1883 – 1931
Khalil Gibran
Kurzbiografie↑
Khalil Gibran war ein libanesisch-amerikanischer Dichter, Philosoph und Maler. Geboren 1883 im damals osmanischen Bischarri, kam er als Zwölfjähriger mit der Familie nach Boston. Sein Werk verbindet Gedanken aus dem Orient, etwa des Sufismus, mit westlichen, christlich geprägten Vorstellungen. Weltberühmt wurde er mit Der Prophet, erschienen 1923, dessen Prosagedichte um Leben, Liebe und Tod kreisen. Gibran starb 1931 in New York; sein Grab fand er auf eigenen Wunsch in einem Kloster im Libanon.
Biografie↑
Geboren wurde Khalil Gibran am 6. Januar 1883 in Bischarri, damals Osmanisches Reich, heute Libanon. Sein vollständiger arabischer Name lautete Gibrān Khalīl Gibrān bin Mikhā'īl bin Sa'a. Seine Mutter Kamileh Gibran war die Tochter des maronitischen Priesters Istiphan Rahmeh. Die Familie gehörte der Syrisch-Maronitischen Kirche von Antiochien an.
Im Jahr 1895 wanderte er mit seiner Mutter, seinen Schwestern und einem Halbbruder nach Boston aus. In der dortigen Grundschule wurde sein Name anglisiert; daher rührt die häufig anzutreffende Schreibweise „Kahlil“, die eigentlich falsch ist. In seinen Jugendjahren fand er einen Förderer im Fotografen und Publizisten Fred Holland Day.
Gibran kehrte in den Libanon zurück und studierte dort ab 1897 Kunst, Französisch sowie arabische Sprache und Literatur. 1899 reiste er über Paris nach Boston zurück. Die folgenden Jahre brachten schwere Verluste: starben in rascher Folge nahe Angehörige an Tuberkulose: 1902 seine 1887 geborene jüngere Schwester Sultanah, 1903 sein 1877 geborener Halbbruder Butrus und seine Mutter.
Ein Jahr später, 1904, stellten sich erste Erfolge als Maler ein. Von 1908 an studierte Gibran in Paris Kunst und europäische Literatur. Dort verkehrte er im Künstlerkreis um Auguste Rodin. In diese Zeit fällt auch das arabische Werk Spirits Rebellious, das 1908 erschien; schon 1905 war der Text Al-Musiqa herausgekommen, auf Deutsch später als Die Musik.
1912 zog Gibran nach New York, wo er bis zu seinem Tod lebte. Im selben Jahr erschien The Broken Wings, deutsch Gebrochene Flügel. Das Buch trägt autobiografische Züge und erzählt von der unglücklichen Liebe eines jungen Mannes zu einer unglücklich verheirateten Frau. 1914 folgte A Tear and A Smile, deutsch Eine Träne und ein Lächeln.
Einen Einschnitt markiert das Jahr 1918. Mit The Madman, deutsch Der Narr, legte Gibran sein erstes auf Englisch verfasstes Buch vor. Im selben Jahr erschien The Procession. Von da an schrieb er hauptsächlich englisch, während die meisten seiner frühen Werke auf Arabisch entstanden waren. 1920 kam The Forerunner heraus.
Im Jahr 1920 gründete Gibran in New York die arabische literarische Gesellschaft Arrabitah und wurde ihr Gründungspräsident. 1923 erschien The Prophet, auf Deutsch 1925 als Der Prophet in der Übersetzung von Georg-Eduard Freiherr von Stietencron. Wie viele seiner Bücher illustrierte Gibran es selbst. Es folgten 1926 Sand and Foam, deutsch Sand und Schaum, und 1928 Jesus, the Son of Man, deutsch Jesus Menschensohn.
Khalil Gibran starb am 10. April 1931 in New York an einer Leberzirrhose. Seinem Wunsch entsprechend wurde er in einer Kapelle des Mar-Sarkis-Klosters im Libanon beigesetzt. Nach seinem Tod erschienen weitere Bücher, darunter The Earth Gods noch im Todesjahr, The Wanderer 1932 und The Garden of the Prophet 1933. Ebenfalls 1933 kam das Einakter-Stück Lazarus and his Beloved heraus, 1947 die Sammlung Secrets of the Heart.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Gibrans Schreiben sind seine poetischen Sprachbilder. Sie tragen sowohl die frühen arabischen Texte als auch die späteren englischen Bücher. In seinen spirituellen Aphorismen ging es ihm stets darum, die Empfindungen seiner Leser zu berühren.
Inhaltlich kreist sein Denken um wenige große Themen: Leben, Liebe und Tod als das Wesentliche für den Menschen. Sein Werk gilt als Bindeglied zwischen den philosophischen Richtungen des Orients, etwa dem Sufismus, und den westlichen, christlich geprägten Philosophien. Viele seiner Bücher versah er mit eigenen Illustrationen, so dass Wort und Bild bei ihm aus einer Hand kommen.
Rezeption↑
Als sein Hauptwerk und zugleich bekanntestes Buch gilt Der Prophet von 1923. Die deutsche Erstausgabe erschien 1925 in der Übersetzung von Georg-Eduard Freiherr von Stietencron; 2014 verfilmte Roger Allers den Stoff.
Auch in der Musik hat Gibran nachgewirkt. Viele seiner Gedichte wurden vertont. Bekannt sind besonders die Interpretationen der libanesischen Sängerin Fairuz: Al-Mahabba, ein Ausschnitt aus Der Prophet, sowie Gib mir die Flöte und singe aus Der Reigen. Im Jahr 2018 machten Nadim Naaman und Dana Al Fardan aus Broken Wings ein Musical, das im Theatre Royal Haymarket in London uraufgeführt wurde.
Im deutschen Sprachraum liegt sein Werk breit vor. Ursula Assaf-Nowak und Simon Yussuf Assaf übersetzten zahlreiche seiner Bücher aus dem Arabischen und Englischen; 2012 erschienen bei Patmos die Sämtlichen Werke in fünf Bänden. Daneben gibt es mehrere Anthologien für den Hausgebrauch. Biografien legten unter anderem Jean-Pierre Dahdah, Barbara Young und Alexandre Najjar vor, dessen literarische Biografie 2007 auf Deutsch erschien.
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