1791 – 1813
Theodor Körner
Kurzporträt↑
Als Dichter und Freiheitskämpfer gehört Theodor Körner zu den bekanntesten Gestalten der Befreiungskriege gegen Napoleon. Geboren 1791 in Dresden, wuchs er in einem gebildeten Elternhaus auf, in dem Goethe, Schiller und Wilhelm von Humboldt verkehrten. Nach Jahren als Student und als gefeierter Theaterdichter in Wien schloss er sich 1813 dem Lützowschen Freikorps an und schrieb patriotische Kampflieder wie Lützows wilde Jagd. Noch im selben Jahr fiel er mit knapp 22 Jahren im Gefecht. Wegen seines frühen Todes und seiner vaterländischen Gedichte wurde er im 19. und 20. Jahrhundert zu einer nationalen Leitfigur erhoben.
Biografie↑
Geboren wurde Carl Theodor Körner am 23. September 1791 in Dresden, als Sohn des Oberappellationsgerichtsrats Christian Gottfried Körner. In der Forschung umstritten ist das genaue Geburtsdatum: Die Neue Deutsche Biographie nennt den 30. September, während Wikipedia und die algorithmisch geprüften Eckdaten den 23. September angeben. Seine Mutter war Anna Maria Wilhelmine Jacobine Körner, Tochter des Kupferstechers Johann Michael Stock. Der Vater war Freund und Förderer Schillers, der eine Zeit lang bei den Körners wohnte. Mit seiner drei Jahre älteren Schwester Emma, einer späteren Malerin, war Theodor eng verbunden. Das Elternhaus pflegte regen Austausch mit Goethe, Heinrich von Kleist, Wilhelm und Alexander von Humboldt und weiteren Gelehrten und Künstlern. Körner war musikalisch und zeichnerisch begabt, spielte mehrere Instrumente und dichtete schon früh.
Die Dresdner Kreuzschule besuchte er nur kurz; überwiegend erhielt er Unterricht durch Privatlehrer. Ab 1808 studierte er an der Bergakademie Freiberg Bergbau und hörte dort Chemie und Mineralogie. Gefördert wurde er vom Geologen Abraham Gottlob Werner. Ausgedehnte Fußreisen ins Elbsandsteingebirge, ins Böhmische Mittelgebirge und ins Riesengebirge regten ihn zu Naturgedichten an. 1810 erschien sein erster Gedichtband Knospen bei Göschen in Leipzig. Im selben Jahr wechselte er an die Universität Leipzig und begann Geschichte und Philosophie zu studieren. Dort geriet er in Auseinandersetzungen zwischen seiner Landsmannschaft und adligen Studenten, duellierte sich und floh im März 1811 heimlich aus Leipzig, um einer Bestrafung zu entgehen. Die Relegation folgte ihm an andere Universitäten und erschwerte die Immatrikulation in Berlin, wo er dennoch Vorlesungen bei Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Schleiermacher und Barthold Georg Niebuhr hörte. Eine Erkrankung unterbrach die Studien; auf Wunsch seines Vaters ging er schließlich nach Wien.
In Wien knüpfte Körner an Kontakte aus dem Elternhaus an, etwa zu Wilhelm von Humboldt und Friedrich Schlegel. Freundliche Aufnahme fand er im Salon der Baronin Henriette von Pereira-Arnstein. Seine naturwissenschaftlichen Studien traten bald hinter das dichterische Schaffen zurück. In rascher Folge schrieb er kleinere Lustspiele für das Burgtheater, darunter Der grüne Domino und Die Braut, dazu Opern- und Operettenlibretti. Nach Kleists Novelle entstand das Drama Toni, nach dem Muster der Schicksalstragödie das Trauerspiel Die Sühne. Im Sommer 1812 vollendete er sein umfangreichstes Werk, das Drama Zriny, das den ungarischen Kampf gegen die türkischen Eroberer schildert und dabei auf den deutschen Freiheitskampf gegen die französische Herrschaft anspielt. Der Beifall bei den Aufführungen in Wien und Weimar, wo sich Goethe für ihn verwendete, trug dazu bei, dass Körner Anfang 1813 eine feste Anstellung als Hoftheaterdichter am Burgtheater erhielt. Er verlobte sich mit der Schauspielerin Antonie Adamberger. Für Ludwig van Beethoven entwarf er das Opernlibretto Ulysses' Wiederkehr.
