1905 – 1937
Attila József
Kurzbiografie↑
Zu den bedeutendsten Lyrikern Ungarns zählt Attila József, geboren am 11. April 1905 in Budapest und gestorben am 3. Dezember 1937 in Balatonszárszó am Plattensee. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, verlor früh den Vater und die Mutter und schrieb schon als Jugendlicher erste Gedichte. Sein Leben war von Armut, politischen Konflikten und schweren Depressionen gezeichnet. Mit nur 32 Jahren kam er unter einem Güterzug ums Leben.
Biografie↑
Als sechstes Kind eines Seifensieders kam Attila József 1905 in Budapest zur Welt. Von seinen Geschwistern waren zum Zeitpunkt seiner Geburt bereits drei verstorben; ihm blieben zwei Schwestern, die ältere Jolán und die jüngere Eta. 1908, als Attila drei Jahre alt war, verließ der Vater die Familie und verschwand angeblich nach Amerika. Seine Mutter, Borbála Pőce, stammte aus der ungarischen Provinz und arbeitete nach der Flucht ihres Mannes als Wäscherin in Budapest. Sie konnte die Familie kaum ernähren. Zwischen 1910 und 1912 mussten Attila und seine Schwester Eta deshalb zweieinhalb Jahre bei Pflegeeltern in Öcsöd verbringen. Dort rief man ihn nicht bei seinem damals seltenen Vornamen Attila, sondern „Pista“, einer Koseform von István. Diese Zeit prägte ihn nach eigenen Angaben stark; er begann, nach den Ursprüngen seines Vornamens zu forschen. Nach der Rückkehr lebten die Kinder mit der Mutter im Budapester Stadtteil Pest.
Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs war Attila neun Jahre alt und half seiner Mutter bereits im Haushalt und bei der Arbeit. 1914 versuchte er nach einem Streit mit seiner Schwester Jolán, sich das Leben zu nehmen; im selben Jahr erkrankte die Mutter schwer. 1918 durfte er im Rahmen eines Kinderhilfeprogramms einige Wochen in Abbazia verbringen, wo er seine ersten Gedichte verfasste. 1919 heiratete Jolán den Rechtsanwalt Ödön Makai, und Attila zog zu Verwandten aufs Land. Im selben Jahr starb die Mutter, die in mehreren seiner Gedichte vorkommt. Ab 1920 besuchte er das Gymnasium in Makó.
In den Jahren 1922 und 1923 druckte die liberale Literaturzeitschrift Nyugat seine ersten Gedichte. Eines davon brachte ihm einen Prozess wegen Gotteslästerung ein, in dem er jedoch freigesprochen wurde. Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, arbeitete er zwischendurch als Schiffsjunge auf Donaudampfern, als Hauslehrer und als Tagelöhner. 1922 erschien sein erster Gedichtband unter dem Titel Szépség koldusa (Bettler der Schönheit) mit einem Vorwort des Lyrikers Gyula Juhász. Besonders sein Sonett Éhség (Der Hunger) galt als neuartig. 1924 begann er in Szeged ein Studium der Fächer Ungarisch, Französisch und Philosophie. Dort erschien auch seine zweite Sammlung Nem én kiáltok (Der, der schreit, bin ich nicht). Wegen seines Gedichts Tiszta szívvel (Reinen Herzens) von 1925 wurde er durch Professor Antal Horger von der Universität Szeged verwiesen.
Im folgenden Jahr lebte er in Wien, wo er zunächst von kleineren Arbeiten lebte und später einen Freitisch im Collegium Hungaricum erhielt. Dort lernte er Lajos Kassák, Tibor Déry, György Lukács und Lajos Hatvany kennen. Von 1926 bis 1927 hörte er Vorlesungen an der Sorbonne in Paris, las Marx, Hegel und Lenin, übersetzte Villon und Apollinaire und trat der Union Anarchiste-Communiste bei. 1927 kehrte er endgültig nach Ungarn zurück und wurde dort 1930 Mitglied der illegalen Kommunistischen Partei Ungarns, aus der er später wegen seines Interesses am Freudomarxismus ausgeschlossen wurde. Ein Brief von Anfang 1933 an den Lyriker Mihály Babits zeugt von seiner bitteren Armut: „Seit längerer Zeit hungern wir, meine Frau und ich, im wahrsten Sinne des Wortes.“
1935 wurde er Chefredakteur der Literaturzeitschrift Szép szó. Er war zu dieser Zeit bereits schwer krank und litt unter schweren Depressionen, weshalb er sich von Ende 1934 bis Ende 1936 psychoanalytischen Therapien unterzog, zunächst bei Edit Gyömrői und zuletzt bei Róbert Bak. 1936 erschien seine letzte Gedichtsammlung Nagyon fáj (Es schmerzt heftig). Im Januar 1937 wollte er den aus NS-Deutschland emigrierten Thomas Mann bei dessen Lesung in Budapest mit einem Gedicht begrüßen, was die Regierung unter Premierminister Kálmán von Darányi jedoch zensierte. 1937 kam er in ein Nervensanatorium. Am 3. Dezember 1937 starb er bei Balatonszárszó am Südufer des Plattensees. Anders als vielfach berichtet handelte es sich dabei wohl nicht um einen Suizid, sondern um einen tragischen Unfall: Er versuchte, einen stehenden Güterzug zwischen den Waggons zu unterqueren, als dieser sich in Bewegung setzte, und wurde von der Anhängerkupplung erfasst. Polizei- und Krankenhausberichte bestätigten den Unfallhergang.
Literarische Merkmale↑
Schon früh fielen Józsefs Verse durch ihre Eigenständigkeit auf. Sein Sonett Éhség galt bereits beim ersten Gedichtband als neuartig und selbständig. In seinen Gedichten verarbeitete er unmittelbar das eigene Leben: Die früh verstorbene Mutter kehrt in mehreren Texten wieder, ebenso die Erfahrungen von Armut und Hunger. Seine Beschäftigung mit Marx, Hegel und Lenin sowie mit der Psychoanalyse spiegelt sich in der geistigen Ausrichtung seines Werks. Als Übersetzer übertrug er Villon und Apollinaire ins Ungarische.
Rezeption↑
Bis heute zählt Attila József zu den bedeutendsten Lyrikern Ungarns. Bereits die Literaturzeitschrift Nyugat, eine der wichtigsten des Landes im 20. Jahrhundert, druckte seine frühen Gedichte. Sein erster Band erschien mit einem Vorwort des angesehenen Lyrikers Gyula Juhász, und sein Sonett Éhség wurde als eigenständig und neuartig wahrgenommen.
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