1811 – 1848
Wissarion Grigorjewitsch Belinski
Kurzbiografie↑
Wissarion Grigorjewitsch Belinski war ein russischer Literaturkritiker, Publizist und Philosoph. Geboren 1811 bei Helsinki, wirkte er vor allem in Moskau und Sankt Petersburg als Rezensent literarischer Zeitschriften. Anfang der 1840er Jahre galt er als einer der wichtigsten literarischen Kritiker Russlands und als der „russische Lessing“. Er förderte junge Autoren wie Iwan Turgenjew und Fjodor Dostojewski und half Gogol, Die toten Seelen durch die Zensur zu bringen. Belinski starb 1848 in Sankt Petersburg an den Folgen einer langen Krankheit; sein Name durfte in der russischen Presse bis 1856 nicht genannt werden.
Biografie↑
Zur Welt kam Belinski 1811 in Sveaborg bei Helsinki, dem heutigen Suomenlinna, als Sohn eines Militärarztes. Sein Geburtstag wird nach dem damals in Russland gültigen Kalender mit dem 30. Mai angegeben, was nach heutiger Zählung dem 11. Juni entspricht.
Von 1829 bis 1832 studierte er an der Moskauer Universität. Er musste sie wieder verlassen, offiziell wegen „fehlender Begabung“. Der tatsächliche Anlass war sein romantisches Drama Dimitri Kalinin, in dem er die Leibeigenschaft angriff.
Danach begann er zu schreiben und zu veröffentlichen, zunächst für das Moskauer Journal Teleskop. 1836 verbot der Zar die Zeitschrift und ließ die Redaktion schließen. Der Redakteur wurde in die Verbannung geschickt. Belinski selbst kam mit einer Durchsuchung davon und konnte seine Laufbahn fortsetzen.
1837 ließ er seine Tuberkulose in Pjatigorsk behandeln. Dort lernte er Lermontow kennen. Zwei Jahre später zog er nach Sankt Petersburg. Von 1839 bis 1846 war er der tonangebende Hausautor der einflussreichen literarischen Zeitschrift Otetschestwennye Sapiski, der „Notizen des Vaterlandes“.
1842 half er Gogol, den Roman Die toten Seelen durch die Zensur zu bringen, nachdem die Moskauer Zensurbehörde ihn abgelehnt hatte. Im Jahr darauf heiratete er Maria Wassiljewna Orlowa; aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. In dieselbe Zeit fällt seine größte Wirkung: Anfang der 1840er Jahre war er einer der bedeutendsten literarischen Kritiker Russlands. 1843 lernte er den jungen Iwan Turgenjew kennen, mit dem er befreundet blieb. Auch Dostojewskis Laufbahn nahm ihren Anfang mit einer positiven Rezension Belinskis; die Begegnung der beiden hat Dostojewski später in der Januarausgabe 1877 seines Tagebuchs eines Schriftstellers anschaulich geschildert.
1847 reiste er wegen seiner Krankheit ins Ausland, nach Berlin und nach Bad Salzbrunn. Ein Jahr später starb er nach langem Leiden in Sankt Petersburg. Beigesetzt wurde er auf dem Wolkowo-Friedhof, im Abschnitt der sogenannten Literatenbrücken.
Literarische Merkmale↑
Belinski schrieb nicht Romane oder Gedichte, sondern Kritiken, Rezensionen und publizistische Beiträge für Zeitschriften. Sein Urteil war eng mit politischen Fragen verbunden: Schon sein studentisches Drama Dimitri Kalinin richtete sich gegen die Leibeigenschaft, und diese Verbindung von Literatur und gesellschaftlicher Kritik blieb kennzeichnend für seine Arbeit. Dass der Zar die Zeitschrift Teleskop verbot und Belinski sich einer Durchsuchung stellen musste, zeigt, wie unmittelbar seine Texte als politisch empfunden wurden.
Rezeption↑
Zu Lebzeiten wurde Belinski als der „russische Lessing“ bezeichnet. Wie weit sein Wort reichte, zeigt der Umgang der Behörden mit seinem Andenken: Bis 1856 durfte sein Name in der russischen Presse nicht erwähnt werden.
Aus marxistischer Sicht gilt er als Begründer der revolutionär-demokratischen Literaturkritik. In der Sowjetunion wurde er entsprechend geehrt. 1951 entstand der Film W. G. Belinski über sein Leben. Zum 150. Geburtstag schuf der russische Medailleur N. Sokolow 1961 eine Bronze-Gedenkmedaille, geprägt im Leningrader Münzhof und auf der Vorderseite mit seinem Porträt im Profil; ein Exemplar gehört zur Sammlung des Deutschen Historischen Museums. Im deutschsprachigen Raum erschien 1953 in Weimar das von Gerhard Ziegengeist herausgegebene Lesebuch Belinski. Ein Lesebuch für unsere Zeit.
Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →
Aus dem Werkverzeichnis↑
Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (2 weitere Titel)