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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Iwan Franko
Iwan Franko
1856 – 1916
– Autorenporträt –

Iwan Franko

1856 – 1916 · 59 Jahre

Ukrainischer Schriftsteller und Übersetzer, der als einer der ersten von seiner literarischen Arbeit lebte und die junge ukrainische Literatur prägte.

Kurzbiografie↑

Zu den prägenden Gestalten der ukrainischen Literatur des 19. Jahrhunderts zählt Iwan Franko (1856–1916). Er war Schriftsteller, Journalist, Literaturkritiker, Übersetzer, Dramatiker, Publizist, Wissenschaftler und Politiker. Sein Werk entstand vor allem auf Ukrainisch, daneben auf Polnisch, Deutsch, Russisch, Bulgarisch und Tschechisch; es wird auf mehrere tausend Texte in mehr als hundert Bänden geschätzt. Franko gehörte zu den ersten ukrainischen Berufsschriftstellern, die ihren Lebensunterhalt mit dem Schreiben verdienten. Neben Taras Schewtschenko, den er ins Deutsche übertrug, wirkte er stark auf die entstehende ukrainische Literatur und auf die Entwicklung des nationalen ukrainischen Gedankens.


Biografie↑

Geboren wurde Iwan Franko 1856 in Nahujewytschi im ostgalizischen Rajon Drohobytsch, damals Kaisertum Österreich. Sein Vater Jakow Franko war ein Dorfschmied deutscher Abstammung; der ursprüngliche Familienname lautete Frank. Die Mutter Maria, geborene Kultschyzka, stammte aus einer verarmten russinisch-polnischen Adelsfamilie. Der Vater starb im Frühjahr 1865, als Iwan im neunten Lebensjahr war.

Nach dem Abschluss am Drohobytscher Realgymnasium begann Franko 1875 sein Studium an der philosophischen Fakultät der Universität Lwiw, die heute seinen Namen trägt. Er belegte Philologie, Pädagogik, Psychologie, Anthropologie sowie ukrainische Sprache und Literatur. In dieser Zeit trat er der Studentengruppe Akademischer Zirkel bei und gab deren literarische Zeitschrift Drug mit heraus. 1876 erschienen in der Zeitschrift Dnistrianka seine ersten Geschichten Lessyschyna tscheljad und Zwei Freunde; im selben Jahr kam der Gedichtband Balladen und Märchen heraus.

1877, kurz nach den ersten Texten aus dem Borislaw-Zyklus, wurde Franko mit Kollegen aus der Redaktion wegen angeblicher sozialistischer „Geheimbündelei“ verhaftet. Nach acht Monaten Untersuchungshaft verurteilte man ihn im Januar 1877 zu sechs Wochen Arrest. Er setzte sein Studium fort und arbeitete zugleich als Autor und Redakteur, unter anderem als Gründer der später verbotenen Zeitschrift Hromadskyj druh. Im März 1880 folgte eine weitere Verhaftung wegen „Anstachelns des einfachen Volkes gegen die gesetzmäßige Ordnung“. Seine Eindrücke aus der dreimonatigen Haft in Kolomyja hielt er im Stück Am Grund fest.

Sein Studium konnte Franko unter diesen Umständen zunächst nicht abschließen. Er lebte zwei Jahre in seinem Heimatdorf. Dort entstanden die Novelle Sachar Berkut, die Übersetzungen von Goethes Faust und Heines Deutschland. Ein Wintermärchen sowie eine Artikelserie über Taras Schewtschenko. In den folgenden Jahren vertiefte er sich in Lemberg in die National- und Literaturgeschichte der galizischen Ukraine und arbeitete für die Zeitschriften Sorja und Dilo. 1885 und 1886 reiste er nach Kiew, wo er im Mai 1886 Olha Choruschynska (1864–1941) heiratete. Wegen seiner Kontakte zu Kiewer Studenten wurde er 1889 erneut für zwei Monate inhaftiert.

1890 gründete Franko die Zweiwochenschrift Narod und veröffentlichte die Sammlung Im Schweiße des Angesichts. Im selben Jahr rief er gemeinsam mit seinem Freund Mychajlo Pawlyk die Ruthenisch-ukrainische radikale Partei ins Leben. Um seinen Abschluss nachzuholen, schrieb er sich 1892 für ein letztes Semester an der Franz-Josephs-Universität Czernowitz ein, nachdem man ihn in Lemberg nicht mehr zugelassen hatte. Ein weiteres Semester verbrachte er am Slawistischen Seminar der Universität Wien, wo er am 1. Juli 1893 seine deutschsprachige Dissertation Über Barlaam und Josaphat und die Einhornparabel verteidigte, eingereicht bei Vatroslav Jagić. Ebenfalls 1893 erschien sein Drama Gestohlenes Glück, das am Theater Ruthenisches Gespräch aufgeführt wurde.

1894 ging er mit Mychajlo Hruschewskyj nach Lemberg und engagierte sich in der Wissenschaftlichen Gesellschaft Schewtschenko, in der er 1899 Vollmitglied wurde. Bei der Reichsratswahl 1897 kandidierte er erfolglos. 1898 wurde sein 25-jähriges Dichterjubiläum gefeiert; in dieser Zeit entstanden Gedichte wie Das Begräbnis, Mein Smaragd und Der arme Heinrich. 1904 besuchte er Rom. Professoren schlugen ihn als Kandidaten für die russische Akademie der Wissenschaften vor; seine Aufnahme wurde jedoch durch politische Einflussnahme verhindert. Iwan Franko starb 1916 im Alter von 59 Jahren und wurde auf dem Lytschakiwski-Friedhof in Lemberg beigesetzt.


Literarische Merkmale↑

Prägend für Frankos Schaffen ist seine außerordentliche Vielseitigkeit. Er schrieb Lyrik, Erzählungen, Novellen und Dramen, dazu Publizistik und wissenschaftliche Arbeiten. Seine Texte verfasste er in mehreren Sprachen, überwiegend auf Ukrainisch, daneben auf Polnisch, Deutsch, Russisch, Bulgarisch und Tschechisch. Neben dem eigenen Werk stand die Übersetzung: Er übertrug Taras Schewtschenko ins Deutsche und übersetzte Goethes Faust und Heines Deutschland. Ein Wintermärchen. Vielfach griffen seine Werke soziale Fragen und das Leben der einfachen Bevölkerung auf, so im Borislaw-Zyklus und in der Sammlung Im Schweiße des Angesichts.


Rezeption↑

Als einer der ersten ukrainischen Berufsschriftsteller nahm Franko eine Schlüsselstellung in der Literatur seines Landes ein. Neben Taras Schewtschenko hatte er großen Einfluss auf die entstehende ukrainische Literatur und auf die Entwicklung des nationalen ukrainischen Gedankens. Zu seinen Lebzeiten erschienen mehr als 220 einzelne Bücher und Broschüren, darunter über 60 Sammlungen eigener und übersetzter Werke. Bereits 1898 wurde sein 25-jähriges Dichterjubiläum begangen. Die Wertschätzung zeigt sich bis heute darin, dass die Universität in Lwiw, an der er studierte, seinen Namen trägt. Beigesetzt wurde er auf dem Lytschakiwski-Friedhof in Lemberg.

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