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Autoreneintrag · Katherine Mansfield
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Porträt Katherine Mansfield
Katherine Mansfield
1888 – 1923
– Autorenporträt –

Katherine Mansfield

1888 – 1923 · 34 Jahre

Die neuseeländisch-britische Schriftstellerin Katherine Mansfield hinterließ nur ein schmales Werk aus kurzen Erzählungen, bevor sie mit 34 Jahren an Tuberkulose starb – dennoch zählt sie zu den Wegbereiterinnen der modernen englischsprachigen Kurzgeschichte.

Kurzbiografie↑

Wenige Bücher, große Wirkung – das kennzeichnet das Werk der neuseeländisch-britischen Schriftstellerin Katherine Mansfield. Geboren 1888 in Wellington, verbrachte sie einen großen Teil ihres kurzen Lebens in Europa und starb bereits mit 34 Jahren an Tuberkulose. Neben rund 73 meist kurzen Erzählungen hinterließ sie zahlreiche Briefe und Notizen. Obwohl ihr Werk schmal blieb, war und ist die Resonanz darauf auffallend breit. Sie zählt zu den wichtigen Wegbereiterinnen der modernen englischsprachigen Kurzgeschichte.


Biografie↑

Kathleen Mansfield Beauchamp, so ihr Geburtsname, kam am 14. Oktober 1888 in Wellington als Tochter eines Bankiers zur Welt. Ihre frühe Kindheit verbrachte sie in der kleinen Ortschaft Karori, einige Kilometer von Wellington entfernt. Dort besuchte sie die Wellington Girls' High School und wirkte an der Schülerzeitung mit. Als sie elf Jahre alt war, zogen ihre Eltern in die Stadt.

Im Jahr 1903 verließ sie Neuseeland, um für drei Jahre das Queen's College in London zu besuchen. Diese Einrichtung war von Charles Kingsley eigens für die Bildung und Erziehung von Frauen gegründet worden. Nach einer zweijährigen Rückkehr nach Neuseeland verbrachte Mansfield ab 1908 den Rest ihres Lebens in Europa. Mit finanzieller Unterstützung ihres Vaters studierte sie Musik und Literatur. Vor allem die französische und die deutsche Sprache interessierten sie. Sie schrieb ihre ersten Texte und freundete sich in der Londoner Literaturszene mit D. H. Lawrence und Virginia Woolf an.

In dieser Zeit wurde sie von Garnet Trowell schwanger, einem Freund der Familie aus Neuseeland. Ein Eheversuch mit ihrem erheblich älteren Gesangslehrer George Bowden scheiterte noch in der Hochzeitsnacht; sie verließ ihn. Im selben Jahr 1909 reiste sie auf Anraten ihrer Mutter nach Bad Wörishofen. Dort sollte die Deutsch sprechende Mansfield unbemerkt leben und ebenso unauffällig entbinden. Als sie ihren Koffer auf einen Schrank heben wollte, erlitt sie jedoch eine Fehlgeburt.

Zurück in England fand Mansfield bei verschiedenen Verlagshäusern Aufmerksamkeit. Im Zusammenhang mit ihrer ersten Buchpublikation In a German Pension (1911) legte sie ihren bisherigen Namen Kathleen Beauchamp ab und nannte sich fortan Katherine Mansfield. Im Sommer 1914 fungierte sie mit ihrem neuen Gefährten John Middleton Murry, einem Literaturkritiker und Essayisten, als Trauzeugin bei der Heirat Lawrences mit Frieda Weekley. 1915 fiel ihr Bruder Leslie in Frankreich als Soldat des Ersten Weltkriegs, was sie sehr mitnahm.

