1928 – 1982
Philip K. Dick
Kurzbiografie↑
Philip K. Dick zählt zu den bekanntesten amerikanischen Science-Fiction-Autoren des 20. Jahrhunderts. Geboren 1928 in Chicago, lebte er einen großen Teil seines Lebens in Kalifornien und schrieb dort Romane, die immer wieder um dieselbe Frage kreisen: Was ist wirklich, und was bildet sich der Mensch nur ein? Bekannt wurde er vor allem durch dystopische Romane wie Träumen Androiden von elektrischen Schafen? und Das Orakel vom Berge. Zu Lebzeiten kämpfte er ständig mit Geldsorgen; erst der Film Blade Runner, der wenige Monate nach seinem Tod im Jahr 1982 in die Kinos kam, machte ihn zu einem der wichtigsten Stofflieferanten für Kino und Fernsehen. Seine Bücher wurden vielfach verfilmt.
Biografie↑
Sechs Wochen zu früh kamen Philip Kindred Dick und seine Zwillingsschwester Jane Charlotte am 16. Dezember 1928 in Chicago zur Welt. Die Mutter, Dorothy Dick, geborene Kindred, erfuhr wie damals üblich erst bei der Geburt, dass sie Zwillinge erwartete. Die Babys waren unterernährt, und Jane starb fünf Wochen später, am 26. Januar 1929. Der Vater, Joseph Edgar Dick, arbeitete damals als Ermittler im Landwirtschaftsministerium in Chicago. Zu beiden Eltern, die im Staatsdienst tätig waren, hatte Dick zeit seines Lebens ein schwieriges Verhältnis.
Die Familie zog in die Bay Area nach San Francisco. Als der Junge fünf Jahre alt war, ging der Vater nach Reno, und die Eltern ließen sich scheiden. Die Mutter nahm eine Stelle in Washington an und nahm den Sohn mit. Dort besuchte er von 1936 bis 1938 die John Eaton Elementary School. Ein Lehrer notierte damals, der Junge zeige „Interesse und die Fähigkeit zum Geschichtenerzählen“. Ab Juni 1938 lebten Mutter und Sohn wieder in Kalifornien.
Schon als Jugendlicher schrieb Dick Gedichte und Kurzgeschichten. Seine belastende Jugend führte ihn vorübergehend in psychologische Behandlung. Er wechselte an die Berkeley High School und schloss sie 1947 ab. Im selben Abschlussjahrgang saß die spätere Science-Fiction-Autorin Ursula K. Le Guin, ohne dass die beiden einander kannten. Danach besuchte er kurz die University of California; exmatrikuliert wurde er wegen Querulantentums. 1948 heiratete er Jeanette Marlin, doch die Ehe hielt nur sechs Monate.
Bis 1952 verdiente Dick sein Geld in einem Schallplattenladen und als Radiomoderator für klassische Musik. In dieser Zeit verkaufte er seine erste Kurzgeschichte und begann an einem Roman zu arbeiten. Von 1950 bis 1959 war er mit Kleo Apostolides verheiratet. Er las unersättlich, vor allem über Religion, Philosophie und Gnostizismus; besonders die Metaphysik zog ihn an. Diese Gedankenwelt floss später in viele seiner Geschichten ein. Kurze Zeit studierte er Germanistik, und in seinen Romanen tauchen immer wieder deutsche Redewendungen auf.
Geld hatte Dick nie genug. Er reagierte darauf, indem er noch mehr schrieb. Von 1959 bis 1965 war er mit Anne Williams Rubinstein verheiratet; aus dieser Ehe stammt die Tochter Laura. In diesen Jahren versuchte er, außerhalb der Science-Fiction zu veröffentlichen, und scheiterte: Die Scott Meredith Literary Agency gab ihm sämtliche Entwürfe zurück und legte ihn damit auf sein Genre fest. Nur eine dieser Arbeiten erschien noch zu seinen Lebzeiten, der 1959 entstandene Roman Confessions of a Crap Artist, gedruckt erst 1975. Zugleich begann er, sich für bewusstseinsverändernde Drogen zu interessieren, und machte Versuche mit Amphetaminen und LSD. Mit Aufputschmitteln schrieb er bis zu sechzig Seiten am Tag. Zeitweise war sein Haus ein Treffpunkt für Drogenabhängige und Kriminelle. Vieles davon verarbeitete er später im Roman A Scanner Darkly.
1966 heiratete er Nancy Hackett, 1967 kam die Tochter Isolde zur Welt, 1972 wurde die Ehe geschieden. Seine Manuskripte vermachte Dick der Sammlung der California State University.
