1821 – 1878
Nikolai Nekrassow
Kurzbiografie↑
Nikolai Alexejewitsch Nekrassow gilt als einer der bedeutendsten russischen Dichter des Realismus. Er lebte von 1821 bis 1878. Bekannt wurde er vor allem durch seine Versdichtungen. Sie schilderten das Leben der russischen Bauern und der Unterdrückten eindringlich. Als langjähriger Herausgeber der Zeitschrift Sowremennik war er zugleich eine der prägenden Figuren des russischen Literaturbetriebs seiner Zeit.
Biografie↑
Nekrassow wurde am 10. Dezember 1821 (nach gregorianischem Kalender) in Nemyriv im Gouvernement Podolien geboren. Seine Kindheit verbrachte er auf dem Gutshof seiner Familie in Greshnevo, Gouvernement Jaroslawl. Dort erlebte er das harte Leben der Leibeigenen unmittelbar – eine Erfahrung, die sein gesamtes späteres Werk prägte.
Nach einem abgebrochenen Gymnasiumsbesuch versuchte er gegen den Willen seines Vaters, in Sankt Petersburg Philologie zu studieren. Aus Geldnot musste er das Studium aufgeben. Er hielt sich mit Gelegenheitsarbeiten und Zeitungsbeiträgen über Wasser. Ab 1846 erwarb er die Herausgeberschaft der literarischen Zeitschrift Sowremennik und machte sie zu einer der führenden Publikationen Russlands. Dort veröffentlichte er die frühen Werke von Leo Tolstoi, Iwan Turgenjew und Fjodor Dostojewski. Dostojewskis Debütroman Arme Leute brachte er zuerst in seinem Sammelband Peterburgski Sbornik (1846) heraus. Nach der Schließung des Sowremennik 1866 übernahm er 1868 die Redaktion der Zeitschrift Otetschestwennyje Sapiski. Diese leitete er bis zu seinem Tod.
Ab 1875 war Nekrassow schwer krank. Er starb am 8. Januar 1878 in Sankt Petersburg an Darmkrebs. Dostojewski hielt ihm in seinen Tagebüchern eines Schriftstellers einen ausführlichen Nachruf.
Literarische Merkmale↑
Nekrassow schrieb fast ausschließlich auf Russisch und ist dem Realismus zuzurechnen. Seine Dichtung unterschied sich von der romantischen Tradition seiner Vorgänger. Er wählte bewusst einfache, volksnahe Sprache. In den Mittelpunkt stellte er das Schicksal der Bauern, Witwen und Habenichtse. Sein umfangreichstes Werk ist das Versepos Wer lebt in Russland froh und frei?. Es entstand über mehr als ein Jahrzehnt und blieb bei seinem Tod unvollendet. Es schildert sieben Bauern, die durch Russland ziehen und jeden fragen, ob er glücklich sei. Eine Antwort finden sie nicht. Das Poem Russische Frauen ehrt die Frauen der Dekabristen, die ihren verbannten Männern nach Sibirien folgten. Frost, die rote Nase zeichnet das Bild einer bäuerlichen Witwe in bedrängter Lage.
Rezeption↑
In Russland gehört Nekrassow seit dem 19. Jahrhundert zum Schulkanon. Sein Versepos Wer lebt in Russland froh und frei? wird dort als eines der zentralen Werke der russischen Literatur betrachtet. Dostojewski nannte ihn nach Puschkin und Lermontow einen der größten russischen Dichter. Im deutschen Sprachraum ist er vor allem durch Übersetzungen seiner Hauptwerke bekannt.
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