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Porträt Giosuè Carducci
Giosuè Carducci
1835 – 1907
– Autorenporträt –

Giosuè Carducci

1835 – 1907 · 71 Jahre

Italienischer Dichter und gefeierter Redner, überzeugter Republikaner und Bewunderer der römischen Antike – 1906 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.

Kurzporträt

Giosuè Carducci zählt zu den bekanntesten italienischen Dichtern des 19. Jahrhunderts. Geboren wurde er 1835 in Valdicastello in der Toskana. Über vier Jahrzehnte wirkte er als Professor für italienische Literatur in Bologna. Zugleich trat er als politischer Dichter und gefeierter Redner hervor. Seine Verse verbinden eine kühne, eigenwillige Gedankenwelt mit einer Vorliebe für die Strophenformen der römischen Antike. Als überzeugter Republikaner und Atheist erregte er mit Werken wie der Hymne Inno a Satana Aufsehen. 1906 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.


Biografie

Giosuè Carducci kam am 27. Juli 1835 als Sohn eines Landarztes in Valdicastello zur Welt. Der Ort gehört heute zu Pietrasanta in der Toskana. Sein Vater war als Mitglied des patriotischen Geheimbundes der Carbonari inhaftiert worden. Dieses Ereignis machte Carducci zum lebenslangen Republikaner. Er wuchs in der pisanischen Maremma auf. Deren tiefe und eigentümliche Natureindrücke regten schon den Knaben zu dichterischen Versuchen an. Seine spätere Jugend verlebte er in Florenz, wohin sein Vater übergesiedelt war. Früh galt sein Interesse den Werken der antiken griechischen und römischen Autoren.

Carducci studierte Philologie an der Universität Pisa und promovierte dort zum Doktor der Philosophie. Von 1856 bis 1857 war er als Lehrer der Rhetorik in San Miniato bei Pisa tätig. Wegen seiner atheistischen Ansichten wurde seine Bewerbung um eine Professur für Griechisch in Arezzo abgelehnt. 1860 wurde er Professor für Griechisch in Pistoia. 1861 wurde er Professor für italienische Literatur in Bologna. Diese Stelle hatte er bis 1903 inne. Dort verhalf er dem späteren Linguistik-Professor Alfredo Trombetti zu einem Studium. Zu seinen Schülern zählte auch der sozialistische Politiker Andrea Costa, mit dem er noch Jahre später in Kontakt blieb.

Carducci wurde 1862 Mitglied der Freimaurerloge „Galvani“ und Mitbegründer der Loge „Felsinea“ in Bologna. Später schloss er sich der Loge „Propaganda Massonica“ an. 1890 wurde er zum Senator berufen. Schon damals genoss er als politischer Dichter und herausragender Redner beträchtliches Ansehen. Ab 1886 war er korrespondierendes Mitglied der Accademia della Crusca in Florenz. Bei der Accademia dei Lincei war er ab 1887 korrespondierendes Mitglied und ab 1897 socio nazionale.

Im Jahr 1906 erhielt Carducci den Nobelpreis für Literatur. Da er schwer erkrankt war, überreichte ihm der schwedische Gesandte Baron De Bildt den Preis persönlich in seinem Haus in Bologna. Am 16. Februar 1907 starb er dort. Er wurde auf dem Cimitero Monumentale della Certosa begraben.


Literarische Merkmale

Seine dichterische Eigenart prägte Carducci früh. Er tat dies mit kleinen literarhistorischen Arbeiten in Zeitschriften sowie mit der lyrischen Sammlung Rime (1857). Deutlicher trat seine Handschrift in den weiteren Sammlungen Levia gravia (1868) und I Decennali hervor. In ihnen zeigt er sich als ein Poet von ungewöhnlicher Kühnheit und Originalität des Gedankens.

Sensationellen Erfolg hatte die 1863 geschriebene Hymne Inno a Satana. Er ließ sie 1865 unter dem Pseudonym Enotrio Romano als eine Art Flugblatt zur Verteilung an Freunde drucken. Der verneinende Geist, die Auflehnung und die ordnende Kraft der Vernunft werden darin mit schlagender Gewalt der Sprache gefeiert: als treibende Kraft des Menschenlebens und der Weltgeschichte, als Genius geistiger Unabhängigkeit und als Prinzip allen Fortschritts.

Ein Gesamtbild seines Schaffens geben die Poesie di Enotrio Romano (1871), eine Sammlung, die auch früher Erschienenes vereinigt. Es folgten die Nuove poesie (1873) und die Giambi ed epodi (1882). Seine Vorliebe für die altrömische Vergangenheit regte ihn zudem zu Dichtungen in den Strophenformen der Oden des Horaz an. Diese legte er in den Odi barbare und den Nuove odi barbare (1882) nieder.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten genoss Carducci als politischer Dichter und herausragender Redner beträchtliches Ansehen. Ausdruck fand es in der Berufung zum Senator 1890 und im Nobelpreis von 1906. Sein Nachruhm reicht über Italien hinaus. In Thomas Manns Werk Der Zauberberg teilt der Freidenker und Aufklärer Ludovico Settembrini der Hauptfigur Hans Castorp mit, er habe auf seinen Lehrer Carducci nach dessen Tod einen Nachruf für deutsche Zeitungen geschrieben.

Im deutschen Sprachraum wurden seine Gedichte mehrfach übertragen. Dazu zählen eine von Bettina Jacobson übersetzte und von Karl Hillebrand eingeleitete Auswahl (1880) sowie Übersetzungen von Paul Heyse (1889) und Fritz Sternberg. Sein Andenken ist in Italien vielfach sichtbar geblieben. Eine Gemeinde in der Provinz Livorno heißt nach ihm Castagneto Carducci. In den Sextner Dolomiten wurde 1908 die Carduccihütte nach ihm benannt. In zahlreichen Städten tragen Straßen seinen Namen. In Bologna erinnert das Museum Casa Carducci an seinem letzten Wohnsitz an den Dichter, mit angeschlossener Bibliothek und Archiv. Die Bestände hatte Königin Margherita di Savoia 1902 aufgekauft und nach Carduccis Tod der Stadt übertragen.

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