1833 – 1908
Jonas Lie
Kurzbiografie↑
Jonas Lie war ein norwegischer Schriftsteller und Dramatiker, geboren 1833 in Hokksund. Zusammen mit Bjørnstjerne Bjørnson, Alexander Kielland und Henrik Ibsen zählt er zu den sogenannten Großen Vier (De fire store) der norwegischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Bekannt wurde er durch seine lebendigen Natur- und Menschenschilderungen aus Nordnorwegen, später auch durch Romane und Märchen mit mystischen Zügen. Nach einer Laufbahn als Rechtsanwalt und Journalist lebte er lange Jahre im Ausland, ehe er nach Norwegen zurückkehrte. Er starb 1908.
Biografie↑
Am 6. November 1833 kam Jonas Laurits Idemil Lie als Sohn eines Beamten in Hokksund zur Welt. Vom sechsten Lebensjahr an wuchs er in Tromsø auf. Von 1851 bis 1858 studierte er in Kristiania Rechtswissenschaften. Dort begegnete er Henrik Ibsen und Bjørnstjerne Bjørnson.
Nach erfolgreichem Studium arbeitete Lie zwischen 1859 und 1869 als Rechtsanwalt in Kongsvinger. In den frühen 1860er Jahren war er Eigentümer der Wochenzeitschrift Illustreret Nyhedsblad, die er jedoch nicht vor dem finanziellen Ruin bewahren konnte. Den literarischen Durchbruch brachte 1866 die Gedichtsammlung Digte, die ihn bekannt machte. Danach gab er den Anwaltsberuf auf und wandte sich dem Journalismus zu.
Mit der Novelle Den Fremsynte gelang ihm 1870 auch die finanzielle Unabhängigkeit. Ein Jahr später reiste er in die Polarkreisregion, wo die Sammlung von Volkserzählungen Fortællinger og Skildringer fra Norge entstand. Der Roman Tremasteren Fremtiden von 1872 machte ihn international bekannt. Von 1871 bis 1874 lebte und reiste Lie, finanziert durch die norwegische Regierung, durch Italien. Während dieser Zeit erschien 1873 die Erzählung Fanfulla. Nach seiner Rückkehr sprach ihm das norwegische Storting 1874 einen Ehrensold zu. Unter dem Eindruck Italiens schrieb er 1875 die Erzählung Antonio Banniera und das Gedicht Faustina Strozzi.
Seit Ende der 1870er Jahre lebte Lie zunächst in Norddeutschland, später in Bayern. Den Winter verbrachte er meist in Paris, den Sommer in Berchtesgaden. Nach einer kurzen Rückkehr nach Norwegen 1882 ließ er sich 1893 endgültig in Holskogen bei Kristiansand nieder. In diesen Jahrzehnten entstanden zahlreiche weitere Werke, darunter die Romane Familien paa Gilje (1883) und Kommandørens døtre (1886), die Novelle Livsslaven (1883) sowie die Märchensammlung Troll (1892).
Anerkennung fand Lie zunächst für seine Schilderungen aus Nordnorwegen. Zum Schreiben ermutigt und gefördert wurde er von seinem Freund Bjørnson. 1890 wurde er in die Königliche Wissenschafts- und Literaturgesellschaft in Göteborg aufgenommen. 1904 zeichnete ihn Oskar II. von Schweden mit dem Großkreuz des Sankt-Olav-Ordens aus.
Lie starb am 5. Juli 1908 in Stavern; Wikidata nennt hierzu abweichend Sandvika als Sterbeort.
Literarische Merkmale↑
Am Anfang seines Werks stehen lebendige Natur- und Menschenschilderungen aus Nordnorwegen. Die späteren Werke sind durch eine ausgeprägte impressionistische Erzähltechnik und mystische Tendenzen gekennzeichnet. Darin rücken soziale Konflikte ins Dämonische. In seinen Märchen ist zudem der Einfluss der Neuromantik spürbar.
Rezeption↑
Zu Lebzeiten fand Lie zunächst mit seinen Schilderungen aus Nordnorwegen Anerkennung. Gemeinsam mit Bjørnson, Alexander Kielland und Ibsen wird er zu den Großen Vier (De fire store) der norwegischen Literatur des 19. Jahrhunderts gezählt. Seine Werke wurden vielfach ins Deutsche übersetzt und erschienen bei bekannten Verlagen, unter anderem in Reclams Universal-Bibliothek. Nach eigenem Bekunden von Thomas Mann und Herman Bang hatte Lie einen großen Einfluss auf deren Werk. Öffentliche Ehrungen begleiteten sein Schaffen: 1890 die Aufnahme in die Königliche Wissenschafts- und Literaturgesellschaft in Göteborg, 1904 das Großkreuz des Sankt-Olav-Ordens.
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