Im März 1813 gab Körner Stellung und Braut auf, als die preußische Regierung zum Kampf gegen Napoleon aufrief. Er reiste nach Breslau und trat dem Lützowschen Freikorps bei, wo er alte Bekannte wie Jahn und Friesen wiedertraf. In rascher Folge entstanden patriotische Gedichte, die zu bekannten Melodien gesungen wurden. Auf dem Marsch durch Sachsen besuchte er in Dresden seine Familie und traf Ernst Moritz Arndt. Das Freikorps zog über Leipzig nach Norden; auf dem Schneckenberg entstand Lützows wilde Jagd. Da die Truppe fern der eigentlichen Kämpfe blieb, klagte der inzwischen zum Leutnant beförderte Körner über Untätigkeit. Am 17. Juni 1813 wurden die Lützower bei Kitzen von württembergischen und französischen Truppen überrascht und schwer geschlagen. Durch einen Säbelhieb am Kopf verwundet, konnte Körner fliehen; angeblich schrieb er in einem Gehölz das Sonett Abschied vom Leben. Bauern fanden ihn, er wurde nach Leipzig gebracht und dort versorgt. In Karlsbad pflegte ihn seine Patentante Elise von der Recke.
Nach seiner Genesung kehrte Körner zu seinem Korps zurück, das nun in Norddeutschland kämpfte. Den Abend des 25. August verbrachte er auf dem Rittergut Gottesgabe und soll dort das Schwertlied vorgetragen haben. Am Morgen des 26. August 1813 fiel er bei einem Gefecht. Über den Sterbeort weichen die Angaben leicht ab: Wikipedia nennt den Forst Rosenow bei Gadebusch, die Neue Deutsche Biographie die Straße zwischen Gadebusch und Schwerin. Begraben wurde er mit militärischen Ehren unter einer Eiche bei Wöbbelin, wo später die ganze Familie ihre Grabstätte fand.
Literarische Merkmale↑
Schon früh entwickelte Körner, besonders durch Schillers Balladen beeindruckt, eine ausgeprägte Neigung und Geschicklichkeit zur Versifikation. Seine ersten Gedichte, gesammelt in Knospen, gingen aus Naturerlebnissen auf seinen Wanderungen hervor. In Wien wandte er sich dem Drama zu und schrieb in kurzer Zeit eine große Zahl von Lustspielen und Libretti. Sein Hauptwerk Zriny ist laut der Neuen Deutschen Biographie ein historisches Gemälde mit aktuellen politischen Anklängen, ganz in Schillers Diktion und Pathos geschrieben, jedoch ohne eigentlichen tragischen Konflikt.
Am bekanntesten wurde Körner durch seine Kriegs- und Kampflyrik aus der Zeit im Freikorps. In den wenigen Ruhezeiten zwischen den Märschen und Gefechten dichtete er patriotische Gesänge voll religiösen und kriegerischen Pathos, etwa mit Anfangszeilen wie „Frisch auf, mein Volk! Die Flammenzeichen rauchen“ oder „Was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein“. Diese Lieder gab sein Vater 1814 unter dem Titel Leyer und Schwert heraus. Sie waren teils stürmisch, teils gefühlvoll und verbanden romantische Empfindung mit patriotischer Kampfbereitschaft. Viele wurden zu bekannten Melodien gesungen und schon kurz nach ihrer Entstehung überall verbreitet. Kennzeichnend für Körner ist die enge Verbindung von Dichtung und Leben: Was er in seinen Kampfliedern besang, lebte und erlitt er als Soldat selbst.
Rezeption↑
Nach seinem frühen Tod als Lützower Jäger erschien Körner in national gesinnten Kreisen als Vorbild. Die Übereinstimmung von Dichtung und Leben empfahl seine Werke für die Lehrpläne des Deutschen Bundes von 1815 und des Deutschen Reiches von 1871. Sein Vater stellte ihn mit der Herausgabe von Leyer und Schwert als dritten großen Befreiungssänger neben Arndt und Schenkendorf. Die Gedichte aus diesem Buch wurden zum Vorbild für spätere Kriegslyrik. Lützows wilde Jagd erfreute sich in der Vertonung Carl Maria von Webers im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit als Männerchorstück.
Im 20. Jahrhundert wurde Körner von den Nationalsozialisten für Propagandazwecke vereinnahmt. Das Gelände um die Grabstätte der Familie in Wöbbelin wurde 1938 zu einem „Ehrenhain“ für Kundgebungen umgebaut. In mehreren Universitätsstädten wurden Kameradschaften des NS-Studentenbundes nach ihm benannt. Propagandaminister Joseph Goebbels wandelte eine Zeile aus dem Gedicht Männer und Buben für seine Sportpalastrede 1943 ab. Zugleich beriefen sich Widerstandskämpfer auf Körner: Im sechsten Flugblatt der Weißen Rose zitierte Kurt Huber 1943 die erste Zeile aus Körners Aufruf, „Frisch auf, mein Volk! Die Flammenzeichen rauchen.“
Nach 1945 geriet Körner in der Bundesrepublik weitgehend in Vergessenheit, während er in der DDR als Held und Sänger für ein einheitliches, freies Deutschland verehrt wurde. Marlene Dietrich wählte eine Zeile aus seinem Sonett Abschied vom Leben als Inschrift für ihren Grabstein in Berlin. Im späten 20. Jahrhundert wurden ihm zeitweise fremde Zeilen untergeschoben, die tatsächlich von einer rechtsextremen Dichterin stammen.
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