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Porträt Ephraim Kishon
Ephraim Kishon
1924 – 2005
– Autorenporträt –

Ephraim Kishon

1924 – 2005 · 80 Jahre

Israelischer Satiriker ungarischer Herkunft, der den Alltag und die Bürokratie seines Landes aufs Korn nahm – mit mehr als 30 Millionen verkauften Büchern allein auf Deutsch gilt er als einer der erfolgreichsten Satiriker des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum.

Kurzbiografie↑

Ephraim Kishon wurde 1924 als Ferenc Hoffmann in Budapest geboren und starb 2005 in Appenzell in der Schweiz. Er war israelischer Journalist, Schriftsteller sowie Film- und Theaterregisseur ungarischer Herkunft. Sein Schwerpunkt lag in der humoristischen Darstellung des israelischen Alltags und seines Familienlebens. Vor allem schrieb er Kurzgeschichten, daneben Theaterstücke und Drehbücher. Er gilt als einer der erfolgreichsten Satiriker des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum: Von seinen Büchern wurden weltweit über 40 Millionen Exemplare verkauft, mehr als 30 Millionen davon in deutscher Sprache.


Biografie↑

Geboren wurde er in Budapest in eine ungarisch-jüdische Familie, in der er auch aufwuchs. Sein Vater Dezső Hoffmann war Bankdirektor, seine Mutter Erzsébet, geborene Steiner, war zuvor dessen Sekretärin. Er hatte eine Schwester namens Ágnes. Sein Urgroßvater soll der „Wunderrabbi“ Immanuel Silberstein gewesen sein.

Seine Begabung zeigte sich früh: 1940 erhielt er den ersten Preis des ungarischen Novellenwettbewerbs für Mittelschüler. Die antisemitischen Gesetze Ungarns, die den Hochschulzugang von Juden beschränkten und 1938 verschärft worden waren, verwehrten ihm das Studium. So begann er 1942 eine Ausbildung zum Goldschmied.

1944 wurde Kishon in das damals zu Ungarn gehörende Arbeitslager Jelšava deportiert. Ende 1944 gelang ihm die Flucht, danach hielt er sich bis zur Befreiung im Januar 1945 in Budapest versteckt. Wie genau er entkam, erzählte er später in verschiedenen Fassungen. Ein Großteil seiner Verwandtschaft kam in den Gaskammern von Auschwitz ums Leben. Seine Eltern und die Schwester überlebten die Judenverfolgung. 1945 geriet er durch Willkür in einen sowjetischen Gefangenentransport in den Gulag, konnte jedoch abermals entkommen.

In Budapest studierte er anschließend Kunstgeschichte. 1948 machte er sein Diplom als Metallbildhauer und Kunsthistoriker. Auf der Flucht vor dem kommunistischen System gelangte er gemeinsam mit seiner Frau nach Österreich. Von dort wanderte er im Mai 1949 mit einem Flüchtlingsschiff nach Israel aus. Dort wurde sein Name Kishont in Kishon geändert. Den ungarisch klingenden Namen Kishont hatte er sich nach dem Krieg zugelegt. Eine Anekdote erzählt die Namensänderung so, und sie kommt auch in seinen Büchern vor: Ein Beamter im Hafen von Haifa habe den Namen bei den Einreiseformalitäten kurzerhand auf Kishon gestutzt. Den Vornamen Ferenc habe er mit der lakonischen Bemerkung „gibt es nicht“ durch „Ephraim“ ersetzt.

Nach kurzer Zeit in einem Durchgangslager bei Haifa lebte Kishon im Kibbuz Kfar HaChoresch, arbeitete als Sanitäter und begann Hebräisch zu lernen. In dieser Zeit veröffentlichte er humoristische Skizzen in der ungarischsprachigen israelischen Zeitung Új Kelet, in denen er vor allem seine Erfahrungen als Einwanderer satirisch verarbeitete. Später zog er nach Jerusalem und setzte am Ulpan Etzion sein Sprachstudium fort. Er lernte schnell fließend Hebräisch, behielt aber sein Leben lang einen starken ungarischen Akzent.

1951 begann er eine satirische Kolumne in Omer, einer Zeitung in einfachem Hebräisch, später eine in der Zeitung Davar. Dort erschien die erste Fassung seiner Satire Der Blaumilch-Kanal. Im selben Jahr erschien sein erstes Buch in Israel, Der aufdringliche Immigrant, eine Sammlung seiner Kolumnen für Új Kelet, die Avigdor Hameiri vom Ungarischen ins Hebräische übersetzte. 1952 begann er in Ma'ariv, einer der größten Tageszeitungen Israels, unter dem Pseudonym Chad Gadja eine tägliche hebräische Kolumne, die er dreißig Jahre lang fortführte. 1953 wurde sein Theaterstück Der Schützling im Nationaltheater Habimah aufgeführt. Um 1960 wurde sein erstes ins Englische übersetztes Buch Look Back Mrs. Lot in den USA ein Bestseller; damit begann seine internationale Karriere.

