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Autoreneintrag · Anna G. Dostojewskaja
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Porträt Anna G. Dostojewskaja
Anna G. Dostojewskaja
1846 – 1918
– Autorenporträt –

Anna G. Dostojewskaja

1846 – 1918 · 71 Jahre

Stenographin, Ehefrau und Verlegerin Dostojewskis: Sie hielt seine Finanzen in Ordnung, organisierte Druck und Vertrieb seiner Bücher und schrieb in ihren letzten Lebensjahren die „Erinnerungen“ an die gemeinsamen Jahre, die erst 1925 erschienen.

Kurzbiografie↑

Anna Grigorjewna Dostojewskaja, geborene Snitkina, war eine russische Stenographin und Verlegerin, eine der ersten Unternehmerinnen ihres Landes. Sie kam 1846 in Sankt Petersburg zur Welt und starb 1918 in Jalta. Bekannt wurde sie als zweite Ehefrau Fjodor Michailowitsch Dostojewskis, dessen Geldgeschäfte, Vertrieb und Druck sie über Jahre führte. Nach seinem Tod verlegte sie eine Gesamtausgabe seiner Werke. In ihren letzten Lebensjahren schrieb sie ihr Buch Erinnerungen, das die gemeinsamen Jahre mit ihrem Mann schildert.


Biografie↑

Geboren wurde sie in Sankt Petersburg als Tochter des Beamten Grigori Iwanowitsch Snitkin, dessen Familie aus der Ukraine stammte, und seiner aus Finnland stammenden Frau Maria Anna. Nach der Schule besuchte sie einen Stenographiekurs. Sie war darin so gut, dass ihr Lehrer sie an Dostojewski vermittelte, der Hilfe bei der Niederschrift seines Romans Der Spieler brauchte.

Die Zusammenarbeit begann nach altem Kalender am 4. Oktober 1866 und stand unter hohem Druck. Dostojewski hatte dem Verleger Stellowski unter dem Druck seiner Gläubiger die Rechte an seinen Werken verkauft. Lieferte er nicht rechtzeitig einen neuen Roman, durfte Stellowski neun Jahre lang alles ohne Honorar drucken. Stichtag war der 1. November. Stellowski soll die Stadt kurz zuvor verlassen haben, um die Ablieferung zu verhindern. Die Frist wurde dennoch gehalten: Auf Anna Snitkinas Vorschlag hinterlegte Dostojewski das Manuskript auf der Polizeiwache und ließ es sich quittieren. Wenig später machte ihr der 25 Jahre ältere Dostojewski einen Heiratsantrag. Es folgten Besuche bei ihrer Familie, und am 15. Februar 1867, ebenfalls nach altem Kalender, heirateten die beiden.

Die Ehe begann belastet. Dostojewski hielt noch längere Zeit den Briefkontakt zu Polina Suslowa, die Anna Dostojewskaja als Rivalin fürchtete. Sein Flirt mit Martha Brown aus dem Herbst und Winter 1864/65 war beendet. Im April floh das Paar vor den Gläubigern und vor Dostojewskis Familie nach Deutschland, Italien und in die Schweiz. Anna Dostojewskaja hatte dafür ihre Aussteuer versetzt. In Baden-Baden verspielte ihr Mann das wenige Geld beim Roulette und sogar ihre Kleider. In Genf, wo das Paar fast ein Jahr lebte, arbeitete Dostojewski viel; zeitweise fehlte es am Nötigsten.

1871 kehrte das Ehepaar nach Russland zurück. Von nun an übernahm Anna Dostojewskaja alle finanziellen und vertraglichen Angelegenheiten ihres Mannes, der mit ihrer Hilfe das Glücksspiel in Deutschland aufgegeben hatte. Ab 1873 organisierte sie Vertrieb und Druck seiner Bücher. 1880 gründete sie den Versandhandel „Buchhandlung F. M. Dostojewski (nur für auswärtige Kunden)“, den sie für die damalige Zeit neuartig ohne Ladenlokal betrieb. Schließlich waren alle Schulden getilgt.

Vier Kinder gingen aus der Ehe hervor. Sofia lebte nur vom Februar bis zum Mai 1868. Ljubow wurde 1869 geboren und starb 1926, Fjodor lebte von 1871 bis 1922, Alexei von 1875 bis 1878.

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1881 verlegte Anna Dostojewskaja eine Gesamtausgabe seiner Werke. Vom Geld für diese Veröffentlichungen kaufte sie einige Besitztümer auf der Krim und im Kaukasus. In ihren letzten Lebensjahren schrieb sie ihr Buch Erinnerungen. Sie starb 1918 in Jalta. Das Buch erschien erst 1925.


Literarische Merkmale↑

Ihr schriftstellerisches Werk ist das einer Augenzeugin. In Erinnerungen erzählt sie die gemeinsame Lebensgeschichte der vierzehn Jahre, in denen sie bis zu seinem Tod 1881 mit Dostojewski zusammenlebte. Die Darstellung bleibt dabei nah am täglichen Miteinander, an Geldsorgen, Reisen und Krankheit.


Rezeption↑

Bekannt ist Anna Dostojewskaja vor allem als Begleiterin und Nachlassverwalterin ihres Mannes; in Russland galt sie als bekannte Persönlichkeit. Ihre Aufzeichnungen werden bis heute gelesen, weil sie den Alltag an der Seite Dostojewskis aus unmittelbarer Nähe zeigen. Besonderes Gewicht hat Erinnerungen als Zeugnis von Dostojewskis Epilepsie. Fortgewirkt hat auch ihre verlegerische Arbeit: Die von ihr betreute Gesamtausgabe machte das Werk ihres Mannes nach 1881 breiter zugänglich.

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Aus dem Werkverzeichnis↑

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