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Porträt Camilo José Cela
Camilo José Cela
1916 – 2002
– Autorenporträt –

Camilo José Cela

1916 – 2002 · 85 Jahre

Ein spanischer Schriftsteller schildert in seinem schonungslosen „dunklen Realismus“ das notleidende Nachkriegsmadrid und wurde 1989 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Kurzbiografie↑

Camilo José Cela war ein spanischer Schriftsteller, der 1989 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Geboren 1916 in Galicien, gestorben 2002 in Madrid, hinterließ er ein Werk von über siebzig Bänden, überwiegend erzählende Literatur. Sein Schreiben wurde als „dunkler Realismus“ oder Tremendismo bezeichnet – eine Strömung, deren Beginn in Spanien mit seinem Namen verbunden ist. Schon sein erster Roman La familia de Pascual Duarte löste 1942 einen Skandal aus und geriet zeitweise unter das Verbot der Zensur. Sein bekanntestes Buch ist der Roman La colmena, auf Deutsch Der Bienenkorb.


Biografie↑

Am 11. Mai 1916 kam Cela in Galicien zur Welt, als Sohn eines Spaniers und einer Engländerin. In der Forschung uneinheitlich angegeben ist der genaue Geburtsort: Wikidata nennt Iria Flavia, die Deutsche Biographie führt Padrón an. Nach der Darstellung der Wikipedia gehört Iria Flavia zur Gemeinde Padrón in der Provinz A Coruña, sodass beide Angaben denselben Ort umkreisen. Sein Großvater John Trulock hatte die erste Eisenbahn in Galicien geleitet.

Im Jahr 1925 zog die Familie nach Madrid. Während der Schulzeit erkrankte Cela an Tuberkulose und musste sich in den Jahren 1931 und 1932 in ein Sanatorium begeben, wo er viel Zeit zum Lesen fand. 1934 begann er an der Universidad Complutense de Madrid ein Medizinstudium, das er bald aufgab. Stattdessen besuchte er Vorlesungen über Lyrik bei Pedro Salinas. Diesem zeigte er erste Gedichte, und Salinas ermunterte ihn zum Schreiben.

Im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte Cela auf der Seite der Frankisten und wurde an der Front verwundet. Bereits 1938 hatte er sich der spanischen Zensurbehörde als Denunziant angeboten; nach dem Krieg arbeitete er dort und widmete sich dem Journalismus. 1940 begann er ein Jurastudium, das er ebenfalls bald abbrach, und veröffentlichte erste Werke.

Mit 26 Jahren erschien 1942 sein erster Roman La familia de Pascual Duarte, auf Deutsch Pascual Duartes Familie. Die realitätsnahe Schilderung brutaler, oft aus dem Affekt begangener Gewalttaten rief einen Skandal hervor, und die Zensur verbot das Buch zeitweise. Damit wurde Cela schlagartig bekannt und begründete die Strömung des Tremendismo in Spanien.

Im Jahr 1944 heiratete Cela María del Rosario Conde Picavea. Zwei Jahre später kam ein Sohn zur Welt, der wie der Vater auf den Namen Camilo José getauft wurde. Von 1947 bis 1950 lebte und arbeitete Cela zeitweise im kleinen Ort Cebreros. 1954 übersiedelte er auf die Insel Mallorca, die sein Hauptwohnsitz wurde. Dort gründete er 1956 die Zeitschrift Papeles de Son Armadans.

Sein bekanntestes Werk ist der Roman La colmena (Der Bienenkorb), der aus zahlreichen Erzählfragmenten besteht. Er schildert das verarmte und entwurzelte Kleinbürgertum Madrids im Hungerwinter 1943/44 nach dem Bürgerkrieg. Die Zensur warf Cela Unmoral und Pornographie vor. Deshalb erschien die Erstausgabe 1951 in Buenos Aires; erst 1955 kam der Roman in einer veränderten Fassung in Barcelona heraus. 1955 erschien außerdem der Roman La catira, der auf Celas Reisen nach Venezuela zurückging.

Nach dem Übergang zur Demokratie berief König Juan Carlos ihn zum Kongressabgeordneten. Von 1977 bis 1979 wirkte Cela als Senator an der Redaktion der spanischen Verfassung mit. Am 10. März 1991 heiratete er Marina Castaño. 1996 verlieh ihm der König den Adelstitel Marqués de Iria Flavia. Am 17. Januar 2002 starb Cela in Madrid.


Literarische Merkmale↑

Sein Gesamtwerk umfasst über siebzig Bände, überwiegend erzählende Literatur. Bezeichnet wurde Celas Schreiben als „dunkler Realismus“ oder als Tremendismo. Diese Strömung zeigt sich schon im Erstling La familia de Pascual Duarte: Der Roman schildert brutale Gewalttaten, die fast unmotiviert oder aus dem Affekt heraus geschehen. Der Täter zeigt in seinen Aufzeichnungen vor der Hinrichtung keine Reue. Das Buch ist einerseits mit traditionellen Sprachklischees überladen, etwa in Formeln wie „Euer Ehren“, und drückt andererseits eine allgemeine Sprachlosigkeit und emotionale Verrohung der 1930er Jahre aus.

Wie Cela seine Figuren behandelt, lässt sich an La colmena ablesen. Der Roman versammelt fast dreihundert Figuren, deren Drehpunkt eine Kneipe der geldgierigen Doña Rosa ist. Immer wieder verfolgt das Buch den Weg des wohnungslosen Poeten Martín durch die Stadt. Auf eine psychologische Durchdringung der Figuren verzichtet Cela dabei vollständig; ihre Fassade bleibt auch in den klischeehaften Dialogen stets gewahrt. Krieg und Hunger fördern die Verrohung und den Verfall traditioneller Werte, doch zeigt der Roman auch Mitgefühl und die Bereitschaft, mit anderen zu teilen.

Neben dem Roman arbeitete Cela in vielen weiteren Formen. Er schrieb Novellen, Märchen und Fabeln, Lyrik und Dramen. Als Reiseschriftsteller war er ebenso produktiv, etwa mit Viaje a la Alcarria. In seinem Diccionario secreto erklärte er Tabuwörter rund um die Geschlechtsteile und zog dazu literarische Texte heran.


Rezeption↑

Bereits mit seinem ersten Roman wurde Cela schlagartig bekannt. La familia de Pascual Duarte rief einen Skandal hervor und wurde zeitweise von der Zensur verboten; zugleich begründete das Buch die Strömung des Tremendismo in Spanien. Auch La colmena stieß auf den Widerstand der Zensur, die dem Autor Unmoral und Pornographie vorwarf, sodass der Roman zunächst nur im Ausland erscheinen konnte.

Später erhielt Celas Werk breite Anerkennung. Der Roman Mazurca para dos muertos (Mazurka für zwei Tote) wurde mit dem Premio Nacional de Literatura ausgezeichnet, La cruz de San Andrés mit dem Premio Planeta. 1989 erhielt Cela den Nobelpreis für Literatur, 1996 verlieh ihm der spanische König den Adelstitel Marqués de Iria Flavia.

Auch im Film wirkte sein Werk nach. 1982 verfilmte Mario Camus La colmena; die Verfilmung wurde 1983 mit dem Goldenen Bären der Berliner Filmfestspiele ausgezeichnet. Mehrere seiner Bücher erschienen in deutscher Übersetzung, darunter Pascual Duartes Familie, Der Bienenkorb und Mazurka für zwei Tote.

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