Im Jahr 1917 wurde bei Mansfield Tuberkulose diagnostiziert. 1918 heiratete sie Murry. Im selben Jahr zeigten sich erstmals gravierende Symptome ihrer Krankheit; der starke Husten verließ sie nicht mehr. Nach der Veröffentlichung ihrer Kurzgeschichtensammlung The Garden Party and other short stories im Februar 1922 reiste sie im Oktober nach Fontainebleau bei Paris. Dort versprach sie sich im Institut für die harmonische Entwicklung des Menschen des Mystikers Georges I. Gurdjieff Heilung von ihrem Lungenleiden. Kurz nach der Ankunft ihres Ehemannes starb Katherine Mansfield jedoch am 9. Januar 1923 nach einer schweren Lungenblutung an Tuberkulose. In der Forschung uneinheitlich angegeben ist der Sterbeort: Die Deutsche Biographie nennt Fontainebleau, Wikidata dagegen Avon. Beide Orte liegen dicht beieinander, denn bestattet wurde sie am folgenden Tag auf dem Friedhof zu Avon bei Fontainebleau. In Fontainebleau ist eine Straße nach ihr benannt, in ihrem Geburtshaus in Wellington wurde ein Katherine-Mansfield-Museum eingerichtet.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Mansfields Prosa ist eine dichte, anspielungs- und symbolreiche Erzählweise. Ihre Kurzgeschichten gelten als ausgesprochen handlungsarm: Das Atmosphärische hat Vorrang vor der eigentlichen Fabel, die Impression vor dem Ereignis. Häufig handelt es sich eher um Charakterstudien als um durcherzählte Geschichten. Statt eines linearen Handlungsverlaufs verknüpft sie Episoden leitmotivisch und assoziativ – eine Technik, die an filmische Montage erinnert.

Ihre Erzählungen werden als poetische Prosa beschrieben, die den Blick auf vermeintlich Unwichtiges lenkt und Sinneseindrücke präzise beschreibt. Anhand von Augenblicksimpressionen vermitteln sie mit großer Einfühlungskraft, teils aber auch mit bitterer Schärfe, Einblicke in das alltägliche Leben. Ihre charakteristische Form des Erzählens gilt als schwer einzuordnen; in der Literaturkritik wird ihr Werk wahlweise als impressionistisch, post-impressionistisch oder symbolisch bezeichnet. Meyers Lexikon bescheinigte ihrer Prosa bereits 1927 eine „an Tschechow erinnernde Schlichtheit, Wahrheit und Innerlichkeit“. Diese Parallele zum russischen Erzähler zieht auch Kindlers Neues Literaturlexikon.


Rezeption↑

Auffallend breit war die Resonanz auf ihr schmales Werk schon zu Lebzeiten und ist es bis heute. Die Brockhaus Enzyklopädie hebt ihre meisterhaften, sorgfältig strukturierten Erzählungen hervor, die stark von persönlichen schicksalshaften Erlebnissen bestimmt seien – von der gescheiterten ersten Ehe über den Verlust ihres Kindes und den Tod des Bruders bis zum eigenen unheilbaren Lungenleiden. Gemeinsam mit D. H. Lawrence und Virginia Woolf zählt sie danach zu den bedeutenden Vertretern der modernen angelsächsischen Erzählliteratur.

Als Virginia Woolf von Mansfields Tod erfuhr, notierte sie in ihrem Tagebuch, sie sei auf deren Begabung eifersüchtig gewesen; außer auf ihre Prosa sei sie auf keine weitere je eifersüchtig gewesen. D. H. Lawrence wiederum zeigte sich von Leben und Werk Mansfields beeindruckt; die ambivalenten Gefühle, die sie in ihm auslöste, schlugen sich unter anderem in der Figur der Gudrun in seinem 1920 erschienenen Roman Women in Love nieder.

Kindlers Neues Literaturlexikon zählt Mansfield zu den Wegbereiterinnen der modernen englischen Kurzgeschichte. Auch das Metzler Lexikon Englischsprachiger Autorinnen und Autoren betont ihren wesentlichen Beitrag zur avantgardistischen europäischen Moderne: Sie habe entscheidende Impulse für die Weiterentwicklung der Kurzgeschichte als Gattung geliefert. In der feministischen Literaturkritik gilt sie als Bahnbrecherin weiblicher Literatur, die die Kluft zwischen den Geschlechtern in Leitmotiven und Symbolen gestaltete, die Geschlechterrollen subtil kritisierte und in ihren Frauenporträts die Ängste ihrer weiblichen Figuren offenlegte.

Trotz ihres schriftstellerischen Erfolgs blieb Mansfield in den zeitgenössischen englischen Künstlerkreisen eher eine Außenseiterin und wurde aufgrund ihrer kolonialen Herkunft nie völlig anerkannt. Erst in den letzten Jahren rückte ihre besondere Stellung zwischen den Kulturen ins Blickfeld und regte besonders neuseeländische Autoren zu einer kreativen Auseinandersetzung mit ihrem Leben und Werk an.

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Aus dem Werkverzeichnis↑

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