1915 – 2005
Arthur Miller
Kurzbiografie↑
Arthur Miller zählt zu den bekanntesten amerikanischen Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Geboren 1915 in New York, wurde er 1949 für Tod eines Handlungsreisenden mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Seine sozial- und zeitkritischen Stücke richten sich gegen den American Way of Life, in dem der berufliche Erfolg alles bedeutet. Immer wieder rückte Miller die ethische Verantwortung des Einzelnen in den Mittelpunkt. Für großes öffentliches Aufsehen sorgte auch seine Ehe mit der Schauspielerin Marilyn Monroe.
Biografie↑
Geboren wurde Arthur Asher Miller am 17. Oktober 1915 in New York. Die Quellen weichen bei der genaueren Ortsangabe voneinander ab: Wikidata nennt den Stadtteil Harlem, die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet allgemein New York. Die Familie war jüdisch. Sein Vater Isidore Miller (1884–1966) war Damenschneider und als Kind aus der österreichisch-ungarischen Stadt Radomyśl Wielki nach New York geschickt worden. Dort heiratete er die Lehrerin Augusta Barnett (1891–1961). Arthur hatte einen älteren Bruder, Kermit (1912–2003), und eine Schwester, Joan Maxine (1922–2022).
Nach der Insolvenz der elterlichen Schneiderei zog die Familie nach Brooklyn. Der Vater ließ den Familiennamen anglisieren, nachdem er die amerikanische Staatsbürgerschaft erworben hatte; er wollte seinen Kindern das Weiterkommen in der neuen Heimat erleichtern.
Miller besuchte die Abraham Lincoln High School und schlug sich danach mit verschiedenen Jobs durch. 1934 wurde er an der University of Michigan aufgenommen, nachdem man ihn zunächst abgelehnt hatte. Zuerst studierte er Wirtschaftswissenschaften und Geschichte. Zum Nebenverdienst arbeitete er als Nachtredakteur bei der Michigan Daily. 1936 wechselte er den Schwerpunkt zu Literatur und Drama innerhalb der Anglistik. Anlass war ein doppelter Erfolg: Für sein Stück No Villain erhielt er den Avery Hopwood Award in Drama und den Bureau-of-New-Plays-Prize. Danach wurden seine Stücke in Ann Arbor und Detroit gespielt. 1938 schloss er sein Studium mit dem Bachelor of Arts ab.
1940 heiratete Miller Mary Grace Slattery. Aus dieser Ehe stammen die Tochter Jane Ellen (geboren 1944) und der Sohn Robert A. (geboren 1947).
1949 erhielt Miller den Pulitzer-Preis für sein Drama Death of a Salesman, auf Deutsch Tod eines Handlungsreisenden. Ernste Schwierigkeiten brachten ihm die Anspielungen auf Joseph McCarthy und dessen Kommunistenjagd in dem Drama Hexenjagd. Zur belgischen Premiere des Stückes durfte er nicht reisen, weil man ihm keinen Pass ausstellte. Auch ein Filmprojekt über jugendliche Straftäter in New York wurde ihm erschwert. Im Juni 1956 weigerte er sich vor einem Untersuchungsausschuss, ihm bekannte Kommunisten zu benennen. Am 31. Mai 1957 wurde er deshalb zu einer Gefängnisstrafe, einer Geldstrafe und zum Entzug des Passes verurteilt. 1958 hob man das Urteil wieder auf.
Über den Regisseur Elia Kazan lernte Miller die Schauspielerin Marilyn Monroe kennen. Seine erste Ehe zerbrach darüber. 1956 heiratete er Monroe. Aus einer eigenen Kurzgeschichte machte er ein Drehbuch, das mit ihr in einer der Hauptrollen unter dem Titel Misfits – Nicht gesellschaftsfähig verfilmt wurde; es war Monroes letzter Film. 1960 trennte sich das Paar nach zahlreichen Streitigkeiten und Monroes unerfülltem Kinderwunsch. Ein Jahr darauf ließen sich beide in gegenseitigem Einvernehmen scheiden. Der Gerichtstermin wurde bewusst auf den 20. Januar gelegt, damit die Presse mit dem Amtsantritt von Präsident John F. Kennedy beschäftigt war. Schon während der Ehe hatte die Klatschpresse Miller nicht in Ruhe gelassen.
