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Porträt Maurice Maeterlinck
Maurice Maeterlinck
1862 – 1949
– Autorenporträt –

Maurice Maeterlinck

1862 – 1949 · 86 Jahre

Belgischer Dichter des Symbolismus, dessen Dramen den Menschen der Ohnmacht vor dem Tod aussetzen – 1911 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.

Kurzporträt

Als einer der wichtigsten Vertreter des Symbolismus schrieb Maurice Maeterlinck (1862–1949) auf Französisch, obwohl er aus Gent stammte. Seine lyrischen Werke und Bühnenstücke stellen oft den Menschen in seiner Hilflosigkeit gegenüber dem Tod in den Mittelpunkt. Sein bekanntestes Drama ist Pelléas et Mélisande. Neben den Theaterstücken verfasste er auch naturkundlich-philosophische Schriften, darunter Das Leben der Bienen. Im Jahr 1911 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.


Biografie

Geboren wurde Maurice Polydore Marie Bernard Maeterlinck am 29. August 1862 in Gent als ältester Sohn wohlhabender, französischsprachiger Eltern. Er hatte zwei Brüder, Ernest und Oskar. Ab 1874 besuchte er das Jesuitenkolleg Sainte-Barbe in Gent. 1881 schrieb er sich an der Juristischen Fakultät der Universität Gent ein. Während seines Studiums verfasste er Gedichte und kurze Erzählungen, die er später vernichtete; nur Fragmente sind erhalten.

Nach dem Ende seines Jurastudiums 1885 lebte er einige Monate in Paris. Dort lernte er Mitglieder der neuen literarischen Bewegung des Symbolismus kennen, darunter Stéphane Mallarmé und Auguste de Villiers de L'Isle-Adam. Von 1886 bis 1889 arbeitete er als Anwalt in Gent und veröffentlichte nebenher Gedichte.

Der literarische Durchbruch gelang ihm mit seinem ersten Schauspiel La Princesse Maleine. Es erschien 1889 in Fortsetzungen in der Brüsseler Zeitschrift „La Société Nouvelle“ und 1890 als Buch. Die Kritik nahm das Werk euphorisch auf und stellte den Autor in eine Reihe mit Shakespeare. Seine Dramen zeichnen sich durch die von den Symbolisten geforderte Entindividualisierung aus. Zugleich reduzierte er die äußere Handlung zugunsten moralischer und metaphysischer Fragen.

Den Tod seines jüngsten Bruders, der im Mai 1891 nach einem Unfall starb, verarbeitete Maeterlinck in dem Essay Les Avertis. Dieser wurde später in den Essayband Le Trésor des Humbles aufgenommen. Sein bekanntestes Drama entstand 1892: Das Märchendrama Pelléas et Mélisande wurde im Mai 1893 im Théâtre des Bouffes-Parisiens erstaufgeführt und 1899 im Neuen Theater in Berlin gezeigt. Das Stück wurde mehrfach vertont, unter anderem 1902 als Oper von Claude Debussy.

1894 veröffentlichte Maeterlinck drei Marionettentheaterstücke. Marionetten hielt er für besonders geeignet, die Schicksalsgebundenheit des Lebens und die Schwäche des Menschen darzustellen. Damit bewegte er sich im Geiste Schopenhauers, dessen Die Welt als Wille und Vorstellung er mehrfach gelesen hatte.

1895 lernte er in Brüssel die Schauspielerin und Sängerin Georgette Leblanc kennen, mit der er bis 1918 verbunden blieb. 1896 zog er nach Paris, seiner Partnerin zuliebe, aber auch wegen des Streits um die Entwicklung der modernen Literatur in Belgien. 1907 nahm das Paar seinen Sommer-Wohnsitz in der ehemaligen Benediktinerabtei Saint-Wandrille in der Normandie. Die Winter verbrachte es in einer Villa bei Grasse in der Nähe von Cannes.

Die Jahre zwischen 1897 und 1911 zählten zu den erfolgreichsten seines Lebens. In dem Band La Sagesse et la Destinée von 1898 bestimmte er seine Rolle als Dichter: Er verstand sich als Interpret des Lebens, der eine Deutung des Daseins gibt. Zu seinen philosophischen Schriften gehört auch Das Leben der Bienen. Diese naturwissenschaftlich-philosophische Würdigung verfasste er 1901 nach jahrzehntelanger Beobachtung seiner Bienenstöcke.

Mit dem Schauspiel Monna Vanna von 1902 erreichte er endgültig ein breites Publikum. Bis 1914 gab es allein in Berlin 250 Aufführungen. Ein großer internationaler Theatererfolg gelang ihm mit dem Märchendrama Der blaue Vogel, das 1905 geschrieben wurde und den Traum zweier Kinder zum Thema hat. Es wurde unter anderem 1909 in Moskau durch Stanislawski, 1910 in London und New York sowie 1912 unter Max Reinhardt in Berlin aufgeführt. Seine naturwissenschaftlich-philosophischen Betrachtungen setzte er 1904 mit Le Double Jardin und 1907 mit L'Intelligence des Fleurs fort.

