1911 – 1966
Brian O’Nolan
Kurzbiografie↑
Unter dem Namen Flann O’Brien wurde der Ire Brian O’Nolan zu einem der eigenwilligsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Geboren 1911 in Strabane, veröffentlichte er auf Englisch vier Romane, darunter das vielschichtige At Swim-Two-Birds von 1939. Auf Irisch schrieb er unter dem Pseudonym Myles na gCopaleen den Roman An Béal Bocht und über 25 Jahre hinweg die satirische Kolumne Cruiskeen Lawn in der Irish Times. Er gilt als Schöpfer bizarrer Figuren und als Meister des Wortspiels. Er starb 1966 in Dublin.
Biografie↑
Als drittes von zwölf Kindern kam Brian O’Nolan am 5. Oktober 1911 in Strabane im County Tyrone zur Welt. Von 1929 bis 1935 studierte er am University College Dublin und an der Universität zu Köln Irisch, Englisch und Deutsch. Schon während des Studiums veröffentlichte er Artikel unter zahlreichen Pseudonymen und gab die Zeitschrift Blather heraus.
Ab 1935 arbeitete er als Regierungsbeamter. Zeitweilig lehrte er am University College Dublin und schrieb für verschiedene Zeitungen. Um 1940 entstanden drei Romane: At Swim-Two-Birds, An Béal Bocht in irischer Sprache unter dem Pseudonym Myles na gCopaleen sowie The Third Policeman. Der letztgenannte Roman wurde vom Verleger abgelehnt und erst 1967, nach seinem Tod, veröffentlicht. Das Pseudonym Myles na gCopaleen hatte er einer Figur aus Dion Boucicaults Melodram The Colleen Bawn entlehnt.
Ab 1940 erschien in der Irish Times täglich seine satirische Kolumne Cruiskeen Lawn, deren Titel sich vom irischen Cruiscín Lán, „Voller Krug“, herleitet. In 25 Jahren kamen fast 3.000 Folgen zusammen. In seiner Umwelt wurde aus dem Beamten O’Nolan, gegen die Absicht ihres Schöpfers, ein Myles. Die Kolumne war ein Beispiel für den vielsprachigen Humor, den man bei ihm häufig findet: anfangs auf Irisch, meist auf Englisch, manchmal auf Französisch, Latein oder Deutsch, gelegentlich in einer selbst erfundenen englisch-irischen Mischform. Damit wollte er die „linguistischen Nationalisten“ und ihr Trugbild von irischer Unabhängigkeit lächerlich machen. Er beschrieb ironisch geniale Erfindungen und Pläne zur Verbesserung der Lage der irischen Nation. In den frühen 1940er-Jahren kritisierte er die neutrale Außenpolitik der damaligen Fianna-Fáil-Regierung. Unter den irischen „Allzweckliberalen“ verspottete er den Literaten Seán Ó Faoláin am schärfsten.
1953 musste er den öffentlichen Dienst verlassen, nachdem er in seiner Kolumne eine Satire über einen Minister verfasst hatte. Obwohl er nun mehr Zeit zum Schreiben hatte, konnte er zunächst nicht an seine erfolgreiche frühere Zeit anknüpfen. Erst in den 1960er-Jahren erschienen mit The Hard Life (1962) und The Dalkey Archive (1964) wieder Romane. Brian O’Nolan starb am 1. April 1966 in Dublin.
Literarische Merkmale↑
Als einzigartiger Schöpfer bizarrer Charaktere und als Meister des Wortspiels ist Brian O’Nolan in die Literaturgeschichte eingegangen. Sein Humor ist oft vielsprachig: Er wechselte zwischen Englisch, Irisch, Französisch, Latein und Deutsch und erfand sogar eine eigene englisch-irische Mischform. Damit trieb er seinen Spott mit den „linguistischen Nationalisten“ und ihrer Vorstellung von irischer Unabhängigkeit.
Zentrale Themen seiner Werke sind das irische Leben, der Tod, vermeintlich „wissenschaftliche“ Theorien, Trunksucht und Fahrräder. Zu seiner Wissenschaftsparodie gehören auch die Schafe als Gegenstand molekularphysikalischer Gedankenexperimente. In seinen Texten verbindet sich beißende Satire mit erfindungsreichem Spott: In der Kolumne Cruiskeen Lawn beschrieb er ironisch zahlreiche geniale Erfindungen und Pläne zur Verbesserung der Lage der irischen Nation.
Rezeption↑
Als bedeutender irischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts ist Brian O’Nolan anerkannt. Der britische Schriftsteller Anthony Burgess nahm At Swim-Two-Birds in seine Liste der 99 großartigen Romane auf und äußerte sich mit großer Wertschätzung über Flann O’Brien. Der Roman gilt heute als einer der wichtigsten Romane der Moderne vor 1945 und wird sogar als Wegbereiter der Postmoderne gesehen. Der Akademiker Keith Hopper argumentierte allerdings, dass The Third Policeman – oberflächlich weniger radikal – in Wahrheit ein sehr subversives und proto-postmodernes Buch sei.
At Swim-Two-Birds war eines der letzten Bücher, die James Joyce las; er lobte es gegenüber Freunden, und dieses Lob wurde viele Jahre auf den Buchdeckeln von O’Nolans Büchern verwendet. Der Titel des Romans At Swim, Two Boys von Jamie O’Neill (2001) verweist auf ihn. Der Science-Fiction-Autor und Satiriker Robert Anton Wilson nahm zudem den von O’Nolan erfundenen Wissenschaftler de Selby in seinen Romanzyklus Die Illuminaten-Chroniken auf.
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