1870 – 1938
Alexander Iwanowitsch Kuprin
Kurzporträt↑
Zu den bekannten Erzählern des späten zaristischen Russland zählt Alexander Iwanowitsch Kuprin. Er wurde am 7. September 1870 in Narowtschat im Gouvernement Pensa geboren. Nach dem damals gültigen julianischen Kalender war das der 26. August. Aus einer langen Militärlaufbahn fand er zur Literatur. Er schrieb Erzählungen und Romane, die das Leben einfacher Menschen mit großem Realismus schildern. Werke wie der Roman Das Duell und die Novelle Das Granatarmband machten ihn bekannt. Nach der Oktoberrevolution lebte er fast zwei Jahrzehnte im Pariser Exil. Todkrank kehrte er in seine Heimat zurück und starb 1938.
Biografie↑
Kuprin war der Sohn eines Beamten und einer verarmten Adeligen aus der tatarischen Fürstenfamilie Kulantschakow. Geboren wurde er in einer Provinzstadt. Nach dem Tod des Vaters zog die Mutter mit ihm nach Moskau. Dort besuchte er von 1877 bis 1880 ein privates Gymnasium. Danach besuchte er zehn Jahre lang, bis 1890, verschiedene Militärschulen für den Offiziersnachwuchs. 1894 verließ er das Militär und zog nach Kiew. Dort widmete er sich ganz dem Beruf des Schriftstellers. Er schrieb mehrere Erzählungen und Essays für verschiedene Kiewer Zeitungen. Darunter war ein Zyklus von stark realistischen Lebensporträts einfacher Leute aus seiner Umgebung.
Bereits 1899 lernte er Anton Tschechow kennen, der starken Einfluss auf ihn ausübte. 1901 zog Kuprin nach Petersburg. Dort entstanden einige seiner besten Erzählungen, darunter Im Zirkus (1902), die von Lew Tolstoi sehr gelobt wurde. 1902 begann seine Freundschaft mit Maxim Gorki. Ihm widmete er seinen Roman Das Duell (1905). Der ersten Russischen Revolution der Jahre 1905 bis 1907 brachte Kuprin starke Sympathien entgegen und verewigte sie in mehreren Werken. 1905 hielt er sich zufällig gerade in Sewastopol auf, als Vize-Admiral Tschuchnin den bewaffneten Aufstand der Matrosen des Panzerkreuzers Otschakow auf äußerst brutale Weise niederschlug. Kuprin half mit, die Überlebenden aus dem Meer zu retten.
Nach dem Scheitern der Revolution distanzierte er sich von Gorki und dessen Kreis. Diese Zeit nannte er später eine „Periode größter Enttäuschungen". Er schrieb jedoch weiter und schuf Werke wie Sulamif (1908), Heirat (1908) und Das Granatarmband (1911). Eine ausgedehnte Reise durch Westeuropa hielt er in den Reiseerzählungen Die lasurblaue Küste (1912) fest. Zu seinen größten Werken zählt der Roman Der Graben. Dessen erster Teil erschien 1909, der zweite Teil 1914 bis 1915. In einer drastischen, mitunter krassen Sprache schildert er den Alltag russischer Prostituierter und ist dem damals modischen Naturalismus verpflichtet.
Nach der Oktoberrevolution 1917 arbeitete Kuprin zunächst in dem von Gorki gegründeten Verlag Weltliteratur. Für verschiedene Zeitschriften schrieb er Artikel, in denen er die Revolution und ihre Anführer rühmte. Zugleich äußerte er aber seine Furcht vor der „kulturellen Barbarei" der Bolschewiki. Im Dezember 1918 traf er Lenin und schlug ihm vor, eine Kulturzeitung für die Dorfbevölkerung herauszugeben. Im Herbst 1919 befand er sich in Gattschina, einem Vorort von Petersburg, als die weißen Truppen des Generals Judenitsch den Ort blockierten. Kuprin beschloss, mit seiner Familie zu emigrieren. Ob er diese Flucht im Voraus geplant oder nur spontan die Gelegenheit genutzt hatte, ist nicht ganz klar.
Seit Ende 1919 lebte er überwiegend in Paris. Dort nahm er aktiv am politischen Leben der russischen Emigranten teil und verfasste antisowjetische Artikel und Pamphlete. Von der Mitte der 1920er Jahre an gab er seine antibolschewistische Haltung allmählich auf und trat zunehmend in den Hintergrund. In diesen Jahren bemühte er sich vor allem, die finanzielle Not seiner Familie zu lindern. Er veröffentlichte mehrere auf Bestellung verfasste Werke, darunter Märchen, Naturschilderungen und historische Essays.
Im Frühjahr 1937 kehrte Kuprin, bereits todkrank, in seine Heimat zurück. Die stalinistische Propaganda nutzte dies als angeblichen Beleg für die Vorzüge des Sozialismus. Man kann jedoch davon ausgehen, dass ihn nur der Wunsch trieb, im heimatlichen Boden seine letzte Ruhe zu finden. Er wurde freundlich empfangen und erhielt eine eigene Wohnung. Ein Jahr später, am 25. August 1938, starb er in Leningrad – der Stadt, die heute wieder Sankt Petersburg heißt. Sein Andenken wird an mehreren seiner Wirkungsstätten durch Denkmäler bewahrt. Unter anderem steht eine Statue neben einer Sitzbank am Hafen von Balaklawa.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Kuprins Schreiben ist ein ausgeprägter Realismus. Schon in seinen frühen Kiewer Arbeiten zeichnete er das Leben einfacher Menschen in eindringlichen Lebensporträts. In seinem Roman Der Graben bediente er sich einer drastischen, mitunter krassen Sprache. Er folgte dem damals modischen Naturalismus, um den Alltag russischer Prostituierter ungeschönt darzustellen.
Rezeption↑
Anerkennung fand Kuprin schon zu Lebzeiten durch bedeutende Zeitgenossen. Seine Erzählung Im Zirkus wurde von Lew Tolstoi sehr gelobt. Mit Anton Tschechow sowie Maxim Gorki verbanden ihn enge Beziehungen. Tschechow übte starken Einfluss auf ihn aus. Nach seiner Rückkehr 1937 wurde er von der stalinistischen Propaganda für deren Zwecke vereinnahmt. Bis heute wird sein Andenken an mehreren Orten seines Wirkens mit Denkmälern geehrt.
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