Als Maeterlinck 1911 den Nobelpreis für Literatur erhielt, war er einer der meistaufgeführten Dramatiker seiner Zeit. Rainer Maria Rilke, Anton Tschechow und Oscar Wilde gehörten zu den Bewunderern seiner symbolistischen Theaterstücke.

Während des Ersten Weltkriegs zog er sich nach Nizza zurück. Angesichts des Krieges gegen sein Heimatland Belgien und gegen Frankreich wollte er der Fremdenlegion beitreten, was ihm mit 52 Jahren verwehrt blieb. In Artikeln und Reden verdammte er nun die zuvor von ihm bewunderten Deutschen. 1917 zog er sich zurück und schrieb unter dem Eindruck des Krieges das Propagandadrama Le Bourgmestre de Stilmonde, das 1919 veröffentlicht wurde. Im selben Jahr heiratete er die französische Schauspielerin Renée Dahon. 1920 erhielt er den belgischen Leopoldsorden.

1921 erschien seine Studie über Okkultismus und esoterische Lehren, Le grand secret. Am 27. September 1922 wurde sein Drama Prinzessin Maleine in den West-Kammerspielen in Berlin-Schöneberg uraufgeführt. Fünf Jahre lang schrieb er danach kein neues Werk. 1925 kaufte er das Château de Médan im Tal der Seine. 1923 war er mit seiner Frau nach Italien gereist, auf dessen faschistische Bewegung er große Hoffnungen setzte, nachdem er 1913 noch mit sozialistischen Ideen geliebäugelt hatte.

Zwischen 1927 und 1942 veröffentlichte er zwölf Essaybände über Insektenkunde, aber auch zur Mystik und zur außersinnlichen Wahrnehmung. Sein Werk La Vie des Termites von 1927 ist ein Plagiat des Buches The Soul of the White Ant des südafrikanischen Biologen und Dichters Eugène Marais. Es folgten 1930 La vie des fourmis und 1933 ein Werk über Spinnen. 1930 erwarb er ein Schloss in Nizza, dem er den Namen Orlamonde gab. 1932 wurde er vom belgischen König Albert I. geadelt und zum Grafen ernannt.

1939 reiste er vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach Portugal, mit dessen Diktator António de Oliveira Salazar er befreundet war. Von dort emigrierte er 1940 mit seiner Frau und seinen Schwiegereltern nach New York City, in dessen Umgebung er bis 1947 lebte. Maurice Maeterlinck starb am 6. Mai 1949 in Nizza.


Literarische Merkmale

Charakteristisch für Maeterlincks Bühnenwerke ist die von den Symbolisten geforderte Entindividualisierung der Figuren. Die äußere Handlung tritt zurück, an ihre Stelle rücken moralische und metaphysische Fragen. Im Mittelpunkt steht oft der Mensch in seiner Hilflosigkeit gegenüber dem Tod.

Sein Denken war von Schopenhauer geprägt, dessen Hauptwerk er mehrfach gelesen hatte. Diese Nähe zeigt sich besonders in den drei Marionettentheaterstücken von 1894: Maeterlinck hielt Marionetten für geeigneter, die Schicksalsgebundenheit des Lebens und die Schwäche des Menschen darzustellen. Als Dichter verstand er sich als Interpret des Lebens, der eine Deutung des Daseins gibt, in der das Wahre, Gute und Schöne herrschen soll. Dessen wird sich der Mensch nach seiner Auffassung aber erst in Grenzsituationen bewusst.

Neben dem Drama pflegte er eine zweite Linie: die naturwissenschaftlich-philosophische Betrachtung. In Werken über Bienen, Termiten und Ameisen verband er jahrelange Beobachtung mit philosophischer Deutung.


Rezeption

Bereits mit seinem ersten Schauspiel La Princesse Maleine wurde Maeterlinck 1890 von der Kritik euphorisch aufgenommen und in eine Reihe mit Shakespeare gestellt. Zur Zeit seines Nobelpreises 1911 zählte er zu den meistaufgeführten Dramatikern. Rainer Maria Rilke, Anton Tschechow und Oscar Wilde gehörten zu den Bewunderern seiner symbolistischen Theaterstücke.

Seine Wirkung reichte weit in die Musik hinein. Pelléas et Mélisande wurde mehrfach vertont, unter anderem 1902 als Oper von Claude Debussy. Weitere Bearbeitungen des Stoffes stammen von Arnold Schönberg und Jean Sibelius, beide 1905. Ariane et Barbe-Bleue wurde 1907 zur Oper von Paul Dukas.

Für die deutsche Rezeption verfasste Monty Jacobs bereits 1901 eine Monographie unter dem Titel Maeterlinck, eine kritische Studie zur Einführung in seine Werke. Die deutschen Erstausgaben erschienen im Verlag Eugen Diederichs; die Übersetzungen stammen von Friedrich von Oppeln-Bronikowski. Sein Einfluss auf die deutschsprachige Literatur bis zum Expressionismus sowie sein Verhältnis zu Hugo von Hofmannsthal und Rainer Maria Rilke wurden später Gegenstand wissenschaftlicher Studien.

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