Großen Anteil an seinem Erfolg im deutschen Sprachraum hatte der österreichische Schriftsteller und Theaterkritiker Friedrich Torberg. Er konnte kein Hebräisch. Bis zu seinem Tod 1979 übertrug er die Bücher Kishons anhand der englischen Übersetzungen ins Deutsche. Kishon ließ ihm dabei freie Hand, und in Teilen dichtete Torberg die Texte nach. Nach Torbergs Tod übersetzte Kishon seine Bücher selbst ins Deutsche oder wurde von Gerhard Bronner übersetzt. Viele Ausgaben tragen Illustrationen des österreichischen Zeichners und Karikaturisten Rudolf Angerer.

1964 gab Kishon mit dem Film Sallah – oder: Tausche Tochter gegen Wohnung sein Debüt als Filmregisseur; der Film beruht auf einem seiner Werke. Produzent war Menahem Golan. Als erste israelische Produktion überhaupt wurde der Film für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Bis 1978 drehte er vier weitere Spielfilme, darunter Der Blaumilchkanal. Auch sein Film Schlaf gut, Wachtmeister! erhielt eine Oscar-Nominierung; seine Filme wurden außerdem dreimal mit dem Golden Globe bedacht.

Schach, besonders Computerschach, gehörte zu seinen Steckenpferden. 1990 kam der Kishon Chesster auf den Markt, ein nach ihm benannter Schachcomputer mit Sprachausgabe, für den er die humoristischen Kommentare beisteuerte. Eine weitere Leidenschaft galt dem Billard.

Anfang der 1980er Jahre ließ sich Kishon in der Schweiz nieder. Er lebte abwechselnd in Appenzell und in Afeka, einem Stadtviertel von Tel Aviv. Am 29. Januar 2005 starb er an einem Herzinfarkt in seinem Haus bei Appenzell. Sein letztes Interview hatte er den Stuttgarter Nachrichten gegeben. Begraben ist er auf dem Trumpeldor-Friedhof in Tel Aviv. 2016 wurde im Wiener Gemeindebezirk Floridsdorf der Kishon-Weg nach ihm benannt.


Literarische Merkmale↑

Kishons Satiren nahmen vor allem die kleinen Ärgernisse des Alltags aufs Korn, dazu die Bürokratie und die große wie die kleine Politik, besonders in Israel. Am liebsten schrieb er kurze Geschichten, oft zuerst als Zeitungskolumne; daneben entstanden Theaterstücke und Drehbücher. Ein im deutschen Sprachraum sehr bekanntes Beispiel für seinen Spott über die Behörden ist Der Blaumilchkanal. Auch sein eigenes Familienleben war ihm fortwährend Stoff.

Seit seinem Theaterstück Zieh den Stecker raus, das Wasser kocht von 1965 trat der ausgebildete Kunsthistoriker als scharfer Kritiker der modernen Kunst und des Kunstmarktes hervor. Für die Fernsehverfilmung dieses Stückes fertigte er in satirischer Absicht sogar eigene Kunstwerke nach moderner Manier an. Im Essay Picasso war kein Scharlatan von 1985 vertiefte er diese Kritik, später auch im Buch Picassos süße Rache von 1995. Ausgangspunkt war ihm ein angebliches selbstkritisches Interview Pablo Picassos mit Giovanni Papini. Über Künstler wie Joseph Beuys oder Andy Warhol ließ er dabei kein gutes Haar. Er betonte aber ausdrücklich, dass er nicht die modernen Kunstwerke selbst ablehne, sondern nur deren Überhöhung durch die Kunstkritik.

Eine Besonderheit seiner deutschen Bücher liegt in ihrer Entstehung. Ein Teil des bekannten Kishon-Tons geht auf Friedrich Torberg zurück, der die Texte anhand englischer Übersetzungen eindeutschte und sie vertraglich vereinbart in Teilen nachdichtete.


Rezeption↑

Erfolg hatte Kishon in sehr großem Maßstab: über 40 Millionen verkaufte Bücher weltweit, mehr als 30 Millionen davon in deutscher Sprache. Auf Hebräisch erschienen etwa 50 Bücher, auf Deutsch etwa 70, viele davon Zusammenstellungen bereits veröffentlichter Geschichten. Weltweit zählt man rund 700 Buchausgaben in 37 Sprachen. Er gilt als einer der erfolgreichsten Satiriker des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum.

Die internationale Aufmerksamkeit begann um 1960, als sein erstes ins Englische übersetztes Buch in den USA ein Bestseller wurde. Auch als Filmregisseur fand er Anerkennung: Zwei seiner Filme wurden für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert, dreimal erhielten seine Filme einen Golden Globe. Dass sein Debütfilm als erste israelische Produktion überhaupt eine Oscar-Nominierung erhielt, machte ihn auch in Israel zu einer bekannten Größe.

Seine Beliebtheit gerade in Deutschland empfand Kishon als Ironie der Geschichte. „Ich verspüre Genugtuung darüber, dass die Enkel meiner Henker in meinen Lesungen Schlange stehen“, hat er gesagt. Hass gegenüber den jungen Deutschen empfand er nicht: Es gebe keine kollektive Schuld, sondern nur kollektive Schande. Mit seinem Humor habe er zur Versöhnung beitragen wollen. 2016 wurde in Wien-Floridsdorf ein Weg nach ihm benannt.

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