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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Felisberto Hernández
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Porträt Felisberto Hernández
Felisberto Hernández
1902 – 1964
– Autorenporträt –

Felisberto Hernández

1902 – 1964 · 61 Jahre

Uruguayischer Bar- und Stummfilmpianist, der zum Erzähler wurde – seine Geschichten voller Obsessionen und Absurditäten machen ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der phantastischen Literatur Lateinamerikas.

Kurzbiografie↑

Der uruguayische Erzähler Felisberto Hernández wurde 1902 in Montevideo geboren und starb dort 1964. Er verdiente sein Geld als Pianist, bevor er als Schriftsteller bekannt wurde, und beide Tätigkeiten blieben zeitlebens verbunden: Musik und Klavierspiel kehren in seinen Geschichten immer wieder. Bekannt wurde er mit Erzählungsbänden wie Nadie encendía las lámparas von 1947 und La casa inundada von 1960. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der phantastischen Literatur Lateinamerikas.


Biografie↑

Geboren wurde Felisberto Hernández am 20. Oktober 1902 in Montevideo. Das Klavierspiel brachte er sich zunächst selbst bei. Erst später vertiefte er seine Kenntnisse in der Harmonielehre bei Clemente Colling.

Den Lebensunterhalt verdiente er zunächst mit der Musik. Er begleitete Stummfilme am Klavier und spielte in Bars. Für kurze Zeit betrieb er außerdem eine Buchhandlung in einer Garage.

Sein erster Erzählungsband Fulano de tal erschien 1925. Die zwischen 1925 und 1931 veröffentlichten Erzählungen fanden zunächst wenig Beachtung, legten aber den Grund für das spätere Werk. Der literarische Durchbruch kam mit Nadie encendía las lámparas im Jahr 1947.

Die Jahre von 1946 bis 1948 verbrachte Hernández in Paris. Danach kehrte er nach Uruguay zurück. 1960 erschien La casa inundada.

Sein ungewöhnliches Leben und seine Persönlichkeit machten ihn bei Liebhabern der phantastischen Literatur zu einer Art Kultfigur. Felisberto Hernández starb am 13. Januar 1964 in seiner Geburtsstadt Montevideo. Die Erzählung Die Hortensien erschien auf Deutsch erst nach seinem Tod.


Literarische Merkmale↑

Seltsame Geschichten von nach innen gewandten Menschen bestimmen das Werk von Felisberto Hernández. In seinen Kurzgeschichten geht es um Absurditäten und um Obsessionen. Eine besondere Rolle spielen dabei die Musik und das Klavierspiel.

Seine Erzählweise gilt nicht als verschlossen. Ein zitiertes Urteil beschreibt das so: „Die Erzählungen sind nicht hermetisch; man kann in sie eindringen, aber nur an bestimmten Stellen. ... Die Öffnungen sind nicht ein für alle Mal da, sie schließen sich wieder; andererseits geht plötzlich unvermutet eine Tür auf, wo wir zuvor nichts als eine taube Wand vermuteten."

Wie weit Hernández dabei geht, zeigt Die Hortensien. Der Held dieser Erzählung geht eine erotische Beziehung zu lebensgroßen, mit Wasser gefüllten Puppen ein. Der Text gilt als sein Meisterwerk.


Rezeption↑

Als einer der originellsten Schriftsteller Lateinamerikas wird Felisberto Hernández bis heute geschätzt. Er zählt zu den wichtigsten Vertretern der lateinamerikanischen phantastischen Literatur und gilt als Vorläufer von Autoren wie Julio Cortázar. Seine Erzählung Las Hortensias gehört inzwischen zu den Klassikern der lateinamerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts.

Im deutschen Sprachraum erschienen seine Texte vor allem im Suhrkamp Verlag. 1985 kam der Band Die Hortensien heraus. 2006 folgten die gesammelten Erzählungen unter dem Titel Die Frau, die mir gleicht, übersetzt von Angelica Ammar, Anneliese Botond und Sabine Giersberg. Einzelne kurze Texte von ihm wurden 2009 auch in die Anthologie Minificciones – Minigeschichten aus Lateinamerika aufgenommen.

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