Ab 1962 war Miller mit der österreichischen Fotografin Inge Morath verheiratet. Aus dieser Ehe stammen die Kinder Rebecca (geboren 1962) und Daniel (geboren 1966). Morath starb 2002. Erst 2007 wurde öffentlich bekannt, dass Miller die Existenz seines Sohnes Daniel verschwiegen hatte; Daniel war mit Down-Syndrom geboren und lebte in einem Heim. Millers Tochter Rebecca ist mit dem Oscar-Preisträger Daniel Day-Lewis verheiratet.
In seinen letzten Jahren bezog Miller mehrfach Stellung gegen die Politik von George W. Bush. Er bekannte sich außerdem wiederholt zum Atheismus, zuletzt in der Interviewreihe The Atheist Tapes mit Jonathan Miller, der nicht mit ihm verwandt war. Diese Weltanschauung prägte auch sein Werk. 2003 wurde er mit dem Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft ausgezeichnet.
Vor seinem Tod nahm ihn seine Schwester, die Schauspielerin Joan Copeland, zur Hospizbetreuung in ihre New Yorker Wohnung auf. Arthur Miller starb am Abend des 10. Februar 2005 im Alter von 89 Jahren in Roxbury im US-Bundesstaat Connecticut. Medienberichten zufolge starb er an Herzversagen; er litt zudem an einer Krebserkrankung und einer Lungenentzündung.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Millers Dramen ist ihr sozial- und zeitkritischer Blick. Sie wenden sich gegen den American Way of Life, in dem beruflicher Erfolg zum Maßstab des ganzen Lebens wird. In den Vordergrund rückte Miller stattdessen immer wieder die ethische Verpflichtung des Einzelnen: Was schuldet ein Mensch seiner Familie, seinen Kollegen, seiner Gesellschaft?
Seine Stoffe holte er dabei aus der unmittelbaren Gegenwart. In Hexenjagd etwa verarbeitete er die Kommunistenverfolgung durch Joseph McCarthy in einem Stück, dessen Anspielungen Zeitgenossen sofort verstanden. Neben den Bühnenstücken arbeitete Miller auch fürs Kino; für Misfits – Nicht gesellschaftsfähig baute er eine eigene Kurzgeschichte zum Drehbuch um. Sein Bekenntnis zum Atheismus hat sein Schreiben mitgeprägt.
Rezeption↑
Als wichtiger gesellschaftskritischer Dramatiker der neueren Zeit hat sich Arthur Miller einen festen Platz im Theater des 20. Jahrhunderts erschrieben. Der Pulitzer-Preis von 1949 für Tod eines Handlungsreisenden markierte seinen Durchbruch beim großen Publikum.
Zugleich zog seine Arbeit politische Gegenwehr auf sich. Wegen der Anspielungen auf die Kommunistenjagd in Hexenjagd verweigerte man ihm einen Pass und behinderte ein Filmprojekt. Seine Weigerung, vor einem Untersuchungsausschuss Namen zu nennen, führte 1957 zu einer Verurteilung, die ein Jahr später aufgehoben wurde. Die Ehe mit Marilyn Monroe brachte ihm eine Aufmerksamkeit ein, die weit über das Literarische hinausging und ihn in die Klatschpresse trug.
Öffentliche Anerkennung erhielt Miller bis ins hohe Alter: 2003 wurde er mit dem Jerusalempreis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft ausgezeichnet. Sein Name ist in zahlreichen internationalen Nachschlagewerken und Bibliothekskatalogen verzeichnet, unter anderem als Indexeintrag in der Deutschen Biographie.
Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →
Aus dem Werkverzeichnis↑
Im Lexikon
Weitere Werke (Auswahl)
Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (29 weitere Titel)