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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Yosa Buson
Yosa Buson
1716 – 1784
– Autorenporträt –

Yosa Buson

1716 – 1784 · 68 Jahre

Japanischer Dichter und Maler der Edo-Zeit, der die Haiku-Dichtung im Geist seines Vorbilds Matsuo Bashō neu belebte – bis heute zählt er zu den „Großen Vier“ dieser Gattung.

Kurzbiografie↑

Yosa Buson war ein japanischer Dichter und Maler der Edo-Zeit. Geboren wurde er 1716 in Kema in der Provinz Settsu, heute ein Stadtbezirk von Ōsaka. Gemeinsam mit Matsuo Bashō, Kobayashi Issa und Masaoka Shiki zählt er zu den „Großen Vier“ der japanischen Haiku-Dichtung. Sein Leben verlief zweigleisig: Er schrieb Verse und malte zugleich, und in der Malerei gilt er neben Ike no Taiga als einer der wichtigsten Vertreter des Nanga-Stils. Sein eigentlicher Familienname lautete Taniguchi; den Namen Yosa nahm er erst in reiferen Jahren an.


Biografie↑

Über die Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. Etwa im Alter von zwanzig Jahren kam Buson nach Edo, dem heutigen Tōkyō. Dort lernte er die Dichtkunst beim Haiku-Meister Hayano Hajin. Nach dem Tod seines Lehrers verließ er die Stadt und ging in die Provinz Shimo-Usa, die heutige Präfektur Ibaraki.

Sein Vorbild war Matsuo Bashō. Diesem folgend brach er zu einer Reise durch die Wildnis des nördlichen Honshū auf. Es war dieselbe Gegend, die Bashō einst zu seinem berühmten Reisebuch Oku no Hosomichi angeregt hatte. Anfangs schrieb Buson unter dem Dichternamen Saichō. Erst 1744 unterzeichnete er ein Haiku und seine Reisenotizen zum ersten Mal mit eigenem Namen.

Weitere ausgedehnte Reisen führten ihn durch verschiedene Landesteile, unter anderem in die Provinz Tango im Norden der heutigen Präfektur Kyōto und in die Provinz Sanuki auf der Insel Shikoku, die heutige Präfektur Kagawa. Mit 42 Jahren ließ er sich in Kyōto nieder. Etwa um diese Zeit begann er, unter dem Namen Yosa zu schreiben. Vermutlich stammt dieser Name vom Geburtsort seiner Mutter, dem Ort Yosa in der Provinz Tango; sicher belegt ist das jedoch nicht.

Mit 45 Jahren heiratete Buson. Aus der Ehe ging eine Tochter namens Kuno hervor. Von da an blieb er in Kyōto, wo er schrieb und im Ryokan Sumiya unterrichtete. 1770 nahm er den Namen Yahantei II an. Yahantei war der Künstlername seines Lehrers Hajin gewesen, und mit der Übernahme begann Busons offizielle Laufbahn als Haikai-Meister.

In dieser Zeit gelang es ihm, der Haikai-Dichtung wieder das literarische Ansehen zu verschaffen, das sie in der Genroku-Periode besessen hatte. Er löste eine „Zurück-zu-Bashō-Bewegung“ aus; deren Mittelpunkt bildete der Dichterkreis, den er selbst leitete.

Neben der Dichtung war Buson zeit seines Lebens auch als Maler tätig. Er gehört neben Ike no Taiga zu den bedeutenden Künstlern des Nanga-Stils.

Buson starb im Alter von 68 Jahren in Kyōto. Umstritten ist das genaue Sterbedatum: Wikidata nennt den 17. Januar 1784, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen das Jahr 1783. Sein Grab liegt in der Nähe des Tempels Kompuku-ji in Kyōto.


Literarische Merkmale↑

Busons Werk steht im Zeichen zweier Künste, die bei ihm zusammengehören: der Dichtung und der Malerei. Als Maler zählt er zu den bedeutenden Vertretern des Nanga-Stils, als Dichter zu den „Großen Vier“ des Haiku.

Sein dichterisches Selbstverständnis war rückwärtsgewandt im besten Sinne. Buson orientierte sich an Matsuo Bashō, dessen Spuren er sogar auf einer Reise durch den Norden Honshūs nachging. Aus dieser Verehrung erwuchs später die von ihm angestoßene „Zurück-zu-Bashō-Bewegung“. Ihr Ziel war es, die Haikai-Dichtung wieder auf jene Höhe zu heben, die sie in der Genroku-Periode erreicht hatte. Buson trieb diese Erneuerung nicht als einzelner Autor voran, sondern von einem Dichterkreis aus, den er als Haikai-Meister leitete.

Auch die Namen, unter denen er schrieb, gehören zu seinem künstlerischen Werdegang. Zuerst nannte er sich Saichō, dann Yosa, schließlich Yahantei II. Der letzte Name war der Künstlername seines Lehrers Hajin und markierte die Übernahme von dessen Rolle.


Rezeption↑

Bis heute gilt Buson als eine der vier großen Gestalten der japanischen Haiku-Dichtung, neben Matsuo Bashō, Kobayashi Issa und Masaoka Shiki. Auch in der Kunstgeschichte hat er seinen festen Platz, dort als einer der bedeutenden Maler des Nanga-Stils.

Sein Werk ist bis in die jüngste Zeit nicht abgeschlossen erforscht. Erst 2015 tauchten mehr als 200 bis dahin unbekannte Haiku auf, verborgen in einer vergessenen Anthologie in der Zentralbibliothek von Tenri.

Ins Deutsche gelangte Buson unter anderem mit der Anthologie Dichterlandschaften, die 1992 bei der Dieterich'schen Verlagsbuchhandlung erschien; Geza S. Dombrady besorgte Übertragung, Einführung und Anmerkungen. 2017 folgte der Band Des Höllenkönigs Mund im Calambac Verlag, herausgegeben von Elena Moreno Sobrino und übersetzt von A. Gerhard. Die internationale Forschung hat sich ihm ebenfalls zugewandt, etwa Makoto Ueda mit The Path of Flowering Thorn von 1998 und Cheryl A. Crowley mit Haikai Poet Yosa Buson and the Basho Revival von 2007.

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