Im Oktober 1972 schrieb Dick Briefe an das FBI und an das Bezirksbüro des Sheriffs von Marin County. Darin behauptete er, ein Vertreter einer geheimen, wie er schrieb „offensichtlich anti-amerikanischen“ Organisation habe ihn angesprochen: Er solle verschlüsselte Botschaften in seinen Büchern unterbringen, was er abgelehnt habe. Anschließend beschuldigte er den Schriftsteller Thomas M. Disch, in dessen Roman Camp Concentration von 1968 seien solche Geheiminformationen versteckt. Dick entwickelte eine ausgeprägte Angst vor FBI und KGB und machte beide später für einen Einbruch in sein Haus verantwortlich, bei dem Schriftstücke gestohlen wurden.
1973 heiratete er Leslie Busby, seine fünfte Frau; im selben Jahr kam der gemeinsame Sohn Christopher zur Welt. In Vancouver unternahm er einen Selbstmordversuch und begab sich danach in ein Drogen-Rehabilitationszentrum.
Im Februar und März 1974 hatte Dick eine Reihe von Visionen. Sie setzten ein, während er sich von einer zahnärztlichen Behandlung mit Natriumpentothal erholte. Er beschrieb sie als Laserstrahlen und geometrische Muster, durchsetzt mit kurzen Bildern von Jesus und vom antiken Rom. Den Rest seines Lebens versuchte er zu klären, ob diese Erlebnisse krankhaft oder göttlichen Ursprungs gewesen waren. Er suchte nach rationalen wie nach religiösen Erklärungen. Aus diesen Grübeleien gingen die Bücher VALIS, Die göttliche Invasion und Die Wiedergeburt des Timothy Archer hervor, die zusammen die VALIS-Trilogie bilden.
United Artists kaufte die Filmrechte an Träumen Androiden von elektrischen Schafen?. Ridley Scott verfilmte den Stoff unter dem Titel Blade Runner. Dick war in die Entstehung des Films eingebunden und bekam einige Szenen noch zu sehen. Die Uraufführung im Juni 1982 erlebte er nicht mehr. Am 18. Februar 1982 erlitt er in seinem Haus in Santa Ana einen Schlaganfall und kam ins Krankenhaus. Dort setzte ein weiterer Schlaganfall seine Gehirntätigkeit aus. Am 2. März 1982 wurden die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet. Seine Asche wurde nach Fort Morgan in Colorado gebracht und im Grab seiner Zwillingsschwester beigesetzt.
Literarische Merkmale↑
Dicks Erzählen speist sich aus seiner Lesewut. Er las viel über Religion, Philosophie und Gnostizismus, besonders die Metaphysik zog ihn an, und diese Gedanken kehren als Grundmotive in vielen seiner Geschichten wieder. Sein Werk gehört in die Science-Fiction, und seine bekanntesten Bücher entwerfen düstere Zukunftswelten.
Auffällig ist auch die Spur seiner kurzen Germanistik-Studien: In den Romanen tauchen immer wieder deutsche Redewendungen auf. Gearbeitet hat er unter hohem Druck. Weil das Geld dauernd knapp war, schrieb er mehr und schneller; mit Aufputschmitteln brachte er bis zu sechzig Seiten am Tag zu Papier. Eigene Erfahrungen verarbeitete er unmittelbar, etwa die Jahre im Drogenmilieu im Roman A Scanner Darkly. Auch seine Visionen von 1974 wurden ihm zum Stoff, aus dem die drei Bücher der VALIS-Trilogie entstanden.
Rezeption↑
Zu Lebzeiten hatte Dick es schwer. Seine Romane außerhalb der Science-Fiction fanden keinen Verlag, und die Agentur legte ihn auf sein Genre fest. Von den Mainstream-Arbeiten der 1950er und frühen 1960er Jahre erschien nur Confessions of a Crap Artist, und das erst 1975.
Die große Wirkung setzte mit dem Kino ein. Ridley Scotts Blade Runner nach dem Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen? wurde im Juni 1982 uraufgeführt, wenige Monate nach Dicks Tod. Mit diesem Film wurde Dick zu einem wichtigen Ideengeber für Film- und Fernsehproduktionen; seine dystopischen Romane wurden vielfach adaptiert.
Auch die Science-Fiction-Szene ehrte ihn. Noch 1982 wurde der Philip K. Dick Award für zeitgenössische Science-Fiction-Literatur gestiftet. 2005 nahm man ihn nach seinem Tod in die Science Fiction Hall of Fame auf. 2017 erhielt ein Asteroid seinen Namen: (9004) Peekaydee.
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