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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Richard Beer-Hofmann
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Porträt Richard Beer-Hofmann
Richard Beer-Hofmann
1866 – 1945
– Autorenporträt –

Richard Beer-Hofmann

1866 – 1945 · 79 Jahre

Dichter der Wiener Jahrhundertwende und enger Freund Hofmannsthals und Schnitzlers, der wegen seiner jüdischen Abstammung 1939 in die USA emigrierte.

Kurzporträt

Als Dichter der Wiener Jahrhundertwende gehörte Richard Beer-Hofmann zum engen Freundeskreis um Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler und Hermann Bahr. Er wurde 1866 geboren und starb 1945 im New Yorker Exil. Sein schmales, sorgsam gearbeitetes Werk umfasst Novellen, die Prosadichtung Der Tod Georgs, das Trauerspiel Der Graf von Charolais und mehrere biblische Dramen. Finanziell unabhängig, konnte er lange als freier Schriftsteller ohne Erwerbszwang leben. Sein Schaffen fand nur eine kleine Leserschaft, wurde aber im Kreis der Zeitgenossen hoch geschätzt.


Biografie

Geboren wurde Richard Beer am 11. Juli 1866 in Wien als Sohn des Rechtsanwalts und Industriellen Hermann Beer und seiner Frau Rosa, geborene Stöckerl. Die Mutter starb wenige Tage nach der Geburt. In den 1880er Jahren adoptierten ihn seine Tante und ihr Ehemann, der Industrielle Alois Hofmann, weshalb er fortan den Doppelnamen Beer-Hofmann führte. Auch beim genauen Datum der Adoption stimmen die Angaben nicht überein. Er wuchs im Haus von Tante und Onkel in Brünn und Wien auf und besuchte in Wien das Akademische Gymnasium.

An der Universität Wien nahm er ein Jurastudium auf, das er 1890 mit der Promotion abschloss. Um diese Zeit lernte er Hugo von Hofmannsthal, Hermann Bahr und Arthur Schnitzler kennen; mit ihnen verband ihn eine lange Freundschaft. Da er finanziell gut abgesichert war, konnte er als freier Schriftsteller leben, ohne durch das Schreiben seinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen. 1898 heiratete er Pauline Anna Lissy, genannt Paula. Das Paar hatte drei Kinder: Mirjam, Naëmah und Gabriel.

Sein literarisches Werk setzte 1893 mit dem Band Novellen ein, der die Stücke Das Kind und Camelias enthielt. Es folgten Gedichte, darunter das bekannte Schlaflied für Mirjam. Für dessen Erscheinungsjahr finden sich unterschiedliche Angaben: Wikipedia nennt 1898, die Deutsche Biographie 1897. 1900 erschien die Prosadichtung Der Tod Georgs, 1904 das Trauerspiel Der Graf von Charolais, für das er den Volks-Schiller-Preis erhielt. Ab 1906 arbeitete er am Dramenzyklus Die Historie von König David, der unvollendet blieb. Zu diesem Zyklus gehören die biblischen Dramen Jaákobs Traum (1918) und Der junge David (1933); 1936 folgte das Vorspiel auf dem Theater zu König David.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Inflationszeit war er gezwungen, um Lohn zu arbeiten. In den 1920er Jahren bis 1932 war er als Regisseur tätig, unter anderem für Max Reinhardt. In dieser Zeit äußerte er sich auch zur damals politisch geführten Debatte über die sprachliche Eigenständigkeit der Österreicher gegenüber der norddeutsch geprägten Standardsprache. Durch seine jüdische Abstammung war er seit dem Anschluss Österreichs 1938 bedroht. Erst am 19. August 1939 gelang ihm die Emigration, zunächst in die Schweiz nach Zürich, wo er vergeblich um eine Aufenthaltsbewilligung ersuchte. Über den Hafen von Genua gelangte er schließlich nach New York, wo bereits seine beiden Töchter lebten. Seine Frau Paula war kurz zuvor, am 30. Oktober 1939, in Zürich gestorben.

In den USA gab er die Arbeit am König David auf und widmete sich ganz einem Erinnerungswerk an seine Frau. In der Exilzeit erschienen die Verse (1941); das begonnene Erinnerungsbuch an Paula blieb bei seinem Tod unvollendet und erschien erst 1949 postum unter dem Titel Paula. Ein Fragment. 1945 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Im selben Jahr, am 26. September 1945, starb er in New York – Wikidata verzeichnet den Ort als New York City, die Deutsche Biographie als New York, NY. Er wurde neben seiner Frau auf dem jüdischen Friedhof Unterer Friesenberg in Zürich beigesetzt.


Literarische Merkmale

Prägend für sein Schaffen war der Wiener ästhetische Impressionismus des Jahrhundertendes. Laut der Neuen Deutschen Biographie war Beer-Hofmann höchst kultiviert, voll aristokratischem Subjektivismus, sensibel und weltoffen; er wandte sich mit reifster Sorgfalt der Sprache und einer dichterischen Symbolformung zu, die jenseits des Realismus das Schön-Erhabene in zarter Nuancierung genoss.

Die frühen Novellen und die Prosa Der Tod Georgs sind thematisch vom Psychologismus der Dekadenz gekennzeichnet. Ihre Sprache öffnet sich dem Symbolischen und ist in ihrem Bildgehalt stark von der Psychoanalyse beeinflusst. Das Trauerspiel Der Graf von Charolais, eine Bearbeitung des Stoffes von Massinger und Field, verbindet einen neuromantisch-historischen Stoff mit metaphorisch reicher Verssprache und mehrschichtiger Handlung.

Aus dem Symbolismus heraus entwickelte sich seine Wendung zur religiösen Mythik des Judentums. In ihr erfuhr er, wie die Deutsche Biographie schreibt, als innere Ahnenschaft die Erlösung aus schwermütiger Einsamkeit hin zu einer überpersönlichen Volks- und Gottesordnung. Seine biblischen Dramen zeichnen sich durch tiefe und vielsinnige Gedanklichkeit, einen Reichtum historischer und seelischer Motive und einen metaphorischen Prunk der konzentrierten Sprache aus. Für die Bühne waren diese Dichtungen freilich nicht bestimmt.


Rezeption

Bekannt ist Beer-Hofmann vor allem als Teil des Wiener Kreises um Hofmannsthal, Schnitzler und Bahr, in dem sich sein Werk hoher Wertschätzung erfreute. Sein bekanntestes Gedicht wurde das Schlaflied für Mirjam. Das Trauerspiel Der Graf von Charolais war ein Erfolg auf dem Theater und wurde mit dem Volks-Schiller-Preis ausgezeichnet.

Insgesamt aber drang sein Werk nach dem Urteil der Deutschen Biographie wenig an die breite Öffentlichkeit. Im exklusiven Kreis der näheren Zeitgenossen genoss es dagegen hohen Ruhm. Diese Zurückhaltung hängt auch mit dem Charakter seiner Dichtungen zusammen, die trotz dramatischer Form nicht für die Bühne gedacht waren.

Bereits zu Lebzeiten und kurz danach entstanden mehrere Studien über ihn, darunter Arbeiten von Theodor Reik (1919), A. Werner (1936), S. Liptzin (1936) und Otto Oberholzer (1947). Erich Kahler widmete ihm einen gesammelten Aufsatz. Den Artikel der Neuen Deutschen Biographie verfasste Fritz Martini.

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