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Horaz
Kurzporträt↑
Quintus Horatius Flaccus, bekannt als Horaz, zählt zu den bedeutendsten römischen Dichtern der augusteischen Zeit. Neben ihm stehen Vergil, Properz, Tibull und Ovid. Geboren wurde er am 8. Dezember 65 v. Chr. im süditalischen Venusia. Gestorben ist er am 27. November 8 v. Chr. in Rom. Aus einfachen Verhältnissen aufgestiegen, fand er Aufnahme im Kreis des einflussreichen Kunstförderers Maecenas. So wurde er vom Sohn eines Freigelassenen zu einem der angesehensten Dichter seiner Epoche. Seine philosophischen Ansichten und seine geflügelten Worte gehörten bis in die Neuzeit zu den bekanntesten des Altertums. Im Humanismus und Klassizismus wurden sie reich aufgenommen.
Biografie↑
Über das Leben des Horaz ist verhältnismäßig viel bekannt. Der Grund liegt vor allem darin, dass er in seinen Gedichten immer wieder von sich selbst erzählte. Diese Selbstaussagen sind die Hauptquelle seiner Lebensgeschichte. Hinzu kommt die spätere Lebensbeschreibung in der Vita Suetons aus dem zweiten Jahrhundert. Geboren wurde er am 8. Dezember 65 v. Chr. in Venusia, einer Stadt an der Grenze der italischen Provinzen Lukanien und Apulien. Sein genaues Geburts- und Sterbedatum wird in den Quellen leicht unterschiedlich überliefert. Wikipedia und die geprüften Normdaten weisen jedoch übereinstimmend auf den 8. Dezember 65 v. Chr. und den 27. November 8 v. Chr. hin.
Sein Vater, den Horaz als Freigelassenen (libertinus) bezeichnet, arbeitete als Versteigerungsagent (coactor exactionum). Er besaß ein kleines, selbst erarbeitetes Landgut. Ob die Herkunft aus dem Sklavenstand der Wahrheit entspricht, wird in der Forschung unterschiedlich gesehen. Gordon Williams hielt die Darstellung für eine bewusste Stilisierung des Dichters als Aufsteiger. Er nahm an, der Vater sei in Wirklichkeit italischer Herkunft gewesen und in Gefangenschaft geraten. Neuere Darstellungen widersprechen Williams teilweise. Strittig ist auch, ob der Vater wohlhabend war. Horaz selbst schildert dessen Leben als „arm“ (pauper). Damit ist weniger echte Armut gemeint als ein genügsames, selbstständiges Landleben. Genug Geld muss er besessen haben, um seinem Sohn eine literarische und philosophische Ausbildung zu finanzieren. Die Mutter erwähnt Horaz in seinen Gedichten nie.
Etwa von 53 bis 49 v. Chr. schickte ihn der Vater zum Literatur- und Grammatikstudium nach Rom, in die angesehene Rednerschule des Lucius Orbilius Pupillus. An ihn behielt Horaz später die Erinnerung als „schlagfreudig“ und als „wütenden Lehrmeister“. Anschließend ging er nach Athen, um griechische Philosophie und Literatur zu studieren. Dort beschäftigte er sich mit altgriechischer Lyrik und hörte Vorträge von Epikureern, Peripatetikern und Stoikern. Im Jahr 44 v. Chr., nach der Ermordung Caesars, warb Marcus Iunius Brutus in Athen römische Studenten für die republikanische Armee an. Horaz schloss sich an und stieg rasch zum Militärtribun einer Legion auf. Im Herbst 42 v. Chr. unterlag das Heer des Brutus in der Schlacht bei Philippi den Truppen Octavians. Als Parteigänger der Caesarmörder verlor Horaz das väterliche Landgut durch Konfiskation und musste seine Karrierehoffnungen aufgeben. Gerade dieser Verlust seiner öffentlichen Stellung trieb ihn zur Dichtkunst.
Materiell stand er dabei keineswegs schlecht da. Nach seiner Rehabilitation durch Octavian kaufte er sich in das gut bezahlte Amt eines Quästurschreibers ein. Im Jahr 38 v. Chr. wurden die Dichter Vergil und Lucius Varius Rufus auf ihn aufmerksam. Sie stellten ihn dem adligen Gönner und Kunstliebhaber Gaius Maecenas vor. Maecenas wählte Dichter nach ihrem Talent aus, unterstützte sie finanziell und förderte den künstlerischen Austausch in privatem Kreis. Nach neun Monaten Bedenkzeit nahm er Horaz in seinen Dichterkreis auf. Fortan begleitete Horaz seinen Gönner auf Reisen, etwa 37 v. Chr. nach Brindisi und 36 v. Chr. in den Sizilienkrieg. Dabei wäre er fast bei einem Schiffbruch ums Leben gekommen. Mitte der 30er Jahre schenkte Maecenas ihm ein Landgut in den Sabiner Bergen, das sogenannte Sabinum. Für Horaz wurde es zum Inbegriff der literarischen und philosophischen Muße (otium). Seine Verachtung für die Hektik der Stadt Rom wuchs zugleich. In der Fabel von der Landmaus und der Stadtmaus stellte er beide Lebensweisen einander gegenüber.
