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Autoreneintrag · Flannery O’Connor
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Porträt Flannery O’Connor
Flannery O’Connor
1925 – 1964
– Autorenporträt –

Flannery O’Connor

1925 – 1964 · 39 Jahre

Katholische Erzählerin der amerikanischen Südstaaten, die in groteske, verstörende Geschichten die Frage nach Gnade und Gewalt hineinschrieb.

Kurzbiografie↑

Mary Flannery O’Connor war eine US-amerikanische Schriftstellerin. Sie wurde am 25. März 1925 in Savannah im Bundesstaat Georgia geboren und starb am 3. August 1964 in Milledgeville. In nur wenigen Schaffensjahren schrieb sie zwei Romane und 31 Kurzgeschichten, dazu Buchbesprechungen und Briefe. Ihre Erzählungen spielen meist in den amerikanischen Südstaaten. Sie gehören dem sogenannten Southern-Gothic-Stil an, in dem groteske Figuren und verstörende Wendungen den Ton bestimmen. Als überzeugte Katholikin in einer überwiegend protestantischen Umgebung machte sie Glaube, Gnade und Gewalt zu den großen Themen ihres Werks. Heute zählt sie zu den bedeutenden Erzählerinnen der Südstaaten in der Nachfolge William Faulkners.


Biografie↑

Flannery O’Connor war das einzige Kind von Edward Francis O’Connor und seiner Frau Regina Lucille, geborene Cline. Sie wuchs in Georgia auf. Sich selbst beschrieb sie später als ein „Einzelkind mit Taubenzehen und einem fliehenden Kinn und einem Lass-mich-in-Ruhe-oder-ich-beiß-dich-Komplex“. Schon als Fünfjährige erfuhr sie eine erste Berühmtheit. Sie brachte einem Huhn bei, rückwärts zu laufen. Daraufhin zeigte die damals beliebte Wochenschau Pathé News ihre dressierten Hühner in dem Film Little Mary O’Connor im ganzen Land. Dazu bemerkte sie: „Das war das Spannendste, was mir je passiert ist. Seitdem ging es nur noch bergab.“

Ein früher Schicksalsschlag prägte ihr Leben. 1937 wurde bei ihrem Vater Lupus erythematodes festgestellt, eine seltene Autoimmunerkrankung. Er starb am 1. Februar 1941, als Flannery 15 Jahre alt war. Sie war am Boden zerstört und sprach in ihrem späteren Leben fast nie mehr von ihm. Die Krankheit kam in der Familie O’Connor gehäuft vor.

O’Connor besuchte die Peabody Laboratory School, wo sie 1942 ihren Abschluss machte. Anschließend studierte sie am Georgia State College for Women Englisch und Soziologie. Das Fach Soziologie verarbeitete sie später satirisch in ihrem Roman The Violent Bear It Away. 1946 wurde sie in den angesehenen Iowa Writers’ Workshop aufgenommen. 1949 lernte sie den Dichter und Übersetzer Robert Fitzgerald kennen. Sie folgte seiner Einladung, bei ihm und seiner Frau Sally in Redding, Connecticut, zu wohnen, wo sie bis 1951 lebte.

1951 wurde auch bei ihr selbst Lupus erythematodes diagnostiziert. Daraufhin zog sie in das Farmhaus „Andalusia“ in Milledgeville, das einem Onkel gehörte. Die Ärzte gaben ihr nur noch fünf Jahre. Tatsächlich lebte sie noch fast 15 Jahre. Auf „Andalusia“ hielt sie rund hundert asiatische Pfauen. Fasziniert von Vögeln aller Art, züchtete sie Enten, Hühner, Gänse und zahlreiche exotische Vögel. Oft nahm sie Abbildungen von Pfauen in ihre Bücher auf. Ihren Pfauen widmete sie den Aufsatz Der König der Vögel. Trotz dieses zurückgezogenen Lebens zeigen ihre Schriften ein feines Verständnis für die Nuancen menschlichen Verhaltens.

Obwohl sie inmitten der vorwiegend protestantischen Südstaaten lebte, war sie eine sehr strenggläubige Katholikin. Sie sammelte Bücher über katholische Theologie und hielt zuweilen Vorträge über Glauben und Literatur. Dafür unternahm sie trotz ihres anfälligen Gesundheitszustandes weite Reisen. 1958 reiste sie nach Lourdes und nach Rom, wo sie von Papst Pius XII. gesegnet wurde. Sie korrespondierte mit vielen Menschen, darunter den Schriftstellern Robert Lowell und Elizabeth Bishop. Geheiratet hat sie nie. Sie war zufrieden mit ihren Briefpartnern und dem engen Verhältnis zu ihrer Mutter.

