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Porträt Gerard Manley Hopkins
Gerard Manley Hopkins
1844 – 1889
– Autorenporträt –

Gerard Manley Hopkins

1844 – 1889 · 44 Jahre

Britischer Lyriker und Jesuit, der zu Lebzeiten kein Gedicht veröffentlichte – bekannt wurde er erst nach seinem Tod für eine eigenwillige, unregelmäßige Versform, die er selbst „Sprungrhythmus“ nannte.

Kurzbiografie↑

Gerard Manley Hopkins wurde 1844 in London geboren und starb 1889 in Dublin. Er war britischer Lyriker und Jesuit. Zu Lebzeiten veröffentlichte er kein einziges seiner Gedichte; erst 1918 erschien eine Sammlung, die sein Freund Robert Bridges besorgte. Bewundert werden seine Verse vor allem wegen der Lebendigkeit ihres Ausdrucks und wegen einer eigenwilligen Neuerung im Versbau, die er Sprungrhythmus nannte. Heute zählt er zu den am meisten bewunderten Dichtern Großbritanniens.


Biografie↑

Geboren wurde Hopkins am 28. Juli 1844 in Stratford bei London. Sein Vater war Versicherungsvertreter, die Vorfahren der Familie stammten aus Wales. Er besuchte die Highgate School und studierte anschließend am Balliol College der University of Oxford.

In Oxford schloss er sich der Oxford-Bewegung an und wurde ein Anhänger Edward Bouverie Puseys. Dort begann auch seine Freundschaft mit Robert Bridges. Diese Freundschaft sollte für seine Entwicklung als Dichter große Bedeutung haben. 1866 konvertierte Hopkins zur römisch-katholischen Kirche und folgte damit dem Beispiel Newmans.

Theologie studierte er am St. Beuno's College in Tremeirchion in Nordwales. 1868 trat er in den Jesuitenorden ein. Sieben Jahre lang verzichtete er danach darauf zu dichten. 1882 wurde er Lehrer am Mount St. Mary's College in Sheffield und am Stoneyhurst College in Lancashire. Später erhielt er als Priester eine Professur für klassische Philologie am University College Dublin.

Zeit seines Lebens brachte Hopkins keines seiner Gedichte in den Druck. Erst die Bemühungen seines Freundes Bridges führten dazu, dass die gesammelten Gedichte 1918 erschienen. Darunter waren The Wreck of the Deutschland, geschrieben 1876 und bezogen auf den Untergang des Schiffes Deutschland, ferner The Windhover und Pied Beauty.

Hopkins starb am 8. Juni 1889 in Dublin an Typhus.


Literarische Merkmale↑

Zentrale Themen bei Hopkins sind Natur und Religion, Gott und Mensch. Seine Dichtung stützt sich gedanklich auf zwei eigene Begriffe: inscape (Ingestalt) und instress (Inkraft). Damit wollte er ausdrücken, dass alles in Gottes Schöpfung eine eigene Formkraft besitzt und darum jeden Betrachter in seinen Bann ziehen kann.

Auffällig sind seine originellen Wortschöpfungen und seine oft dunklen Metaphern. Er bricht bewusst mit den Regeln von Satzbau und Wortbedeutung. Am stärksten prägt seine Verse jedoch der Sprungrhythmus.

Die englische Lyrik vor Hopkins beruhte auf regelmäßig wiederkehrenden Gruppen von zwei oder drei Silben, wobei die betonte Silbe stets an derselben Stelle stand. Hopkins nannte dieses gleichmäßige Versmaß den laufenden Rhythmus. Er schrieb zunächst selbst einige Verse in dieser Form. Später zog ihn die ältere rhythmische Struktur der angelsächsischen Dichtung an, deren bekanntestes Beispiel der Beowulf ist. Im Sprungrhythmus hat ein Versfuß eine wechselnde Zahl von Silben, meist eine bis vier, und die Betonung fällt immer auf die erste Silbe des Versfußes. Für Hopkins war das der Weg, der Gleichförmigkeit des laufenden Rhythmus zu entkommen: In ihm geschriebene Dichtung musste seines Erachtens „lahm und zahm“ ausfallen.


Rezeption↑

Zu Lebzeiten blieb Hopkins als Dichter ohne Publikum, weil er nichts veröffentlichte. Die Ausgabe von 1918, die Robert Bridges durchsetzte, machte sein Werk überhaupt erst zugänglich. Heute gehört er zu den am meisten bewunderten Dichtern Großbritanniens.

Seine historische Bedeutung beruht in hohem Maß auf seinen Neuerungen in der poetischen Form. Viele zeitgenössische Dichter folgten seinem Vorbild. Die meisten übernahmen allerdings nicht den Sprungrhythmus, sondern gaben traditionelle rhythmische Strukturen überhaupt zugunsten des freien Verses auf.

Im deutschen Sprachraum liegen mehrere zweisprachige Ausgaben vor. Dorothea Grünzweig übertrug und kommentierte den Band Geliebtes Kind der Sprache, der 2009 in der Edition Rugerup erschien. Im selben Jahr kam Auf dem Rückflug zur Erde heraus, eine Einführung in seine poetische Welt als Hörbuch. Eine ältere zweisprachige Reclam-Ausgabe mit Übersetzungen von Ursula Clemen und Friedhelm Kemp ist vergriffen. Die Forschung hat sich früh mit ihm befasst: Tagebücher und Papiere gaben Humphrey House und Graham Storey 1959 heraus, eine umfassende Bibliographie legte Tom Dunne 1969 vor.

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