1779 – 1852
Thomas Moore
Kurzbiografie↑
Thomas Moore gilt vielen als irischer Nationaldichter. Geboren 1779 in Dublin, wuchs er über dem Laden seiner Eltern auf und machte sich in London zunächst als Sänger eigener Balladen einen Namen. Berühmt wurde er mit den Irish Melodies, einem Zyklus von Liedtexten zu alten irischen Melodien, den er in zehn Bänden herausbrachte. Große Verbreitung fand auch seine orientalische Romanze Lalla Rookh, die 1817 erschien und in deutscher Übertragung ebenfalls Erfolg hatte. Mit Lord Byron eng befreundet, besaß er dessen Memoiren; nach Byrons Tod wurden sie 1824 gegen Moores Protest verbrannt, was man lange ihm anlastete. Moore starb 1852 in seinem Haus bei Bromham in der englischen Grafschaft Wiltshire.
Biografie↑
Geboren wurde Thomas Moore am 28. Mai 1779 in Dublin. Sein Vater kam aus einer katholischen, irischsprachigen Familie aus einer Gaeltacht-Region im County Kerry. Die Mutter, Anastasia Codd, stammte aus Wexford. Der Sohn wuchs über dem Laden der Eltern in der Aungier Street auf. Ab 1795 besuchte er das Trinity College in Dublin.
Anschließend studierte er Jura am Middle Temple in London. Schon während dieser Zeit fiel er als Sänger selbst verfasster Balladen auf und fand Zugang zur Londoner Gesellschaft. Seinen ersten Gedichtband veröffentlichte er 1801 unter dem Pseudonym Thomas Little. Nach dem Studium wurde er 1803 als Verwaltungsbeamter auf die Bermudas geschickt, später weiter in die USA und nach Kanada. Was er auf diesen Reisen erlebte, verarbeitete er in Epistles, Odes, and Other Poems.
Moore wollte möglichst schnell wieder nach England. Er übertrug seine Aufgaben in Übersee einem Stellvertreter und kehrte nach London zurück. Dort heiratete er 1811 die Schauspielerin Elisabeth „Bessy“ Dyke; das Paar hatte fünf Kinder. Seine Schriftstellerei brachte gute Honorare ein, doch sein teurer Geschmack und der aufwendige Lebensstil führten in Geldnot. Verschärft wurde die Lage dadurch, dass sein Stellvertreter in Übersee erhebliche Summen veruntreute, für die Moore haftbar gemacht wurde. 1819 musste er England deshalb verlassen.
Er zog nach Paris und blieb dort bis 1822, bis alle Schulden getilgt waren. In diesen Jahren gab es wiederholten Austausch mit Lord Byron, den er schon lange kannte. Byron vertraute ihm das Manuskript seiner Memoiren an; 1821 verkaufte Moore es mit Byrons Einverständnis an den Verleger John Murray. Nach Byrons Tod wurde es im Mai 1824 in Murrays Haus gegen Moores Protest zerrissen und verbrannt, auf Betreiben von Byrons Freund John Cam Hobhouse und der Vertreter der Familie. Lange schob man die Schuld daran Moore zu. Für seine Byron-Biografie, die bis 1830 erschien, griff er auch auf seine Erinnerung an die Memoiren zurück: Letters and Journals of Lord Byron, with Notices of his Life.
Zurück in England ließ sich Moore in Sloperton Cottage bei Bromham in Wiltshire nieder. Von nun an widmete er sich ganz dem Schreiben und Dichten. Es entstanden Romane, Balladen, Gedichtzyklen und Biografien, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Eine Staatsrente bewahrte ihn zeitlebens vor weiteren materiellen Sorgen.
