1906 – 1972
Dino Buzzati
Kurzporträt↑
Dino Buzzati (1906–1972) war ein italienischer Schriftsteller, Journalist, Maler und Redakteur. Sein Werk bleibt bis heute eng mit dem Roman Die Tatarenwüste verbunden. Er gehörte der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera an, der er bis zu seinem Tod treu blieb. In seinen Romanen und Erzählungen verband er eine schlichte, leicht lesbare Sprache mit rätselhaften, oft beklemmenden Stoffen. Die Literaturkritik stellte ihn in die Nähe von Franz Kafka und dem Surrealismus. Diese Vergleiche relativierte sie aber ebenso oft. Neben dem Schreiben trat Buzzati auch als Maler, Zeichner und Bühnenbildner hervor.
Biografie↑
Geboren wurde Dino Buzzati, mit vollem Namen Dino Buzzati Traverso, am 16. Oktober 1906. Er war das zweite von vier Kindern. Über seinen Geburtsort gehen die Quellen auseinander: Wikidata nennt Belluno, die Deutsche Nationalbibliothek hingegen San Pellegrino in Alpe. Übereinstimmend liegt der Ort im Dolomitengebiet bei Belluno. Sein Vater war der Professor Giulio Cesare Buzzati (1862–1920), der 1917 mit dem Adelsnamen Traverso ausgestattet wurde. Er war Venezianer und lehrte in Pavia, Padua, Macerata sowie an der Mailänder Università Commerciale Luigi Bocconi.
Auf Wunsch des Vaters absolvierte Buzzati ein Jurastudium. Nach dem Studienabschluss folgte der Militärdienst, bei dem er eine Offiziersschule besuchte. 1928 trat er in die Redaktion der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera ein. Dieser Zeitung blieb er, nur unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg, bis zu seinem Tod verbunden. Von 1950 bis 1963 leitete er als stellvertretender Chefredakteur die wöchentliche Beilage La Domenica del Corriere. Ein Beispiel seines journalistischen Schaffens sind die Reportagen über den Giro d’Italia von 1949. Sie erschienen auf Deutsch erst 2014 unter dem Titel Beim Giro d’Italia.
Prägend für sein Werk wurde eine 1935 erlittene schwere Mastoiditis. Aus diesen Erfahrungen erklären sich die kritischen Auseinandersetzungen mit dem Arztberuf und dem Krankenhauswesen, die sich in seinem Schreiben finden. Während des Zweiten Weltkriegs war Buzzati als Marineoffizier und Kriegsberichterstatter in Nordafrika und auf Sizilien im Einsatz.
Seinen schriftstellerischen Durchbruch begründeten Romane wie Bàrnabo delle montagne (1933, deutsch Die Männer von Gravetal) und Il segreto del bosco vecchio (1935, deutsch Das Geheimnis des Alten Waldes). Sein bekanntestes Buch ist der 1940 erschienene Roman Il deserto dei Tartari. Er wurde im Deutschen unter mehreren Titeln verbreitet, zuletzt als Die Tatarenwüste. Daneben veröffentlichte er zahlreiche Erzählbände, darunter I sette messaggeri (1942, deutsch Die sieben Boten). Dazu kamen das Kinderbuch La famosa invasione degli orsi in Sicilia (1945, deutsch Das Königreich der Bären) sowie 1963 der Roman Un Amore. 1969 erschien mit Poema a fumetti (deutsch Orphi und Eura) eine Graphic Novel.
Neben dem Schreiben trat Buzzati auch als Maler, Zeichner und Bühnenbildner in Erscheinung. Im Dezember 1966 heiratete er Almerina Antoniazzi. In seinem letzten Lebensjahrzehnt nahmen Themen und Werke verstärkt einen christlichen Charakter an. Dino Buzzati starb am 28. Januar 1972 in einer Klinik in Mailand.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Buzzatis Schreiben ist die Verbindung von schlichter, klar lesbarer Sprache mit phantastischen, geheimnisvollen und mitunter grotesken Stoffen. Immer wieder kreist sein Werk um die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens und dem Schicksal des Menschen. Sein bekanntester Roman Die Tatarenwüste trägt stark existenzialistische Züge.
Die häufig gezogenen Vergleiche mit Franz Kafka und dem Surrealismus werden in der Forschung kritisch gesehen. Manfred Hardt urteilte, Buzzatis Prosa habe trotz ihrer phantastischen und abnormen Motive keinerlei Bezug zum Surrealismus. Sie stelle vielmehr eine leicht lesbare, vom Autor nicht weiter reflektierte, vereinfachte Variante solcher in der modernen Literatur häufigen Motive dar. Aus eigener Erfahrung speiste sich auch die kritische Beschäftigung mit Ärzten und Krankenhäusern, die auf seine schwere Erkrankung von 1935 zurückgeht. In den späten Jahren trat ein christlicher Grundzug hinzu.
Rezeption↑
Bei der Aufnahme von Buzzatis Werk werden bis heute häufig Bezüge zu Franz Kafka und dem Surrealismus hergestellt. Die Literaturkritik hat diese Vergleiche jedoch ebenso oft relativiert oder zurückgewiesen. Barbara Baumann kam zu dem Schluss, es gebe „keinen ‚Kafka italiano‘, sondern den Schriftsteller Buzzati, der sich, wie Kafka, die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens, dem Schicksal des Menschen stellt und dabei aber zu einem anderen Ergebnis kommt“. Sein im Zweiten Weltkrieg erschienener Roman Die Tatarenwüste wird besonders wegen seiner existenzialistischen Züge hervorgehoben.
Buzzatis Werk wirkt bis in die Gegenwart fort. Seine Bücher wurden vielfach neu übersetzt und aufgelegt. Mehrere Erzählungen und Romane wurden verfilmt, darunter Die Tatarenwüste 1976 unter der Regie von Valerio Zurlini. Auch im deutschsprachigen Raum entstanden zahlreiche Hörspielbearbeitungen. Zum 100. Geburtstag 2006 gab die Poste Italiane eine Sonderbriefmarke heraus. Sein Schaffen ist Gegenstand mehrerer wissenschaftlicher Untersuchungen.
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