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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · John O’Hara
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Porträt John O’Hara
John O’Hara
1905 – 1970
– Autorenporträt –

John O’Hara

1905 – 1970 · 65 Jahre

Amerikanischer Erzähler des wohlhabenden Bürgertums und seiner Klassenunterschiede – von der Kritik „amerikanischer Balzac“ genannt.

Kurzbiografie↑

John O’Hara war ein amerikanischer Schriftsteller, der ab den späten 1920er-Jahren mit seinen Kurzgeschichten bekannt wurde. Viele davon erschienen im Magazin The New Yorker. Bekannt wurde er außerdem durch Romane wie Begegnung in Samarra und Butterfield 8. In seinen Werken beschrieb er oft kritisch das wohlhabende amerikanische Bürgertum und stellte Fragen nach Klasse, Statusdenken und sozialem Aufstieg. Die Kritik nannte ihn den „amerikanischen Balzac“.


Biografie↑

Geboren wurde John Henry O’Hara am 31. Januar 1905 in Pottsville, Pennsylvania. Er führte ein unstetes Leben. Dass ihm aus finanziellen Gründen ein Studium in Yale verwehrt blieb, konnte er nie verschmerzen. Zunächst musste er sich mit verschiedenen Jobs durchschlagen: Er arbeitete als Mechaniker, Sekretär, Parkwächter, Straßenhändler und als Reporter für mehrere Zeitungen. In New York begann er schließlich, Kurzgeschichten zu veröffentlichen.

Neben der schriftstellerischen Arbeit war O’Hara auch Filmkritiker, Radiosprecher und Presseagent. Nachdem sein Ruf gefestigt war, arbeitete er zudem als Zeitungskolumnist. Seit 1928 erschienen über 200 seiner Kurzgeschichten im Magazin The New Yorker und fanden großen Beifall bei der Kritik. Viele dieser Geschichten spielen in Gibbsville, einer literarischen Fassung seines Heimatortes Pottsville. Beschrieben wird darin das Milieu des wohlhabenden amerikanischen Bürgertums mit seinem Klassenbewusstsein und seinen Klassenunterschieden.

Der erste Roman-Erfolg gelang ihm 1934 mit Appointment in Samarra. Das Buch erzählt von der Selbstzerstörung der Hauptfigur Julian English, die sich durch dessen rebellisches Verhalten im Umfeld einer amerikanischen Kleinstadt vollzieht. Am Ende begeht English Selbstmord. Ernest Hemingway lobte den Roman überschwänglich. Die geschilderten kurzen Affären haben autobiografische Parallelen; die Kater nach durchzechten Nächten und die Schlägereien sind realistisch beschrieben. Sie waren typisch für die „Hangover-Generation“ der Wirtschaftskrise, die sich an altes Statusdenken klammerte, an der veränderten Umwelt aber zerbrach.

Der 1939 geschriebene Briefroman Pal Joey lieferte die Vorlage für ein Musical und mehrere Verfilmungen, unter anderem 1940 mit Gene Kelly sowie 1957 mit Frank Sinatra und Rita Hayworth. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete O’Hara als Kriegsberichterstatter im Pazifik. Danach folgten Drehbücher und weitere Romane, darunter Ten North Frederick. Dafür erhielt er 1956 den National Book Award. Ein Jahr später wurde er zum Mitglied der American Academy of Arts and Letters gewählt.

Seit Anfang der fünfziger Jahre schrieb O’Hara wieder regelmäßig Zeitungskolumnen. Darin kommentierte er die amerikanische Politik aus eher konservativer Warte, was ihm einige Kritik von liberalen Intellektuellen einbrachte. In den sechziger Jahren galt er als aussichtsreicher Kandidat für den Literaturnobelpreis, den er jedoch nie erhielt. John O’Hara starb am 11. April 1970 in Princeton, New Jersey.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für O’Haras Schreiben ist ein ausgeprägter Sinn für gelungene Dialogführung. Seine Geschichten sind realistisch erzählt: Szenen wie durchzechte Nächte, Kater und Schlägereien schildert er nüchtern und ohne Beschönigung. Im Mittelpunkt steht immer wieder das wohlhabende amerikanische Bürgertum mit seinem Klassenbewusstsein und seinen Klassenunterschieden. Viele seiner Erzählungen siedelte er im erfundenen Ort Gibbsville an, einer literarischen Fassung seines Heimatortes Pottsville.


Rezeption↑

Große Zustimmung fanden O’Haras Kurzgeschichten bereits ab 1928 bei der Kritik, die ihn den „amerikanischen Balzac“ nannte. Sein Roman Appointment in Samarra wurde 1934 von Ernest Hemingway überschwänglich gelobt. Für Ten North Frederick erhielt er 1956 den National Book Award, im Jahr darauf wurde er in die American Academy of Arts and Letters gewählt. In den sechziger Jahren galt er als aussichtsreicher Anwärter auf den Literaturnobelpreis, ging dabei aber leer aus. Seine konservativ gefärbten Zeitungskolumnen trugen ihm Kritik von liberalen Intellektuellen ein. Auf seinem Grabstein ließ O’Hara ein selbstbewusstes Epitaph anbringen: „Besser als jeder andere erzählte er die Wahrheit über seine Zeit, die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Er war ein Profi. Er schrieb ehrlich und gut.“ Sein Werk wirkte auch im Film nach: Mehrere seiner Bücher wurden verfilmt, darunter Butterfield 8 und From the Terrace.

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