1810 – 1836
Karel Hynek Mácha
Kurzbiografie↑
Karel Hynek Mácha gilt als wichtigster Vertreter der tschechischen Romantik. Geboren 1810 in Prag, studierte er Rechtswissenschaften. Er wanderte durch Böhmen und das Riesengebirge und schrieb Gedichte, Erzählungen und Reisetagebücher. Sein lyrisches Hauptwerk Mai erschien 1836 im Eigenverlag und wurde von der Kritik zunächst abgelehnt. Mácha starb noch im selben Jahr, kurz vor seinem 26. Geburtstag. Erst Jahrzehnte nach seinem Tod wurde er als hoch verehrter Nationaldichter anerkannt.
Biografie↑
Als Sohn eines Müllers kam Mácha 1810 als Ignác in Prag zur Welt. An der Karls-Universität studierte er Rechtswissenschaften. Daneben spielte er Theater in einer Gruppe um den Schauspieler, Theaterregisseur und Autor Josef Kajetán Tyl. In diesem Kreis lernte er die Buchhändlerstochter Eleonora Šomková kennen, die er Lori nannte. Mit ihr hatte er einen nichtehelichen Sohn namens Ludvík.
Bereits während des Studiums unternahm Mácha zahlreiche Wanderungen nach Nordböhmen, ins Riesengebirge und bis nach Venedig. Aus dieser Zeit stammt sein dichterisches Werk. Zu seinen Lebzeiten fand es allerdings kaum Anhänger. Mácha führte ein Register über seine vielen Besuche auf böhmischen Burgruinen, die er dabei auch zeichnete. Die Erstausgabe seines Hauptwerks Mai erschien im April 1836 im Eigenverlag und wurde von der Kritik zunächst ablehnend aufgenommen.
Im Herbst 1836 trat Mácha ein Praktikum in einer Rechtsanwaltskanzlei in Leitmeritz an. Nur wenige Wochen später starb er, kurz vor seinem 26. Geburtstag und drei Tage vor der geplanten Hochzeit mit Lori. Wahrscheinlich starb er an den Folgen einer Infektion, die er sich bei den Löscharbeiten während eines großen Brandes zugezogen hatte. Bestattet wurde er am 8. November 1836. Beim Sterbeort weichen die Quellen in der Benennung voneinander ab: Die Deutsche Nationalbibliothek führt ihn unter dem deutschen Namen Leitmeritz, Wikidata unter dem tschechischen Namen Litoměřice. Es handelt sich dabei um dieselbe Stadt. Diese Stadt war nach dem Münchner Abkommen als Teil des Sudetenlands an das Deutsche Reich abgetreten worden. Im Herbst 1938 wurden seine sterblichen Überreste von dort nach Prag überführt. Am 7. Mai 1939 wurden sie in ein Ehrengrab auf dem Vyšehrad-Friedhof umgebettet.
Sein Andenken wird in Böhmen bis heute gepflegt. Der bei Doksy gelegene Große Teich wurde ihm zu Ehren in Máchovo jezero, Máchas See, umbenannt. Auch die umliegende Gegend trägt seinen Namen. Im Litoměřicer Haus, in dem er wohnte und starb, hat das Regionalmuseum eine Gedenkstätte eingerichtet.
Literarische Merkmale↑
Máchas Schaffen umfasst trotz seines kurzen Lebens mehrere Gattungen. Seine ersten Gedichtversuche schrieb er 1829 noch auf Deutsch. Es folgten Erzählungen, darunter die unter dem Titel Bilder aus meinem Leben gesammelten Stücke Abend am Bösig und Marinka, der Romanteil Křivoklad sowie Reisetagebücher, etwa das Tagebuch auf der Reise nach Italien. 1835 entstand der Roman Die Zigeuner. Den Mittelpunkt seines Werks bildet jedoch das große Gedicht Mai von 1836. Prägend für sein Schreiben waren seine ausgedehnten Wanderungen durch die böhmische Landschaft. Dazu kam seine Vorliebe für alte Burgruinen, die er aufsuchte und zeichnete.
Rezeption↑
Zu Lebzeiten fand Mácha kaum Beachtung. Die Erstausgabe seines Hauptwerks Mai wurde von der Kritik zunächst abgelehnt. Erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts galt er als wichtigster und hoch verehrter Vertreter der tschechischen Romantik. Sein Nachruhm zeigt sich an der bis heute andauernden Erinnerungspflege in Böhmen: an dem nach ihm benannten See bei Doksy, an der ganzen umliegenden Landschaft, die seinen Namen trägt, und an der Gedenkstätte in seinem Wohn- und Sterbehaus. Seine sterblichen Überreste wurden 1939 feierlich nach Prag überführt und in ein Ehrengrab auf dem Vyšehrad-Friedhof umgebettet. Das unterstreicht seinen Rang als tschechischer Nationaldichter.
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