Nach 35 v. Chr. erschien sein erstes Satirenbuch, danach die Iamben (Epoden) und das zweite Satirenbuch. Schließlich folgten, sieben Jahre nach den Epoden, die drei Bücher der Oden, in denen er griechische Versmaße ins Lateinische übertrug. Um 23 v. Chr. hatte er die Oden abgeschlossen. Ab 20 v. Chr. wandte er sich den Versepisteln zu und erwog dabei, das innovative Dichten von Lyrik aufzugeben. Mit der Zeit ging das Förderverhältnis von Maecenas auf Augustus selbst über. Der Kaiser beauftragte Horaz 17 v. Chr., das Festlied (carmen saeculare) für die ludi saeculares zu schreiben. Horaz widmete Augustus das zweite Briefbuch und den sogenannten Pisonenbrief, die Ars poetica. In welchem Maß er dabei zum politischen Sprachrohr der Herrschenden wurde, bleibt in der Forschung umstritten. Über sein Liebesleben ist wenig Gesichertes bekannt. Er blieb Junggeselle. Sich selbst beschrieb er als dick, wohlgenährt, von kurzer Statur und früh ergraut. Sein Beiname Flaccus bedeutet „Schlappohr“. Im Jahr 8 v. Chr. starb zunächst Maecenas und noch im selben Jahr, am 27. November, auch Horaz. Beide wurden auf dem Esquilin bestattet.
Literarische Merkmale↑
Seine künstlerische Entwicklung lässt sich in drei Stufen gliedern. Die erste ist das temperamentvolle und angriffslustige Frühwerk mit den Satiren und Epoden (42 bis etwa 30 v. Chr.). Die zweite ist die klassische Reife mit den Oden I–III und den ersten Episteln (etwa 31 bis Ende der 20er Jahre). Die dritte ist die Abgeklärtheit des Spätwerks mit dem Carmen saeculare, den Oden IV und den zweiten Episteln. Allerdings überlagern sich die Entstehungszeiten der Werke häufig, sodass die Charakterisierungen nur zur Orientierung dienen.
In den beiden Büchern der Satiren, die Horaz selbst Sermones (Gespräche) nannte, spricht er mit Maecenas, mit dem Leser und mit sich selbst. Sein Ziel war, dem Leser mit Humor unangenehme Wahrheiten zu sagen. Sein Kunstprinzip lautete „Vielfalt in der Beschränktheit“. Zentrales Thema ist die rechte Lebensgestaltung. Die Gedichte geißeln Laster wie Habgier, Ehebruch, Aberglaube oder Schlemmerei. Sein Vorbild war der römische Satiriker Lucilius, der hochgestellte Zeitgenossen schonungslos anprangerte. Horaz dagegen musste sich zurückhalten und beschränkte seine Angriffe auf Verstorbene, einflusslose Leute und stadtbekannte Außenseiter. Nicht selten stellte er auch sich selbst und seine eigenen Schwächen dar.
Die siebzehn Epoden, um 30 v. Chr. herausgegeben, übernahmen das jambische Versmaß des griechischen Dichters Archilochos. Dieser hatte seine Form für extrem angriffslustige, persönlich verletzende Gedichte genutzt. Im augusteischen Rom war eine solche Dichtung nicht denkbar. Deshalb nannte Horaz selten konkrete Namen und nutzte meist Decknamen. Seine persönliche Note war die Selbstironie in den Schmähgedichten und eine häufige Pointiertheit. So lobt er in der zweiten Epode über viele Verse hinweg das sittsame Landleben und löst erst am Ende auf, dass ein Wucherer dieses Lob ausspricht. Über die Epoden entwickelte sich Horaz allmählich zur Lyrik der Oden hin. Dabei nahm er zunehmend Themen wie Wein und Liebe auf, die der angriffslustigen Iambendichtung ursprünglich fremd waren.
Rezeption↑
Schon zu Lebzeiten stieg Horaz vom „vulgären Satirendichter“ zum bedeutenden Staatsdichter auf. So empfand er es selbst, nachdem Augustus ihn mit dem Festlied für die ludi saeculares betraut hatte. Seine philosophischen Ansichten und seine geflügelten Worte (dicta) gehörten bis in die Neuzeit zu den bekanntesten des Altertums. Im Humanismus und Klassizismus erfuhren sie reiche Aufnahme. Horaz führte die klassische Literatur seiner Zeit zu neuer Höhe. Besonders für den englischen Klassizismus war er eines der wichtigsten antiken Vorbilder. Bereits in der Spätantike bemühte sich der Horazkommentator Porphyrio darum, die Personen hinter seinen Gedichten zu deuten. Seine Figuren regten die Fantasie nachfolgender Generationen immer wieder an, etwa die Hexe Canidia aus den Epoden.
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