponist Arnold Schönberg vertonte seine Gurre-Lieder. Der britische Komponist Frederick Delius verarbeitete in seiner letzten Oper Fennimore und Gerda (1908–1910, uraufgeführt 1919 in Frankfurt am Main) Szenen aus dem Roman Niels Lyhne.

Seine Lyrik gibt die feinsten Empfindungen genau wieder. Sie hatte großen Einfluss auf Rainer Maria Rilke. Auch Stefan George las Jacobsen mit großer Begeisterung; er war wie Rilke des Dänischen mächtig. Gottfried Benn bezog sich in seinem Gespräch von 1910 positiv auf ihn. In Dänemark hingegen wurde Jacobsen ein Jahrhundert lang durch eine naturalistische Verkürzung missverstanden, obwohl er ein wichtiger Vorläufer der deutschen Symbolisten war. So zeigt etwa Thomas Manns Erzählung Tonio Kröger deutliche Spuren von Niels Lyhne.

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