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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Mehmed Meša Selimović
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Porträt Mehmed Meša Selimović
Mehmed Meša Selimović
1910 – 1982
– Autorenporträt –

Mehmed Meša Selimović

1910 – 1982 · 72 Jahre

Jugoslawischer Erzähler, dessen Roman „Der Derwisch und der Tod“ im osmanischen Bosnien des 17. Jahrhunderts spielt – mehrfach für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen.

Kurzbiografie↑

Zu den bekannten Stimmen der jugoslawischen Literatur des 20. Jahrhunderts zählt Mehmed Meša Selimović. Er wurde am 26. April 1910 in Tuzla geboren und starb am 11. Juli 1982 in Belgrad. Bekannt wurde er vor allem als Erzähler, arbeitete daneben aber auch für Theater und Film. Sein Roman Der Derwisch und der Tod spielt im Bosnien des 17. Jahrhunderts, zur Zeit der osmanischen Herrschaft. Für den Literaturnobelpreis wurde Selimović mehrfach vorgeschlagen, erhielt ihn jedoch nie.


Biografie↑

Geboren wurde Selimović 1910 in Tuzla. In seiner Geburtsstadt besuchte er das Gymnasium und schrieb sich anschließend an der Philosophischen Fakultät ein. Seinen Abschluss machte er dort 1934. Danach arbeitete er bis 1941 an Schulen in Tuzla, wo er auch die ersten beiden Jahre des Zweiten Weltkriegs erlebte.

Im Mai 1943 floh er in befreites Gebiet und schloss sich dort den Partisanen an. Ab 1947 lebte er in Sarajevo. Dort war er in mehreren Funktionen tätig: als Professor an der Pädagogischen Fakultät, als künstlerischer Leiter von Bosna-Film, als Direktor der Drama-Abteilung am Nationaltheater Sarajevo und als Redakteur beim Verlag Svjetlost.

Seine Ethnizität führte, besonders seit dem Zerfall Jugoslawiens, immer wieder zu Kontroversen. Wenngleich er in Bosnien und Herzegowina als Kind einer muslimischen Familie zur Welt kam, betonte er zu verschiedenen Gelegenheiten, dass er Serbe sei. In seinen Memoiren Sjećanja schreibt er, dass er die Wurzeln seiner Familie bis zur serbisch-orthodoxen Drobnjaci-Sippe in der östlichen Herzegowina zurückverfolgen konnte.

Sein erzählerisches Werk setzte 1951 mit der Erzählung Prva četa ein. Es folgten 1961 der Roman Tišine und 1962 Tuđa zemlja. 1966 erschien sein bekanntester Roman Derviš i smrt, auf Deutsch Der Derwisch und der Tod. 1970 kam Tvrđava heraus, das 1977 in der Übersetzung von Barbara Antkowiak beim Verlag Volk und Welt in Berlin als Die Festung erschien. Seine Autobiografie Sjećanja wurde 1976 in Belgrad und Sarajevo veröffentlicht. Krug blieb unvollendet und erschien erst 1983, nach seinem Tod. Für den Literaturnobelpreis wurde Selimović mehrfach vorgeschlagen, ausgezeichnet wurde er damit nicht.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für seinen bekanntesten Roman Der Derwisch und der Tod ist die Erzählweise aus einer einzigen Perspektive. Im Mittelpunkt steht der Scheich Ahmed Nurudin, aus dessen Sicht die Handlung erzählt wird. Selimović siedelt sie im Bosnien des 17. Jahrhunderts an, das zu dieser Zeit eine westliche Provinz des Osmanischen Reiches ist.


Rezeption↑

Als Autor wurde Selimović mehrfach für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen, erhielt ihn jedoch nie. Sein Werk gehört zu den viel beachteten Zeugnissen der bosnischen Literatur; Miranda Jakiša behandelt ihn in ihrer Studie Bosnientexte (2009) gemeinsam mit Ivo Andrić und Dževad Karahasan. Bis in die Gegenwart wird sein Werk gelesen und übersetzt. Zugleich blieb die Frage seiner ethnischen Zugehörigkeit, die er selbst als serbisch bezeichnete, besonders seit dem Zerfall Jugoslawiens ein Gegenstand anhaltender Auseinandersetzungen.

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Aus dem Werkverzeichnis↑

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