1860 – 1937
J. M. Barrie
Kurzbiografie↑
Sir James Matthew Barrie, kurz J. M. Barrie, war ein schottischer Schriftsteller und Dramatiker. Geboren wurde er 1860 im schottischen Kirriemuir, gestorben ist er 1937. Seine bekannteste Schöpfung ist die Figur des Peter Pan, des Jungen, der nicht erwachsen werden will. Barrie schrieb Romane und zahlreiche Theaterstücke, doch sein Ruhm gründet sich vor allem auf das 1904 uraufgeführte Stück Peter Pan. Für seine Verdienste wurde er 1913 zum Baronet erhoben und 1922 in den Order of Merit aufgenommen.
Biografie↑
Am 9. Mai 1860 kam James Matthew Barrie im schottischen Kirriemuir in der Grafschaft Angus zur Welt. Er war das neunte Kind und der dritte Sohn von David und Margaret Barrie, geborene Ogilvy. Sein Vater arbeitete als Weber. Die Mutter ermutigte ihn, sich durch Lesen weiterzubilden. Barrie besuchte die Dumfries Academy und schloss 1882 sein Studium an der Universität Edinburgh als Master of Arts ab.
Zunächst arbeitete er als Journalist für das Nottingham Journal. 1885 zog er nach London. Im Jahr 1894 heiratete er die Schauspielerin Mary Ansell; die Ehe blieb kinderlos und endete 1909 mit einer Scheidung.
Seine ersten beiden Romane spielen in einem Ort namens Thrums, hinter dem sich unschwer sein Geburtsort Kirriemuir erkennen lässt. Danach wandte sich Barrie dem Theater zu. Zu seinen Bühnenstücken zählen Quality Street, What Every Woman Knows und The Admirable Crichton. Berühmt wurde er 1904 durch Peter Pan. Die Figur wurde durch die Kinder – George, Jack, Peter, Michael und Nico – seiner Bekannten Sylvia Llewelyn-Davies angeregt. Nach dem Tod der Mutter im Jahr 1910 kümmerte sich Barrie um die fünf Jungen und zog sie groß. 1911 erschien Peter and Wendy.
Am 1. Juli 1913 wurde Barrie der erbliche Adelstitel eines Baronet verliehen. 1922 zeichnete man ihn als Mitglied des Order of Merit aus. Von 1919 bis 1922 amtierte er als Rektor der University of St Andrews. Da er sehr ungern vor Publikum sprach, hielt er seine Antrittsrede erst zum Abschluss seiner Amtszeit 1922; sie wurde später unter dem Titel Courage veröffentlicht. 1929 wählte ihn die American Academy of Arts and Letters zum auswärtigen Ehrenmitglied.
Barrie starb 1937. Bei der Angabe seines Sterbeorts weichen die Quellen voneinander ab: Die Deutsche Nationalbibliothek nennt London, Wikidata dagegen den Londoner Stadtteil Marylebone. Beigesetzt wurde er in seinem Geburtsort Kirriemuir, wo auch seine Eltern, seine Schwester und sein mit dreizehn Jahren verstorbener Bruder David ruhen. Da er keine Kinder hinterließ, erlosch sein Adelstitel mit seinem Tod. Als Kinderfreund vermachte Barrie sämtliche Rechte an den Büchern, Filmen und Theaterstücken um Peter Pan dem Great Ormond Street Hospital, einem Londoner Kinderkrankenhaus.
Literarische Merkmale↑
Charakteristisch für Barries Schaffen ist die enge Verbindung von Erzählprosa und Bühnendichtung. Seine frühen Romane sind eng mit seiner schottischen Heimat verwoben: Der erfundene Ort Thrums trägt unverkennbar die Züge seines Geburtsorts Kirriemuir. Sein bekanntestes Werk um Peter Pan verbindet die reale Welt mit einer Fantasiewelt und kreist um die Vorstellung eines Kindes, das dem Erwachsenwerden entkommt. Diese Figur schöpfte Barrie aus dem unmittelbaren Erleben mit den fünf Söhnen der Familie Llewelyn-Davies, die er nach dem Tod der Mutter großzog.
Rezeption↑
Weit über seine Lebenszeit hinaus wirkt Barrie vor allem durch die Figur des Peter Pan nach. Das Stück von 1904 und Peter and Wendy begründeten einen Stoff, der bis heute in Filmen, Hörspielen und Bühnenfassungen weiterlebt. So entstanden mehrere deutsche Hörspielbearbeitungen, darunter ein Orchesterhörspiel von 2008 und eine zweiteilige Fassung des WDR von 2018.
Auch Barries eigenes Leben wurde zum Stoff: 2004 kam der Film Finding Neverland in die Kinos, der die Entstehung der Peter-Pan-Welt schildert und Barrie durch Johnny Depp verkörpert. Die deutsche Fassung lief ab Februar 2005 unter dem Titel Wenn Träume fliegen lernen. Der Film versteht sich allerdings nicht als streng biografisch und veränderte viele Fakten.
Die Bindung an seine Peter-Pan-Schöpfung reicht bis in die Gesetzgebung: Das britische Parlament sicherte 1988 dem Great Ormond Street Hospital, dem Barrie die Rechte vermacht hatte, einen dauerhaften Urheberrechtsschutz an Peter Pan zu, der anders als sonst nicht durch Zeitablauf verfällt. Barries Geburtshaus in der Brechin Road 4 wurde vom National Trust for Scotland als Museum eingerichtet. Immer wieder wurde die Vermutung geäußert, Barrie habe pädophile Neigungen gehabt; nachweisen ließ sie sich nie, zuletzt tauchte sie im Jahr 2000 in der englischen Presse auf.
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