Sein Privatleben blieb von Schicksalsschlägen nicht verschont: Alle fünf Kinder starben noch zu seinen Lebzeiten. Später erlitt Moore einen Schlaganfall, der ihm öffentliche Auftritte unmöglich machte. Bis dahin war er als Sänger seiner eigenen Balladen sehr gefragt gewesen. Er starb am 25. Februar 1852. Beigesetzt wurde er in einer Gruft der Kirche St. Nicholas in Bromham. An ihn erinnern heute eine Tafel an seinem Geburtshaus, ein Denkmal vor dem Trinity College in Dublin und ein weiteres in Meeting of the Waters.
Literarische Merkmale↑
Moores Ruf als Nationaldichter Irlands beruht vor allem auf den Irish Melodies. Um 1806 erhielt er von den Dubliner Verlegern William und James Power den Auftrag, neue Texte zu der von Edward Bunting zusammengestellten General Collection of Ancient Irish Music zu schreiben. Sir John Stevenson richtete die so entstandenen Lieder für das Klavier ein. Die Veröffentlichung der Balladen 1808 war ein sofortiger Erfolg. Moore verbreitete sie zusätzlich, indem er damit durch England und Irland reiste und sie zu seiner eigenen Klavierbegleitung vortrug. 1811 erschien bereits der vierte Band, insgesamt wurden es zehn.
Auffällig ist der Ton dieser Lieder: Sie zeigen Irland in einem harmonischen, romantischen Licht, fern aller Gewalt und politischen Auseinandersetzungen der Zeit. Genau das brachte ihm Kritik von zwei Seiten ein. Konservative Kritiker in England befürchteten, Moore könne mit seinen Texten einen Aufstand gegen die Krone anzetteln. Irische Nationalisten dagegen warfen ihm vor, er verrate die Sache Irlands durch den beschönigenden Tonfall. Zeitweise stand er so unter Druck, dass er die Arbeit an den Irish Melodies abbrechen wollte. Er setzte sie schließlich fort, verzichtete darin aber von nun an auf jede politische Anspielung.
Ein zweites Gesicht seines Werks zeigt die „orientalische Romanze“ Lalla Rookh von 1817; der Titel bedeutet auf Persisch „Tulpenwange“. Das Werk verdankt sich der damals herrschenden Orient-Schwärmerei. Es ist ein Zyklus orientalischer Märchen, die Moore frei erfunden hat und die von einer Rahmenhandlung zusammengehalten werden.
Moore arbeitete in auffallend vielen Formen. Zu seinen bekannteren Werken gehören die Satiren The Twopenny Post Bag (1813) und The Fudge Family in Paris (1818), das Versepos The Loves of the Angels (1823) und der Roman The Epicurean (1827).
Rezeption↑
Erfolg hatte Moore schon zu Lebzeiten, und zwar in beiden Ländern: Die Irish Melodies erfreuen sich bis heute in Irland und England großer Beliebtheit. Lalla Rookh wurde entsprechend der Orient-Begeisterung der Zeit begeistert aufgenommen.
Auch im deutschsprachigen Raum fand Moore ein Publikum. Friedrich de la Motte Fouqué übertrug Lalla Rookh 1822 ins Deutsche, und das Buch wurde daraufhin auch hier ein großer Erfolg. Eines der Märchen daraus vertonte Robert Schumann in seinem Oratorium Das Paradies und die Peri, das er zusammen mit seinem Jugendfreund Emil Flechsig bearbeitete; der Text wurde 1842 fertiggestellt, das Oratorium erschien 1843. Gedichte Moores wurden von zahlreichen weiteren Komponisten vertont, unter ihnen Hector Berlioz, Charles Ives und William Bolcom.
Lange belastete ihn die Verbrennung von Byrons Memoiren, obwohl er sich ihr widersetzt hatte; die heutige Forschung sieht die Verantwortung eher bei Hobhouse und dem Verleger Murray. Seine Byron-Biografie Letters and Journals of Lord Byron, with Notices of his Life gilt gleichwohl weiterhin als maßgeblich.
Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →
Aus dem Werkverzeichnis↑
Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (8 weitere Titel)