1860 – 1911
Gustaf Fröding
Kurzbiografie↑
Gustaf Fröding zählt zu den bedeutendsten schwedischen Lyrikern der 1890er Jahre. Geboren 1860 in der Provinz Värmland, gelangte er mit seiner ersten Gedichtsammlung fast über Nacht zu großer Bekanntheit. Seine Verse verbinden humorvolle Bilder aus seiner värmländischen Heimat mit ernsten, teils sozialkritischen Tönen. Sein Werk entstand im Schatten schwerer Krankheit: Alkoholismus und wiederkehrende psychische Leiden bestimmten weite Teile seines Lebens. Fröding starb 1911, nachdem er seine letzten Jahre überwiegend in Pflege verbracht hatte.
Biografie↑
Geboren wurde Gustaf Fröding am 22. August 1860 auf dem Herrenhof Alster in Värmland bei Karlstad. Er stammte aus einer Beamten- und Unternehmerfamilie. Seine Mutter, Emilia Fröding, geborene Agardh, war die Tochter des Karlstader Bischofs Carl Adolph Agardh.
Fröding besuchte das Gymnasium in Karlstad und begann 1880 ein Studium an der Universität Uppsala, das er jedoch nicht abschloss. Während seiner Studienzeit geriet er in radikalliberale Kreise, die ihn politisch prägten. 1887 erhielt er eine Anstellung bei der radikalen Zeitung Karlstads-Tidningen. Ein Jahr später verließ er sie wieder, als ihm ein Erbe erlaubte, sich seinen literarischen Interessen zu widmen.
Ein erster psychischer Krankheitsanfall führte ihn 1889/90 in eine Nervenheilanstalt in Görlitz in Schlesien. Dort stellte er seine erste Gedichtsammlung Guitarr och dragharmonika (Gitarre und Ziehharmonika) fertig, die 1891 erschien. Das Buch war ein sofortiger Erfolg und erreichte innerhalb weniger Jahre eine ungewöhnlich hohe Auflage. Fröding selbst nahm diesen Erfolg kaum wahr, da er sich zur Zeit der Veröffentlichung in einem norwegischen Pflegeheim befand, um seinen schweren Alkoholismus und nervöse Beschwerden behandeln zu lassen.
Nach seiner Rückkehr zur Karlstads-Tidningen schrieb er Kulturartikel und Gedichte. Zugleich arbeitete er an seiner zweiten Sammlung Nya dikter (Neue Gedichte), die 1894 herauskam. Wie schon die erste mischt sie humorvolle Gedichte mit värmländischen Motiven und ernstere, nun auch sozialkritische Verse. Der Band hatte einen noch größeren Erfolg. Doch einen Monat vor der Herausgabe erkrankte Fröding an einer schweren Psychose, von der er sich nur zeitweise erholen sollte. Den Rest seines Lebens verbrachte er wiederholt in verschiedenen Nervenkrankenhäusern und Pflegeheimen.
Dennoch schrieb er weiter. 1896 erschien seine dritte Sammlung Stänk och flikar (Spritzer und Zipfel), der Höhepunkt seines lyrischen Schaffens. Ein Gedicht darin schildert die unschuldige körperliche Begegnung zweier Jugendlicher in einem erträumten goldenen Zeitalter und führte zu einem Gerichtsverfahren wegen Unsittlichkeit. Dabei ließen den kranken Dichter der Verleger wie auch seine Freunde im Stich, unter ihnen der Dichterfreund Verner von Heidenstam, der ihn zuvor zur Veröffentlichung ermuntert hatte. Fröding wurde freigesprochen, doch verstärkten die Ereignisse seine Psychose und trieben ihn zu einem Selbstmordversuch.
1896 zog Fröding mit seiner Schwester Cecilia nach Uppsala. In den folgenden zwei Jahren gab er die Sammlungen Nytt och gammalt (Neues und Altes) und Gralstänk (Gralsspritzer) heraus. Seine Krankheit verschlimmerte sich jedoch so sehr, dass er 1898 in ein Nervenkrankenhaus kam, aus dem er erst 1905 wieder entlassen wurde. Die letzten Jahre verbrachte er in der Villa Gröndal in Stockholm, gepflegt von einer Krankenschwester. 1910, ein Jahr vor seinem Tod, erschien Efterskörd (Nachernte); 1913 wurde postum die Sammlung Reconvalescentia verlegt.
Gustaf Fröding starb am 8. Februar 1911 in der Villa Gröndal auf Djurgården, die zum Stockholmer Stadtteil Oscars församling gehört.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Frödings Gedichte ist die Verbindung von Humor und Ernst. Immer wieder greift er Bilder und Motive aus seiner värmländischen Heimat auf und gibt ihnen einen heiteren, oft volkstümlichen Ton. Zugleich finden sich ernstere Gedichte, in denen soziale Kritik anklingt. Seine Sammlungen mischen diese beiden Seiten, sodass leichte und schwere Töne unmittelbar nebeneinanderstehen.
Rezeption↑
Bereits sein erstes Buch fand ein breites Publikum: Guitarr och dragharmonika war ein unmittelbarer Erfolg und erreichte binnen weniger Jahre eine Auflage, wie sie zuvor keine andere erzielt hatte. Auch die zweite Sammlung Nya dikter wurde noch stärker aufgenommen. Für Aufsehen sorgte das Gerichtsverfahren um ein Gedicht aus Stänk och flikar, das dem Dichter wegen Unsittlichkeit gemacht wurde und mit einem Freispruch endete. Bis heute gilt Fröding als einer der bedeutendsten schwedischen Lyriker der 1890er Jahre.
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