O’Connor starb am 3. August 1964 im Alter von 39 Jahren an durch Lupus hervorgerufenen Komplikationen. Sie starb im Baldwin County Hospital in Milledgeville, wo sie auch beerdigt wurde. Ihre Mutter Regina Cline O’Connor überlebte sie um viele Jahre und starb 1995.


Literarische Merkmale↑

Ihre Erzählungen verortete O’Connor fast immer in den amerikanischen Südstaaten. Sie schrieb im Southern-Gothic-Stil, in der Art William Faulkners. Sie wählte bevorzugt regionale Schauplätze und groteske Charaktere. Dieses Etikett quittierte sie mit Ironie: „Alles was aus dem Süden kommt, wird von Lesern aus dem Norden immer grotesk genannt, es sei denn, es ist wirklich grotesk, dann wird es als realistisch bezeichnet.“ Ihre Geschichten drehen sich um moralisch fragwürdige Figuren, während die Rassenfrage sich im Hintergrund abzeichnet. Kennzeichnend ist, dass sie den Leser das kommende Geschehen recht deutlich ahnen lässt, ehe es eintritt. Jedes ihrer Werke endet verstörend und ironisch.

Als lebenslang gläubige Katholikin schöpfte sie tief aus dem Sakramentalen und aus der thomistischen Vorstellung, dass die Welt von Gott bestimmt sei. Dennoch schrieb sie keine apologetische Fiktion, wie sie in der zeitgenössischen katholischen Literatur verbreitet war. Sie war überzeugt: Ohne erhobenen Zeigefinger müsse aus dem Geschriebenen selbst deutlich werden, was der Autor sagen wollte. So entstanden ironische, raffiniert allegorische Texte über scheinbar rückständige Figuren des Südens, meist fundamentalistische Protestanten. Deren Wesen verändert sich und nähert sich dem katholischen Denken an. Diese Wandlung wird oft durch Schmerz, Gewalt und groteskes Verhalten bei der Suche nach dem Heiligen bewirkt. „Die Gnade verändert uns und diese Veränderung ist schmerzhaft“, schrieb O’Connor. Ein sardonischer Humor durchzieht ihr Werk. Er beruht häufig auf dem Missverhältnis zwischen der begrenzten Wahrnehmung ihrer Figuren und dem schrecklichen Schicksal, das sie erwartet.

Ihre beiden Romane sind Wise Blood (1952) und The Violent Bear It Away (1960). Hinzu kommen zwei Bände mit Kurzgeschichten: A Good Man Is Hard to Find and Other Stories (1955) und der erst nach ihrem Tod erschienene Band Everything That Rises Must Converge (1965). Je älter sie wurde, desto öfter behandelte sie Rassenprobleme. Den Holocaust behandelte sie in der Geschichte The Displaced Person, die Rassenintegration in Everything That Rises Must Converge. Ihre letzte Geschichte Judgement Day gibt eine stark veränderte Fassung ihrer allerersten Geschichte The Geranium. Ihre Briefe sind in der von Sally Fitzgerald herausgegebenen Auswahl The Habit of Being gesammelt. Ihre Freundin Betty Hester erhielt über zehn Jahre lang wöchentlich einen davon.


Rezeption↑

O’Connor hinterließ in ihrer kurzen Schaffenszeit kein umfangreiches Werk. Dennoch wird sie neben Katherine Anne Porter, Eudora Welty und Carson McCullers zu den bedeutenden Erzählerinnen der Südstaaten gerechnet, die in der Nachfolge Faulkners stehen. Bemerkenswert ist, dass die betont katholische Erzählerin auch bei jenen Kritikern fast ausnahmslos uneingeschränkte Anerkennung fand, die ihre theologischen oder religiösen Ansichten nicht teilten. Zu ihren Lesern gehörte auch der Schriftsteller Kenzaburō Ōe.

Ihre Wirkung reicht über das Werk hinaus. Die vollständige Sammlung ihrer Korrespondenz mit Betty Hester wurde 1987 der Emory University übergeben, mit der Auflage, sie erst nach zwanzig Jahren zu veröffentlichen. Am 12. Mai 2007 wurden die Briefe zugänglich gemacht. Zu Ehren der Schriftstellerin wird jährlich der Flannery O’Connor Award for Short Fiction für eine herausragende Sammlung von Kurzgeschichten vergeben.

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